F1-Streitthema Reifen: Das große Durchdrehen

Von Ralf Bach und

Reifenstreit in der Formel 1: Runde Streitobjekte Fotos
DPA

Weich, hart, kalt, warm: Die Reifen sind derzeit das beherrschende Thema in der Formel 1. Während Red Bull mit den neuen Pirelli-Pneus kämpft, hat Ferrari die bessere Abstimmung gefunden. Hier sind die wichtigsten Informationen über die große Reifenschlacht.

Sebastian Vettel wird am Wochenende womöglich wieder schimpfen. Er tut ja derzeit kaum etwas anderes: Über die Reifen seines Formel-1-Autos und über deren Hersteller Pirelli. Zu weich seien die Pneus, bauten zu schnell ab, und überhaupt habe es "nicht viel mit Rennfahren zu tun, wenn man das ganze Rennen praktisch nur auf die Reifen auslegt", sagte der Titelverteidiger nach dem Großen Preis von China gereizt, nachdem er das Podest ganz knapp verpasst hatte.

Nun steht der Große Preis von Bahrain an, und Vettels Red-Bull-Team wird sich für das Rennen am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine besondere Strategie ausdenken müssen, um seine Fahrer auf das Podest zu bringen. Erstens, weil der Rennstall trotz des Doppelsieges in Malaysia noch immer nach einer gut funktionierenden Abstimmung zwischen Auto und Reifen sucht, die beim Red-Bull-Wagen besonders schnell abbauen. Und zweitens weil im Königreich am Persischen Golf Asphalttemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius herrschen, was die Reifen zusätzlich belastet.

"Es gehört eben auch zur Formel 1, ein Auto zu entwickeln, das im Zusammenspiel mit den Reifen am besten funktioniert. Lotus und Ferrari haben das bisher gut geschafft", entgegnet Pirellis Motorsportchef Paul Hembery den Reifen-Kritikern.

Aber warum sind die Pneus in dieser Formel-1-Saison so ein dominierendes Thema? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Welche Reifen-Typen gibt es?

Pirelli liefert vier verschiedene Trockenreifen-Mischungen: supersoft, soft, medium und hart. Je weicher der Reifen ist, desto mehr Haftung hat er und desto schneller ist er auch. Aber: Er baut auch schneller ab. Je härter die Mischung, desto weniger Haftung hat der Reifen, ist aber langlebiger. Außerdem gibt es einen sogenannten Intermediate-Reifen für feuchte Pisten und Regenreifen mit extra tiefem Profil für nasse Rennstrecken.

Können die Fahrer bei den Reifen frei wählen?

Nicht ganz. Von den Trockenreifen-Mischungen kommen an einem Grand-Prix-Wochenende immer nur jeweils zwei zum Einsatz. In China waren das zum Beispiel soft und medium. Nach Bahrain hat Hersteller Pirelli die Mischungen medium und hart mitgebracht, also die beiden härtesten, wegen der hohen Temperaturen. Beide Trockenreifen-Typen müssen laut Reglement im Rennen bei einer kompletten Runde zum Einsatz kommen. Regenrennen sind davon ausgenommen.

Was hat Pirelli in dieser Saison an den Reifen verändert?

Der italienische Hersteller hat die Trockenreifen-Mischungen im Vergleich zur vergangenen Saison etwas weicher gemacht. Das bedeutet, dass die Pneus mehr Geschwindigkeit erlauben, aber auch schneller abbauen.

Warum diese Veränderungen?

Pirelli hatte von der Formel 1 den Auftrag, für mehr Boxenstopps zu sorgen. Das soll mehr Spannung und Abwechslung erzeugen. Am Ende der vergangenen Saison kamen viele Teams häufig mit nur einem Stopp aus, was weniger Action auf der Strecke zur Folge hatte. Weil die Reifen nun schneller abbauen, müssen die Piloten sie öfter wechseln, also mehr Stopps einlegen.

Warum konnten sich die Teams nicht auf die neuen Reifen einstellen?

Die Pneus sind auf warmes Wetter ausgelegt, weil bei fast allen Rennen hohe Temperaturen herrschen. Die Tests vor der Saison fanden in Spanien statt. Dort war es dieses Jahr Ende Februar, Anfang März ungewöhnlich kalt. Daher brachten die Testfahrten kaum brauchbare Erkenntnisse, wie sich die Reifen bei Hitze verhalten. Erfahrungen konnten die Teams somit erst in Australien beim ersten Grand Prix dieser Saison machen.

Welche Rennställe haben die größten Probleme?

Von den Top-Teams insbesondere Red Bull, weil das Auto zu schnell ist für die neuen Reifen. Der Wagen von Vettel und Mark Webber wurde so konstruiert, dass er insbesondere in den Kurven hohe Geschwindigkeit fahren kann. Dort wirken aber große Kräfte auf die Seitenwände der Reifen, was den Verschleiß fördert. Bei großer Hitze wird dieser Prozess noch beschleunigt. Wären die Reifen härter und damit widerstandfähiger, käme der Red-Bull-Vorteil in den Kurven deutlich besser zum Tragen.

Wer kommt gut mit den neuen Reifen zurecht?

Vor allem Ferrari. Den Italienern ist es gelungen, ein schnelles Auto zu bauen und gleichzeitig eine gute Abstimmung zwischen Wagen und Reifen hinzubekommen. Sicherlich nicht hinderlich war dabei die Tatsache, dass der neue Ersatzpilot Pedro de la Rosa zuvor Testpilot bei Pirelli war. Und die aktuellen Pirelli-Testfahrer Jaime Alguersuari (Spanien) und Lucas di Grassi (Brasilien) sollen einen sehr kurzen Draht zu ihren Landsleuten Fernando Alonso (Spanien) und Felipe Massa (Brasilien) haben - zufällig den beiden Ferrari-Piloten.

Ist das Reifen-Problem neu?

Nicht wirklich. Vor jeder Saison gibt es neue Reifenmischungen. Und zu Beginn jeder Saison gibt es einige Fahrer und Teams, die gut mit den neuen Pneus zurechtkommen, und es gibt welche, die Probleme bei der Abstimmung von Auto und Reifen haben. So beschwerte sich vergangenes Jahr etwa Michael Schumacher ähnlich lautstark über die neuen Reifen, wie es Vettel nun tut. In den vergangenen Jahren war es aber stets auch so, dass sich Fahrer und Teams im Laufe der Saison auf die neuen Reifen eingestellt und ihr Auto entsprechend abgestimmt haben.

Was sagt Pirelli?

Die Italiener verweisen darauf, dass sie Teams und Fahrer mit den neuen Reifen per Anordnung ja geradezu zu mehr Boxenstopps zwingen sollten. Zudem gibt Pirellis Motorsportchef Hembery zu bedenken: "Das Reifenmanagement ist schon immer ein wesentlicher Bestandteil des Motorsports gewesen, das hat sich nicht geändert."

Wird bei den Reifen nochmal nachgebessert?

Das steht noch nicht fest. Red Bull fordert das aus genannten Gründen vehement, auch Mercedes wünscht sich neue Reifen. Ferrari und Lotus sind dagegen. Pirelli will erst einmal den Grand Prix in Bahrain abwarten, bis der Hersteller entscheidet, ob er ab dem übernächsten Rennen in Barcelona insgesamt härtere Trockenreifen-Mischungen liefert. Sollten sie einlenken, dürfte selbst Vettel weniger zu schimpfen haben.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Reifen-Gate
wind_stopper 19.04.2013
Der Schummel ist im vergangenen Jahr nicht ganz aufgegangen. Der italienisch/spanischen Reifenmafia fehlten am Ende ein paar Punkte. In diesem Jahr soll da nichts anbrennen. Alonso soll Champion werden, daran besteht doch kein Zweifel. Ist doch offensichtlich, dass Pirelli Ferari gezielt mit Informationen versorgt. Hoffe nur, der Finne versaut denen die Party. Formel1 = getuerckter Schwindel
2.
schmunda 19.04.2013
Zitat von sysopWeich, hart, kalt, warm: Die Reifen sind derzeit das beherrschende Thema in der Formel 1. Während Red Bull mit den neuen Pirelli-Pneus kämpft, hat Ferrari die bessere Abstimmung gefunden. Hier sind die wichtigsten Informationen über die große Reifenschlacht. Formel1: Die Reifen sorgen bislang für die größten Diskussionen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/formel1-die-reifen-sorgen-bislang-fuer-die-groessten-diskussionen-a-894992.html)
Das Problem war in China eklatant. Überholmanöver waren aus sportlicher Sicht bedeutungslos. Man hätte auch alle Fahrer nacheinander einzeln antreten lassen können und am Ende wären diese oder ähnliche Zeiten rausgekommen.
3. Nicht schon wieder Reifen
Stauss 19.04.2013
Wenn bei der Formel 1 die Reifen zum Hauptthema geworden sind, kann etwas mit dem Sport nicht stimmen. 2. Thema: missliche Stallorders, die es eigentlich gar nicht geben darf. 3. Thema: welche Freundin/Freund (wg. pc) gerade ein Kind kriegt. Kein Wunder, dass die Zuschauer und Leser die Kurve kratzen.
4.
SenseSeek 19.04.2013
Es kann doch nicht sein, dass die F1 nur noch dadurch bestimmt wird, wer am besten die Reifen schont. Früher zählten mal Motor, Abtrieb und fahrerisches Können. Heute darf man nicht mehr schnell fahren, weil sonst die Reifen kaputt gehen. Wir sprechen hier von der Formel 1, der Königsklasse des Motorsports. Demnächst gewinnt noch derjenige, der den wenigsten Sprit gebraucht hat. Dauert ein Rennen dann halt 15 Stunden. Ich finds einfach nur lächerlich.
5.
curulin 19.04.2013
Zitat von sysop"Es gehört eben auch zur Formel 1, ein Auto zu entwickeln, das im Zusammenspiel mit den Reifen am besten funktioniert. Lotus und Ferrari haben das bisher gut geschafft", entgegnet Pirellis Motorsportchef Paul Hembery den Reifen-Kritikern.
Ich gehe morgen mal zum Autohändler undsage ihm, dass ich zu Hause 4 Sätze Pirelli Reifen habe und er soll mir ein Auto empfehlen, welches am besten dazu passt. Auf die Reaktion bin ich gespannt.
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Formel 1: Rennkalender 2013
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 17.03. Australien (Melbourne)
2 24.03. Malaysia (Sepang)
3 14.04. China (Shanghai)
4 21.04. Bahrain (Manama)
5 12.05. Spanien (Barcelona)
6 26.05. Monaco (Monte Carlo)
7 09.06. Kanada (Montreal)
8 30.06. Großbritannien (Silverstone)
9 07.07. Deutschland (Nürburgring)
10 28.07. Ungarn (Budapest)
11 25.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
12 08.09. Italien (Monza)
13 22.09. Singapur (Singapur)
14 06.10. Südkorea (Yeongam)
15 13.10. Japan (Suzuka)
16 27.10. Indien (Neu-Delhi)
17 03.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
18 17.11. USA (Austin)
19 24.11. Brasilien (São Paulo)

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Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Mark Webber
Ferrari Fernando Alonso Felipe Massa
McLaren Jenson Button Sergio Pérez
Lotus Kimi Räikkönen Romain Grosjean
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Sauber Nico Hülkenberg Esteban Gutiérrez
Force India Paul di Resta Adrian Sutil
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Toro Rosso Daniel Ricciardo Jean-Eric Vergne
Caterham Charles Pic Giedo van der Garde
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