Von Ralf Bach
Sebastian Vettel hat beim Rennen in Sao Paulo keine gelben Flaggen missachtet und wird seinen WM-Titel behalten. Das wurde SPIEGEL ONLINE am Vormittag aus Kreisen der Automobilbehörde Fia bestätigt, die für Reglement und Wertung der Formel-1-Weltmeisterschaft verantwortlich sind. Noch am Nachmittag soll es dazu eine offizielle Stellungnahme geben.
Auch Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone (82) bezieht gegenüber SPIEGEL ONLINE deutlich Stellung. "Ich bin nicht für das Reglement verantwortlich, das liegt allein in den Händen der Fia. Aber alles, was ich sagen kann, ist: Die Rennleitung war in jeder Phase während des Rennens über alles informiert. Sie haben klare Entscheidungen getroffen. Es gab auch keinen Protest nach dem Rennen in der dafür vorgeschriebenen Zeit." Deshalb sei für ihn klar: "Es wird nichts passieren. Sebastian Vettel ist Weltmeister 2012."
Damit sind alle Spekulationen beendet, die besagen, dass Vettel eventuell seinen Titel wegen zweier fragwürdiger Überholmanöver am grünen Tisch noch verlieren könnte. Aus Fia-Kreisen erfuhr SPIEGEL ONLINE: Dieses Szenario stand nie zur Debatte. Das Thema sei lediglich vom Management des Vizeweltmeisters Fernando Alonso aufgebracht worden.
Bilder zeigen, dass ein Marshall eine grüne Flagge schwenkt
Beim Rennen in Brasilien war Vettel gleich zweimal unter Verdacht geraten, bei gelben Flaggen überholt zu haben. In Runde vier fuhr er an Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne vorbei, in Runde acht passierte der Weltmeister Kamui Kobayashi. Angeblich unter gelber Flagge. Beim Überholmanöver von Vergne ist auf dem Video zu sehen, dass auf Vettels Lenkrad-Display das gelbe Licht aufleuchtet, das Gefahr signalisiert. Allerdings zeigen die Bilder auch, dass ein Marshall auf der linken Seite eine grüne Flagge schwenkt, bevor Vettel zum Manöver ansetzte. Damit durfte Vettel überholen.
Der Weltmeister selbst will sich nicht zu dem Thema äußern. Das sei einzig und allein Sache der Fia. Ferrari hatte zunächst bei der Rennleitung kurz angefragt, ob Regelverstöße vorlagen, bekam aber ein klares Nein zur Antwort und gab sich damit zunächst zufrieden. Nun teilte das Team aber via Twitter mit, dass man die Fia schriftlich aufgefordert habe, Vettels Überholmanöver zu prüfen.
Zuvor war ein Ferrari-Sprecher mit den Worten zitiert worden: "Wir sehen uns das Material an. Alles, was die Glaubwürdigkeit dieser Weltmeisterschaft gefährdet, muss untersucht werden." Von diesem Satz distanzierte sich aber wiederum Ferraris Teamführung, wohl aufgrund der Wortwahl: Denn bei näherer Betrachtung könnte der Satz auch gegen Ferrari ausgelegt werden. Mit dem Getriebewechsel nach dem Qualifying von Ferrari-Pilot Felipe Massa beim GP der USA sorgte Ferrari für schlechte Stimmung.
Massa musste durch den technisch völlig unbegründeten Wechsel fünf Startplätze nach hinten und sorgte so dafür, dass sein Teamkollege und WM-Anwärter Fernando Alonso nicht nur einen Startplatz gewann, sondern auf der befahreneren Seite der Startgeraden losfahren konnte - ein großer Vorteil bei der Beschleunigung zur ersten Kurve.
Der Getriebewechsel entsprach zwar dem Reglement, sorgte aber für viel Aufruhr und Diskussion. Die vom Ferrari-Sprecher erwähnte Glaubwürdigkeit der Formel 1 litt gewaltig. Und in Paragraf 151c der Fia-Regeln heißt es sinngemäß: "Wer dem Image des Sports schadet, kann mit Geldstrafe oder Punktabzug bestraft werden."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Formel 1 | RSS |
| alles zum Thema Formel 1 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH