Aus Melbourne berichtet Ralf Bach
Red Bull überlässt nichts dem Zufall. 13 sogenannte Rainspotter, "bewaffnet" mit Walkie-Talkies, beauftragte das Team von Weltmeister Sebastian Vettel während des verregneten Qualifyings damit, jede noch so kleine Wetterbewegung um die Strecke des Albert Parks in Melbourne zu melden. Mit Erfolg: Vettel und Teamkollege Mark Webber waren zu jedem Zeitpunkt mit den richtigen Reifen auf der Strecke und fuhren mit den besten Rundenzeiten auf die Startplätze eins und zwei.
Doch im Rennen drehten sich die Kräfteverhältnisse plötzlich um, der Red Bull war nicht mehr das schnellste Auto. Vettel und Co. können deshalb nicht wirklich zufrieden mit dem dritten Platz beim Großen Preis von Australien sein.
Immerhin erteilte der Saisonauftakt dem Rennstall eine wichtige Lehre: Bei den sensiblen neuen Pirelli-Reifen kommt es darauf an, wie man sie über die gesamte Dauer einteilt. "Die Reifen sind uns doch ein bisschen zu früh um die Ohren geflogen", sagte Vettel nach dem Rennen. Red Bull vermutet, dass man sich in der Fahrzeugabstimmung in Melbourne zu sehr auf eine schnelle Runde statt auf den gesamten Rennverlauf konzentriert habe.
Beim Großen Preis von Malaysia am kommenden Sonntag (9 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will sich der Rennstall deshalb bereits im freien Training besser auf das Rennen vorbereiten und mehr Runden an einem Stück fahren, um den Abbau der Reifen näher zu studieren. Zudem werden in Malaysia die Asphalttemperaturen voraussichtlich rund 15 Grad höher sein als in Melbourne. Das bedeutet einen völlig anderen Reifenverschleiß und erfordert daher von Beginn an spezielle Fahrzeugabstimmungen. Reifenhersteller Pirelli wird außerdem die zwei härtesten Mischungen mit nach Kuala Lumpur bringen, das kann die Kräfteverhältnisse wieder komplett umkrempeln. Vettel gibt sich deshalb optimistisch: "Das wird ein völlig anderes Rennen."
Er und sein Team wollen sich von dem Rennausgang in Melbourne nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn schwerer als die richtige Reifenmischung ist es, das schnellste Auto zu bauen. Und das haben die Österreicher offenbar geschafft. Alles andere ist Feintuning. "Ich bin nicht beunruhigt", sagte Vettel gelassen: "Den Trend, den es vielleicht hier in Australien gab, der hat meist nicht lange gehalten."
Doch wie sieht es bei der Konkurrenz aus?
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