Hamilton-Affäre: "Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt"

Zerknirschter Weltmeister: Formel-1-Pilot Lewis Hamilton vom McLaren-Mercedes-Rennstall hat sich für seine Falschaussage vor den Rennkommissaren in Melbourne entschuldigt. Er sei verwirrt gewesen. Experten und Medien sind sich indes einig: Der Brite hat an Glaubwürdigkeit verloren.

Hamburg - "Ich habe gemerkt, dass es ein großer Fehler ist. Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt", sagte der McLaren-Mercedes-Pilot am Freitag in Sepang. "Ich bin kein Lügner." Sein Fehlverhalten begründete er damit, dass er verwirrt gewesen sei. "Man hat mich falsch instruiert, und mein Fehler war, dass ich darauf eingegangen bin. Daraus werde ich meine Lehren ziehen. Das passiert mir nicht mehr."

Weltmeister Hamilton: "Ich bin kein Lügner"
AFP

Weltmeister Hamilton: "Ich bin kein Lügner"

Sein Sportdirektor Dave Ryan habe ihn aufgefordert, er solle Informationen zurückhalten. Hamilton war am Donnerstag wegen der Falschaussage für das Rennen in Australien disqualifiziert worden und hatte seinen dritten Platz verloren. Ryan wurde am Freitag von McLaren-Mercedes suspendiert.

In der 56. Runde des Australien-Rennens war Toyota-Pilot Jarno Trulli in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Sebastian Vettel (Red Bull) und Robert Kubica (BMW-Sauber) an Position drei liegend kurz von der Strecke abgekommen. Hamilton überholte ihn, ließ ihn dann aber wieder vorbei. In Melbourne hatte es geheißen, dass Hamilton sich nicht sicher war, ob sein Überholmanöver korrekt gewesen sei. Deshalb habe er Trulli passieren lassen. Eine Team-Order hatte er bestritten. Hamilton hatte jedoch während des Rennens über Funk die Anweisung bekommen, den Toyota-Piloten Jarno Trulli überholen zu lassen. Dies hatte er nicht vor der Kommission ausgesagt.

Genau das aber haben die Silberpfeile in Melbourne getan, wie die Funk-Aufzeichnungen während des Rennens in Australien beweisen: "Okay Lewis, du musst den Toyota vorbeilassen", ist im schriftlich begründeten Urteil zu lesen. Hamilton antwortete: "Okay."

Über die Entlassung Ryans, der seit 1974 für McLaren arbeitete, zeigte sich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schockiert: "Ich bin nicht sicher, ob es da den Richtigen getroffen hat. Dave Ryan war nur ein Angestellter. Handelt so einer auf eigene Faust?", sagte der 78-Jährige und legte den Verdacht nahe, dass es sich wohl nur um ein "Bauernopfer" handele.

Formel-1-Experten, englische und italienische Medien sind sich indes einig, dass dieser Vorfall Hamiltons Ansehen geschadet hat. "Sein Image ist ruiniert. Man wird ihm nie mehr etwas glauben. Das ist der Schaden der bleibt", sagte TV-Kommentator Christian Danner. Englands Presse schimpfte unisono. "Hamilton verliert Gesicht und Punkte", schrieb der "Daily Telegraph", "The Star" titelte: "Lügner Lewis. Hamilton wurde als Betrüger gebrandmarkt." Auch in Italiens Medien wurden Hamiltons Falschaussagen negativ bewertet: "Nicht zum ersten Mal versucht Hamilton, schlauer als alle anderen zu sein", schrieb die "Corriere dello Sport", "La Repubblica" orientierte sich mit dem Satz "Lewis der Lügner" ein wenig an der "Sun".

bka/sid/dpa

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