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Rosberg gegen Hamilton: Neustart im Titelrennen

Aus Silverstone berichten Christian Menath und Stephan Heublein

Hamiltons Sieg in Silverstone: Die Spannung ist zurück Fotos
Getty Images

Lewis Hamilton ist zurück im Titelkampf. Durch den Heimsieg des Briten in Silverstone und das Ausscheiden Nico Rosbergs ist die Weltmeisterschaft wieder völlig offen. Und das teaminterne Duell der Silberpfeil-Piloten erhält neuen Zündstoff.

Der Frust und die Verärgerung standen ihm ins Gesicht geschrieben. Lewis Hamilton hatte am Samstagabend in Silverstone noch nicht mal ein angedeutetes Lächeln für die Journalisten übrig. Mehr als einsilbige Antworten im Stile eines Kimi Räikkönen waren aus dem Mercedes-Piloten nicht herauszubekommen. Zwei Fehler in zwei aufeinanderfolgenden Qualifyings: Das hatte dem WM-Zweiten gehörig die Stimmung vemiest. Noch nicht einmal die zehntausenden britische Fans, allesamt mit Hamilton-Kappen ausgestattet, konnten ihn aufmuntern.

Ganz anders war die Laune dann am Sonntagnachmittag: Mit einer starken Leistung und dank eines Ausfalls von Nico Rosberg verkleinerte der Brite seinen Rückstand in der WM-Wertung von 29 auf nur noch vier Punkte. "Das Wochenende hat gezeigt, dass man niemals aufgeben darf", sagte Hamilton nach seinem fünften Saisonsieg. "Der gestrige Tag war ein Tritt in den Unterleib. Mir war klar, dass ich mich aufraffen musste, wenn ich die WM gewinnen möchte."

"Das Blatt kann sich schnell wenden"

Dieses große Ziel eint Hamilton und Rosberg. Der Abstand zur Konkurrenz von Ferrari, Red Bull und Williams ist riesig. "Wir waren hier fast so überlegen wie zu Saisonbeginn", sah Rosberg wenigstens etwas Gutes nach seinem Ausfall, den ein Getriebedefekt auslöste. Der deutsche WM-Spitzenreiter sah zum ersten Mal in dieser Saison die Zielflagge nicht. Selbst in Kanada, wo Rosberg Brems- und Kühlungsprobleme plagten, hatte er seinen Silberpfeil bis ins Ziel gerettet. Bei den ersten acht Saisonläufen stand er jeweils als Sieger oder als Zweiter auf dem Podium. In Silverstone gab es erstmals in diesem Jahr eine Nullrunde.

Hamilton hatte hingegen schon im ersten Saisonrennen in Australien durch einen technisch bedingten Ausfall wertvolle Punkte verloren. Ein weiterer Defekt in Montreal durchbrach seine Siegesserie und kostete ihn erneut mindestens 18 WM-Zähler. "Heute habe ich mir diese Punkte zurückgeholt", sagte Hamilton. "Ich bin ihnen seit dem ersten Rennen hinterhergejagt." Jetzt ist er plötzlich wieder in Schlagdistanz zu seinem Teamkollegen. "Das Blatt kann sich schnell wenden", sagt Rosberg und Motorsportchef Toto Wolff ergänzt: "Vor einigen Rennen hatte Lewis noch einen Lauf, war nahezu unschlagbar. Dann war es Nico. Man darf einfach keinen dieser Jungs abschreiben."

"Wir haben zwei Nummer-eins-Fahrer"

Der WM-Kampf wird in dieser Saison allerdings nicht nur auf den 19 Rennstrecken ausgetragen. Zwischen und während der Wochenenden geht das Duell in den Köpfen der beiden Kontrahenten weiter. "Man muss immer voll bei der Sache sein - das ist entscheidend", sagt der dreifache Weltmeister Jackie Stewart. "Man kann es sich noch nicht einmal leisten, nur zu blinzeln."

Rosberg gilt als einer der cleversten Fahrer im Feld. Er durchwühlt die Telemetrie-Daten nach winzigen Vorteilen und weiß im Cockpit sofort, wie er auf veränderte Bedingungen reagieren muss. Aus diesem Grund glaubt Formel-1-Experte Christian Danner auch nicht, dass Hamilton seinen Teamkollegen mit Psychospielchen aus dem Konzept bringen kann. "Er kennt Lewis ganz genau und weiß, mit wem er es zu tun hat", sagt Danner. "Nico hat sehr viel Selbstbewusstsein, und das berechtigt. Das steckt er aufgrund der Kapazität zwischen seinen Ohren locker weg."

Beiden Titelanwärtern steht das schnellste Auto des gesamten Feldes zur Verfügung. "Aber die Standfestigkeit gehört eben auch dazu", sagt Rosberg. Diese hat beide Mercedes-Piloten schon im Stich gelassen. Die WM beginnt deshalb in zwei Wochen beim Großen Preis von Deutschland wieder von vorne. "Wir werden sie gegeneinander fahren lassen", sagt Wolff. Eine Bevorzugung eines der beiden Fahrer kommt für Mercedes nicht in Frage. Diese Situation stellt auch für das Team Neuland dar. "Wir haben zwei Nummer-eins-Fahrer, die zu gleichen Bedingungen um die WM kämpfen." Das habe es in der Vergangenheit bei noch keinem Team gegeben, betont Wolff. "Die Weltmeisterschaft ist komplett offen."

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Gähn
tommit 06.07.2014
herbeigeschriebene und von Bernie geskriptete Spannung, der ja kein gehalt bekommt...
2. Teaminternes Duell = Langeweile pur
Nabob 06.07.2014
Zitat von sysopLewis Hamilton ist zurück im Titelkampf. Durch den Heimsieg des Briten in Silverstone und das Ausscheiden Nico Rosbergs ist die Weltmeisterschaft wieder völlig offen. Und das teaminterne Duell der Silberpfeil-Piloten erhält neuen Zündstoff. http://www.spiegel.de/sport/formel1/hamilton-gegen-rosberg-silberpfeile-kaempfen-um-wm-titel-der-formel-1-a-979549.html
Lauda will Hamilton als WM und so wird es kommen. Mit Hilfe der FIA wird die WM "spannend" gehalten, meint man. Der beste Fahrer hat nicht das schnellste Auto, hat aber heute im Kampf um Platz 5 gezeigt, wie Rennen gefahren werden. Die Schienenbusse aus Untertürkheim interessiert doch niemanden, und Können braucht man auch nicht, um damit vorn zu sein, allenfalls um vor dem Teammate zu sein - und das noch etwa 10 mal?
3. Unsinn
wikkur 06.07.2014
der Bernie hat wohl derzeit andere Sorgen. Dass in der F 1 Spannung herrscht, ist alleine Zetsche zu verdanken, da er das Personal ausgetauscht hat. Ein ehemaliger Motorsportredaktuer war überfordert.
4. Wenn Mercedes das nicht bereut ..
deutscheridiot 07.07.2014
... der smarte Rosberg ist sicherlich der bessere Marketing Weltmeister. In China lieben sie Made in Germany. Und wenn das dann 100% deutsch ist, umso besser ;)
5. Rosberg
didiastranger 07.07.2014
Sehr schade wenn das eigene Team dich ausbremst, nur um den Briten zu pleasen.
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Fotostrecke
Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Formel 1: Rennkalender 2014
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 16.03. Australien (Melbourne)
2 30.03. Malaysia (Sepang)
3 06.04. Bahrain (Manama)
4 20.04. China (Shanghai)
5 11.05. Spanien (Barcelona)
6 25.05. Monaco (Monte Carlo)
7 08.06. Kanada (Montreal)
8 22.06. Österreich (Spielberg)
9 06.07. Großbritannien (Silverstone)
10 20.07. Deutschland (Hockenheimring)
11 27.07. Ungarn (Budapest)
12 24.08. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 07.09. Italien (Monza)
14 21.09. Singapur (Singapur)
15 05.10. Japan (Suzuka)
16 12.10. Russland (Sotschi)
17 02.11. USA (Austin)
18 09.11. Brasilien (São Paulo)
19 23.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)

Formel-1-Saison 2014: Die wichtigsten Änderungen
Motor
Die Ära der Saugmotoren ist vorbei. Statt der 2,4-Liter-Triebwerke mit acht Zylindern stecken nun 1,6-Liter-Turbomaschinen mit sechs Zylindern unter der Fahrzeugabdeckung. Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten.
Hybridsystem
Das Hybridsystem ERS (Energy Recovery System) liefert pro Runde zusätzlich 160 PS für 33,3 Sekunden. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs.
Spritlimit
Erlaubt sind für jedes Rennen nur noch 100 statt bislang 150 Kilogramm Sprit. Die Folge ist, dass die Fahrer verbrauchsschonender fahren müssen. Wer nur auf dem Gaspedal steht, wird das Ziel nicht erreichen.
Fahrzeugnase
Sie wurde drastisch abgesenkt. Zuletzt war eine Maximalhöhe von 55 Zentimetern erlaubt. Nun sind es nur noch 18,5 Zentimeter von der Spitze der Rennwagen zum Boden. Die Nasen liegen damit unwesentlich höher als der Frontflügel. Der Grund für die Änderung: Durch die noch tiefer liegende Wagenspitze soll bei Kollisionen die Gefahr weiter gemindert werden, dass andere Piloten von ihr getroffen werden.
Frontflügel
Er ist schmaler geworden. Statt 1,80 Metern beträgt die erlaubte Maximalbreite 1,65 Meter. Auswirkung hat das auf die sogenannten Endplatten, die für die Luftführung vor den Vorderreifen wichtig sind.
Heckflügel
Das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beamwing, ist nicht mehr erlaubt. Für die Ingenieure besteht auch hier die Herausforderung darin, den dadurch verlorenen Abtrieb zu kompensieren.
Auspuff
Nur noch ein Endrohr ist erlaubt. Bislang wurden die Abgase über zwei seitliche Kanäle abgeleitet und so auf das Heck geführt, dass auch dadurch weiterer Abtrieb erreicht wurde, sprich: eine bessere Straßenlage. Das neue Endrohr muss mittig angebracht sein.
Startnummern
Erstmals tragen die Piloten nicht mehr die Startnummern nach der Abschlussrangliste der vorhergehenden Saison. Nur die 1 ist weiter dem Titelverteidiger vorbehalten, ansonsten durften sich die Piloten ihre Startnummer aussuchen. Zur Wahl standen Zahlen von 2 bis 99.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.
Die neue "Power Unit"

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Team Fahrer 1 Fahrer 2
Red Bull Sebastian Vettel Daniel Ricciardo
Ferrari Kimi Räikkönen Fernando Alonso
Mercedes Nico Rosberg Lewis Hamilton
Lotus Romain Grosjean Pastor Maldonado
McLaren Jenson Button Kevin Magnussen
Sauber Adrian Sutil Esteban Gutiérrez
Force India Nico Hülkenberg Sergio Pérez
Toro Rosso Jean-Eric Vergne Daniil Kwjat
Williams Felipe Massa Valtteri Bottas
Caterham Marcus Ericsson Kamui Kobayashi
Marussia Max Chilton Jules Bianchi

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