Haugs Warm-Up: "Hamiltons Manöver war gekonnt"

Beim Rennen in Monza setzt Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug auf die eigenen Fans. Gewinnen will McLaren-Mercedes auch vor dem Sportgericht. Haug erklärt, warum das Überholmanöver Lewis Hamiltons in Spa bewunderungswürdig ist und nicht bestraft gehört.

SPIEGEL ONLINE: Herr Haug, Sie haben Protest wegen der Zeitstrafe gegen Lewis Hamilton eingelegt, der ihm den Sieg beim Grand Prix von Belgien am vergangenen Sonntag kostete. Welche Chancen rechnen Sie sich aus? Bis wann erwarten Sie ein Urteil?

Haug: Das Thema wird geklärt und ich möchte hier nicht spekulieren. Es ist für uns klar, dass Lewis Hamilton nicht durch einen unerlaubten Vorteil Sieger in Spa geworden ist, sondern durch bessere Leistung im entscheidenden Moment.

Ferrari-Pilot Räikkönen (l.), McLaren-Mercedes-Fahrer Hamilton (in Spa): "Einfach schneller"
DPA

Ferrari-Pilot Räikkönen (l.), McLaren-Mercedes-Fahrer Hamilton (in Spa): "Einfach schneller"

SPIEGEL ONLINE: Das kann man auch anders sehen.

Haug: Wer freiwillig vom Gas geht, bei Start und Ziel damit exakt 6,7 Stundenkilometer langsamer als sein Wettbewerber fährt und keine 300 Meter später überholt, ist einfach schneller. Und der Schnellere gewinnt in der Formel 1. Lewis wandelte seinen Nachteil der niedrigeren Geschwindigkeit in einen Vorteil beim Anbremsen der nächsten Kurve um - ein herzhaftes und gekonntes Manöver, wie es in einem Formel-1-Rennen, das über 300 Kilometer führt, nicht allzu oft vorkommt. Lewis schaffte es trotz vorherigem Nachteil auf weniger als 300 Metern.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht Hamilton mit der Situation um?

Haug: Lewis lässt sich sicher nicht ablenken. Wir hatten gute Testfahrten in Monza und wir wollen dort möglichst ähnlich erfolgreich wie vor einem Jahr bei unserem Doppelsieg sein. Nach unserer Einschätzung hat Lewis am letzten Sonntag nichts falsch gemacht und er selbst sieht das kein Haar anders.

Zur Person
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Norbert Haug, geboren am 24. November 1952, ist Motorsportchef bei Mercedes und verantwortlich für das Formel-1-Team McLaren-Mercedes. 1998, 1999 und 2008 gewann der Rennstall unter seiner Leitung die Fahrer-Weltmeisterschaft, 1998 auch den Konstrukteurstitel.
SPIEGEL ONLINE: Sind die Regeln, die eine Rennsituation wie die vom Sonntag betreffen, aus Ihrer Sicht klar genug formuliert?

Haug: Es geht um die Interpretation. Wir hätten anders interpretiert und wir sind sicher, beweisen zu können, dass im und außerhalb des Autos in diesem Fall alles richtig gemacht wurde. Bei dieser Einschätzung erhalten wir eine überwältigende Zustimmung der interessierten Öffentlichkeit und seitens der Medien. Nie war ein Votum bei einem solchen Fall so eindeutig und klar.

SPIEGEL ONLINE: Welche Reaktionen erwarten Sie vom Publikum bei Ferrari-Heimspiel in Monza am Wochenende?

Haug: Wir haben auch in Italien eine ganze Menge Unterstützer. Keineswegs so viele wie Ferrari bei seinem Heimspiel natürlich. Ich glaube nicht, dass der typische Ferrari-Fan in Spa den typischen Ferrari-Sieg gesehen hat. Der Sieger auf der Strecke war vielmehr Lewis Hamilton, so schätzen wir das ein, und ich denke viele Sportfreunde in Italien auch. Wir freuen uns auf ein gutes Rennen in Monza.

Die Fragen stellte Jörg Schallenberg

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