SPIEGEL ONLINE: Herr Haug, Michael Schumacher hat sein Comeback abgesagt. Inwiefern hätte seine Präsenz der in der laufenden Saison nicht gerade von positiven Schlagzeilen bestimmten Formel 1 gutgetan?
Haug: Die Formel 1 hat auch in diesem Jahr tollen und spannenden Sport geboten sowie gesteigertes Interesse bei den weltweiten TV-Zuschauern gefunden. Und sie hat durchaus auch positive Schlagzeilen kreiert - wie beispielsweise die dramatische Kostenreduktion und die höhere Bezahlung an die Teams aus dem Topf des kommerziellen Rechteinhabers. Michaels Comeback hätte sicherlich bestens zu diesen guten Botschaften gepasst - aber man muss natürlich akzeptieren, wenn er aus Gesundheitsgründen nicht in der Lage ist anzutreten. Ich fand seine Entscheidung zum Comeback jedenfalls ausgesprochen sportlich und mutig.
SPIEGEL ONLINE: Valencia ist ein Stadtkurs, jedoch nicht mit Monaco zu vergleichen. Was müssen Auto und Pilot leisten, um dort zu gewinnen?
Haug: Valancia wurde im letzten Jahr zum ersten Mal gefahren und ist eine willkommene Bereicherung im Formel-1-Kalender. Lewis Hamilton belegte bei der Premiere den zweiten Platz, und hoffentlich können wir am nächsten Wochenende an unsere Form vom Sieg in Ungarn anschließen. Erwartungsgemäß werden sehr hohe Temperaturen herrschen, was für Auto wie Fahrer eine zusätzliche Belastung darstellt.
SPIEGEL ONLINE: In Ungarn hat Lewis Hamilton - unterstützt durch Kers - sein erstes Rennen der Saison gewonnen. Trotzdem wird das System nach einem Jahr wohl wieder aus der Formel 1 verschwinden. Werden Sie ihm nachtrauern?
Haug: Wir folgen dem Mehrheitsbeschluss der Teamvereinigung Fota, das Kers Hybrid im nächsten Jahr aus Gründen verschärfter Kosteneinsparungen nicht einzusetzen. Die Fota hatte vor dieser Saison dem Wunsch von BMW nach Kers entsprochen. Unsere Rennspezialisten haben daraufhin ein kompetentes System zusammen mit unseren Kollegen aus der Serie entwickelt und beim letzten Grand Prix, dem zehnten des Jahres, den ersten Sieg mit Kers Hybrid in der Geschichte der Formel 1 eingefahren. Mercedes-Benz ist in diesem Thema extrem kompetent.
SPIEGEL ONLINE: Vor wenigen Tagen haben Fia und Fota das neue Concorde Agreement unterschrieben. Hat die Teamvereinigung erreicht, was sie angestrebt hat?
Haug: Das unterzeichnete Concorde Agreement ist ein wesentlicher Schritt nach vorne und schafft zum Beispiel geregelte Prozesse für Zahlungen und für die Reglementsfindung. Die Arbeit wird nun nicht weniger - aber sie läuft nach strikten Spielregeln ab.
SPIEGEL ONLINE: In der kommenden Saison werden nach dem BMW-Ausstieg unter möglichen 13 Teams nur vier Hersteller vertreten sein. In welcher Weise beeinflusst das die Serie?
Haug: Vier Hersteller, die gleichzeitig in der Formel 1 antreten, sind sogar eine sehr hohe Zahl. Es waren selten in der 60-jährigen Geschichte pro Jahrgang mehr. Natürlich würden wir gerne auch weiterhin auf BMW als Wettbewerber in der Formel 1 treffen, aber dies ist nicht unsere Entscheidung.
Die Fragen stellte Frieder Schilling
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