Lausitzring Formel 1 bald im Osten?

Die Betreiber des gerade fertig gestellten Lausitzrings sind zuversichtlich, dass der Große Preis von Deutschland künftig im deutschen Osten stattfindet. Entsprechende Gespräche mit Formel-1-Chef Ecclestone laufen bereits.


Brandneu: Der Lausitzring
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Brandneu: Der Lausitzring

Berlin - Es ist eine kühne Vision, aber sie könnte Wirklichkeit werden: Die Gebrüder Schumacher besteigen ihre Boliden künftig nicht mehr am Hockenheimring, sondern auf der brandneuen Anlage zwischen Berlin und Dresden. Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer der Lausitzring Betriebs- und Management GmbH, steht bereits in Kontakt mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. "Als ich mein Amt hier am 1. August 1999 antrat, war es eine meiner ersten Handlungen, mit Ecclestone Kontakt aufzunehmen", bestätigt Fischer. "Es ist von Anfang an unser Ziel gewesen, mittelfristig die Formel 1 hierher zu bekommen."

Am 20. August wird der Lausitzring mit einer großen Party eingeweiht. Der Betrieb wird zunächst mit diversen Speedway-, Cart- und Tourenwagenrennen aufgenommen, die Inhaber hoffen aber, ab 2002 das deutsche Formel-1-Rennen vom Hockenheimring zu übernehmen.

Während der Nürburgring mit "Big Bernie" Ecclestone erst im vorigen Jahr den Vertrag für den Großen Preis von Europa bis 2004 verlängerte, läuft der Kontrakt von Hockenheim nur bis 2001. Für eine weitere Zusammenarbeit kündigte Ecclestone Bedingungen an, die vor allem einen Umbau und eine Verkürzung der 6,8 km langen Hockenheim-Strecke beträfen. Daher können die Lausitzer hoffen. "Es ist mehr als eine Möglichkeit, dass der Große Preis von Deutschland in die Lausitz geht", meint Andreas Mayer, Geschäftsführer der deutschen Formel-1-Gesellschaft.

"Natürlich hoffen wir darauf", bestätigt Fischers Stellvertreter Christian Hammerich große Erwartungen. "Für die Formel 1 stehen wir Gewehr bei Fuß. Wir bringen alle Voraussetzungen mit. Für Rennen, die frei oder neu vergeben werden, melden wir unsere Ansprüche an."

Damit das Geschäft nahe der Kleinstadt Senftenberg in einer krisengeschüttelten, ehedem vom Braunkohlenbergbau lebenden Region, auch ohne Formel 1 brummt, und die Motorsport-Fans die insgesamt 120.000 Zuschauerplätze regelmäßig bevölkern, haben die bislang 30 Mitarbeiter genügend andere Attraktionen in petto, vor allem Rennen nach US-Vorbild auf dem Trioval-Superspeedway. Der 3,2 Kilometer lange Kurs ist nach amerikanischem Muster konzipiert und hat drei überhöhte Kurven.

Außerdem verhandelt Fischer derzeit mit den Machern der Cart-Serie, um sie für einen Ausflug nach Europa zu gewinnen. "Solche Veranstaltungen gibt es bis jetzt in Europa noch gar nicht. Das wären echte Publikumsrenner", glaubt Fischer. Anfang September soll auch die DTM mit einem Oval-Rennen eine Europa-Premiere feiern.

Die technischen Voraussetzungen in der Lausitz sind exzellent. Mit 310 Millionen Mark (241 Millionen Mark von der brandenburgischen Landesregierung, 70 Millionen Mark aus Krediten und Eigenmitteln) wurden insgesamt vier Rennstrecken gebaut: Neben dem Oval-Kurs gibt es zwei jeweils über vier Kilometer lange Grand-Prix-Schleifen für Auto- und Motorradrennen sowie einen Langstreckenkurs über 11,3 Kilometer.

Andreas Müller

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