24-Stunden-Rennen von Le Mans Prost und Senna in einem Auto

Ayrton Senna und Alain Prost waren einst die größten Rivalen der Formel 1. Nun fährt die nächste Generation - in einem Auto: Bruno Senna und Nicolas Prost wollen beim Klassiker in Le Mans gewinnen.

imago/PanoramiC

Von Karin Sturm


Bruno Senna und Nicolas Prost mussten sich mal für einen Termin einen Leihwagen teilen. Senna war zuerst am Schalter, der Angestellte konnte die Reservierung aber nicht finden. "Vielleicht unter Prost, habe ich ihm gesagt." Der Mitarbeiter, ein Motorsportfan, traute seinen Ohren nicht: "Was? Prost und Senna im selben Auto, das kann nicht sein!" Als Prost kurz darauf ankam und die Autoschlüssel in Empfang nahm, hätten alle noch schnell ein Foto gemacht. "Das war schon lustig."

Senna. Prost. Bei diesen Namen werden Erinnerungen wach an einen der größten Zweikämpfe, vielleicht sogar die größte Feindschaft der Formel-1-Historie. Nun schickt sich die nächste Generation an, gemeinsam große Ziele zu erreichen: Bruno Senna, Neffe des 1994 in Imola tödlich verunglückten Ayrton Senna, und Alain Prosts Sohn Nicolas fahren an diesem Wochenende gemeinsam für das Rebellion-Team beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

In der mit 25 Autos sehr stark besetzten LMP2-Kategorie hoffen Senna und Prost auf den Sieg. Bei ihren ersten gemeinsamen Starts in der Langstrecken-WM WEC standen sie bereits zweimal als Zweite auf dem Podium - "ein spezielles Gefühl", wie beide zugeben.

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Aber was für die Öffentlichkeit immer noch ein großes Thema ist, wird für sie selbst immer mehr zur Normalität: Sie kennen sich seit Jahren gut, fuhren in der Formel E zwei Jahre lang gegeneinander, hatten dabei nie Probleme, im Gegenteil: "Wir haben uns immer gut verstanden", sagt Bruno Senna. Die familiäre Vergangenheit spielt für sie dabei keine Rolle. Wenn man untereinander über die alten Zeiten spricht, dann eher darüber, "was das damals doch für eine tolle Formel 1 war", ergänzt Senna. "Die Autos mit ihren bis zu 1500 PS, die hohen Anforderungen an die Fahrer, die extrem starke Konkurrenz mit mindestens vier oder fünf absoluten Top-Piloten."

Bis Senna sich einmal länger mit Alain Prost unterhielt, dauerte es aber relativ lange. "Ich war immer etwas unsicher, wusste nicht, wie er reagieren würde." Im April 2016, im Rahmen des Formel-E-Rennens in Paris, kam es dann aber zu einem längeren Gespräch. "Es war wirklich gut, er war sehr entspannt, hat mir vieles aus der Vergangenheit anvertraut."

Senna, 1983 kurz vor der besten Phase seines Onkels geboren, erinnert sich: "Ich war ja noch klein, aber ich weiß, dass Ayrton zu Hause öfters mal gesagt hat, 'der Typ ist wirklich beeindruckend', wenn er von Prost gesprochen hat. Abseits der ganzen Politik war da doch immer eine Menge Respekt." Nicolas Prost nahm bei seinem Vater Ähnliches wahr: "Er hatte enormen Respekt vor Ayrton. Ihn zu schlagen ist deshalb zur Obsession geworden - weil es bedeutete, den Besten zu schlagen und damit weit besser zu sein als alle anderen", sagt Prost. "Und sie waren ja, nachdem mein Vater 1993 aufgehört hat, auf dem Weg, sich wieder anzunähern. Sie wären wohl wieder Freunde geworden."

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Immer nur auf die Vergangenheit reduziert, auf die Familiengeschichte angesprochen zu werden, das gefällt beiden nicht. "Das ist deren Geschichte, wir sind dabei, unsere eigene zu schreiben." Schließlich haben sie ihre eigenen Erfolge aufzuweisen, sind im internationalen Motorsport etabliert. "Bruno hatte es in dieser Beziehung vielleicht noch etwas schwerer als ich", glaubt Nicolas Prost. "Weil mein Vater ja noch da ist. Aber in Bruno sehen viele Leute im Fahrerlager immer noch Ayrton." Was auch durch die Ähnlichkeit, beispielsweise in der Gestik, bedingt wird. "Das ist sicher eine zusätzliche Belastung", sagt Prost.

Calim Bouhadra traf die Entscheidung, Senna und Prost zusammen mit dem Franzosen Julien Canal in das Rebellion-Auto zu setzen. "Dieses Duell, Senna gegen Prost, das hat mich immer fasziniert", sagt der Teamchef. "Da etwas auf eine andere Art weiterzuspinnen, was damals leider viel zu früh endete, das hat mich schon gereizt." Natürlich gebe es auch den Marketingeffekt, das streitet Bouhadra gar nicht ab, "aber die beiden passen auch sportlich und menschlich sehr gut zusammen". Wenn das nicht so wäre, hätte Rebellion es nicht gemacht. "Schließlich wollen wir auch den Erfolg."

In der Vergangenheit war Bouhadra neutral, weder Prost- noch Senna-Fan - selten in einer Zeit, in der die Rennsportwelt stark in Senna- und ein Prost-Lager gespalten war. Heute erkennt er in seinen beiden Piloten die Charakterzüge von damals wieder: "Bruno ist auf der Strecke etwas aggressiver, temperamentvoller, vielleicht einen Tick schneller. Nico dagegen sehr kontrolliert und überlegt."

Eine gute Kombination, um in Le Mans um den Sieg zu fahren.



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