Formel-1-Weltmeister Hamilton Schumachers Verfolger

Es war das bedeutungsloseste Überholmanöver der Saison: Vettel fährt an Hamilton vorbei, kann den fünften WM-Titel des Briten aber nicht verhindern. Der Mercedes-Pilot wird immer mehr zu einer Legende.

Lewis Hamilton
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Lewis Hamilton


Auf einer Stufe mit Fangio: Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister. Die Ausgangslage war für den Mercedes-Piloten so komfortabel, dass der Vollzug in Sachen WM-Party keine Überraschung war. Vor den beiden letzten Rennen in Brasilien (11. November) und Abu Dhabi (25. November) liegt er 66 Punkte vor Rivale Sebastian Vettel und kann nicht mehr eingeholt werden. Es ist der fünfte WM-Titel für Hamilton, damit zieht er in der ewigen Bestenliste mit Juan Manuel Fangio (Weltmeister 1951, 1954, 1955, 1956, 1957) gleich. Vor ihm liegt nur noch Michael Schumacher mit sieben Weltmeisterschaften. Die immer noch große Anzahl an Schumacher-Fans wird die kommenden zwei Jahre - Hamiltons Vertrag bei Mercedes läuft noch bis 2020 - genau hinschauen. Stichwort: Rekord für die Ewigkeit.

Das Ergebnis: Max Verstappen siegte beim Großen Preis von Mexiko und verwies die Ferrari-Piloten Vettel und Kimi Räikkönen auf die Plätze zwei und drei. Der Deutsche hätte gewinnen müssen, um die theoretische WM-Chance zu erhalten - so hatte letztlich der vierte Platz von Hamilton keine Bedeutung mehr für die Weltmeisterschaft.

Sebastian Vettel (l.), Max Verstappen und Kimi Räikkönen (r.)
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Sebastian Vettel (l.), Max Verstappen und Kimi Räikkönen (r.)

Plan B: Im vergangenen Jahr wurde Hamilton ebenfalls in Mexiko Weltmeister, damals reichte ihm sogar ein neunter Platz zum Titelgewinn. Das hatte einen Nachteil, denn: Wer in der Formel 1 nicht auf dem Podium steht, kann zunächst nicht mit den Fans feiern. In diesem Jahr war es Platz vier und wieder fehlte Hamilton bei der ersten Party, die von DJ Armin van Buuren angeheizt wurde. Die Veranstalter hatten im Vorfeld angekündigt, besser auf ein solches Szenario vorbereitet zu sein. Für den TV-Zuschauer in Deutschland war allerdings kein Unterschied zu erkennen - Hamiltons WM-Feier startete in der zweiten Reihe.

Startphase: Hamilton ist 33 Jahre alt, Vettel anderthalb Jahre jünger. So erklärt sich womöglich die größere Abgeklärtheit des Briten in dieser Saison. Hamilton leistete sich keine Fehler, während der Ferrari-Pilot viele Punkte selbstverschuldet herschenkte. Der Start in Mexiko zeigte, dass ein gewisses Maß an Risiko trotzdem dazugehört. Obwohl sich Hamilton ganz entspannt aus allen Kämpfen hätte raushalten könne, zog er an Polesetter Danial Ricciardo vorbei und reihte sich hinter Verstappen ein.

Eine Blaupause der Formel-1-Probleme: Die mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Besitzer von Liberty Media waren vor fast zwei Jahren angetreten, um die Formel 1 besser, spannender und interessanter für neue Zielgruppen zu machen. Das Rennen in Mexiko hat mal wieder gezeigt, was immer noch falsch läuft. Die Abhängigkeit von den Reifen ist zu groß, es gibt fast nur künstlich herbeigeführte Überholmanöver und wenn schon zur Hälfte eines Rennens die Fahrer der drei Topteams alle anderen Piloten überrundet haben, steht die Formel 1 für eine Zweiklassengesellschaft.

Das WM-"Duell": Die Kommentatoren beim TV-Sender RTL gaben sich alle Mühe, aus der deutschen Sicht heraus Spannung zu suggerieren, die es einfach nicht gab. In der 39. Runde begegneten sich die beiden WM-Rivalen dann aber doch auf der Strecke und Vettel bekam mit einem gelungenen Überholmanöver sein Erfolgserlebnis. Hamilton hielt nur halbherzig dagegen. Vettel wirkte im ersten Interview im Ziel dann auch eher dünnhäutig, dieser Podestplatz macht nicht glücklich.

#negativevibes: "Ich spüre Vibrationen", ließ Hamilton seinen Renningenieur wegen Schwierigkeiten mit seinen Reifen wissen. "Wir beobachten das", lautete die Antwort. "Hat sonst noch jemand Probleme", hakte Hamilton nach. "Im Moment nur Du und Valtteri (Bottas)." Mit solchen Antworten kann der Brite im Normalfall nur schwer leben, doch Mexiko war für Hamilton ein Wochenende der positiven Vibes:

Was wäre wenn: Der Große Preis von Mexiko gilt als eines der stimmungsvollsten Rennen im Fomel-1-Kalender. Das passiert völlig unabhängig von den Ergebnissen des Mexikaners Sergio Pérez, aber wenn der Force-India-Pilot mal an guten Aktionen beteiligt war, wurde es im Autodromo Hermanos Rodriguez noch etwas lauter. Nach derzeitigem Stand wird Pérez nie ein Cockpit in einem Topteam bekommen, zumindest für sein Heimrennen wäre es eine sehr gute Idee.



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