Fünffach-Weltmeister Hamilton Der Rockstar der Formel 1

Lewis Hamilton hat in seiner Karriere mehr Kritik eingesteckt als die Konkurrenz. Spätestens mit seinem fünften WM-Titel ist er einer der größten Fahrer der Formel-1-Geschichte.

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Von Karin Sturm


Lewis Hamilton wurde kürzlich einmal gefragt, ob er sich als Rennfahrer sehe, der sich nebenbei auch mit Mode und Musik beschäftige, oder als erfolgreicher Designer und Musiker, der auch noch schnell Auto fahren könne. Es war auf einer dieser Routine-Pressekonferenzen, die Hamilton wie viele andere Fahrer oftmals lustlos und gelangweilt abspulen. Aber diese Frage gefiel dem Briten sichtlich - und brachte ihn zum Nachdenken.

"Ohne den Rennsport wäre alles andere für mich nie möglich gewesen", sagte er. Von den beiden vorgegebenen Antworten wählte er dann die zweite: "Die gefällt mir in der jetzigen Phase meines Lebens besser. Ja, es ist mein Ziel, auch auf den anderen Gebieten Erfolg zu haben, in sie hineinzuwachsen, dabei auch ein erfolgreicher Geschäftsmann zu werden."

In seine eigene Modelinie steckt Hamilton schon heute viel Zeit. Kurz vor dem Rennen in Singapur war er für Promotionzwecke um die ganze Welt gejettet - um dann auf dem Stadtkurs ein perfektes Wochenende vom ersten Training bis zur Zielflagge im Rennen abzuliefern. Hamilton feierte in Singapur seinen siebten Saisonsieg, ein entscheidender Schritt zum nächsten WM-Titel in der Formel 1.

Der reife Herr Hamilton

Viele Experten übten damals Kritik an dieser speziellen Rennvorbereitung, redeten von "unprofessionellem" Verhalten - ganz anders als Mercedes-Sportchef Toto Wolff: "Jeder hat seinen eigenen Weg und der von Lewis funktioniert für ihn ja offensichtlich sehr gut." Diese Freiheit, die ihm Wolff und das Mercedes-Team seit Jahren geben, trägt zu Hamiltons Stärke bei.

Anders als Rivale Sebastian Vettel zeigte der Weltmeister eine praktisch fehlerfreie Saison. In den wenigen Rennen, in denen Hamilton das Gefühl hatte, mit seinem Auto wegen technischer Details nicht viel ausrichten zu können, blieb auch er scheinbar blass. Nicht selten war er dann langsamer als sein Teamkollege Valtteri Bottas. Was auf die Schnelle wie fahrerische Schwäche gewirkt haben könnte, war tatsächlich Ausdruck gewonnener Reife: Hamilton weiß inzwischen ganz genau, wann die Bedingungen so sind, dass es sich lohnt, viel zu riskieren. Und wann man besser sein eigenes Rennen fährt und WM-Punkte für eine Platzierung auf den hinteren Rängen mitnimmt.

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Lewis Hamilton: Ein König, ein Rockstar

So hat er sie bekommen, seine fünfte Weltmeisterschaft in der Formel 1. Hamilton hat damit mit Juan Manuel Fangio gleichgezogen, für ihn etwas ganz Besonderes: "Ich konnte in Monza einmal den Silberpfeil fahren, den Fangio und Stirling Moss damals bewegten. Das hat mich berührt", sagt der 33-Jährige. "Umgehauen" habe ihn die Aussage von Sir Stirling, dass dieser froh war, keine Sicherheitsgurte zu haben. Es war damals sicherer, bei einem Unfall aus dem Auto geschleudert zu werden. Fangio - für Hamilton der große Pate aller Racer: "Der Gedanke, gleich viele Titel wie er zu gewinnen, ist für mich unwirklich."

Hamilton kann Schumachers Rekord brechen

Lange Erfolgsserien eines einzelnen Fahrers sind in der Geschichte der Formel 1 fast immer verbunden mit einem starken, gut geführten Team. Angefangen bei den Zeiten eines Ayrton Senna bei McLaren-Honda unter Ron Dennis, über die großen Ferrari-Jahre von Michael Schumacher mit Jean Todt und Ross Brawn bis zu Sebastian Vettel bei Red Bull mit Helmut Marko und Adrian Newey, aber auch Christian Horner. Hamilton hat mit der Mercedes-Truppe unter Wolff auch einen solchen Hintergrund. Bis einschließlich 2020 hat Hamilton sich bei Mercedes verpflichtet. Wenn es so weitergeht wie bisher, könnte er sogar den Rekord von sieben WM-Titeln von Michael Schumacher brechen. Spätestens dann wäre Hamilton der größte Rennfahrer in der Geschichte der Formel 1.

Viele haben ihm in den frühen Karrierejahren seine Verbissenheit vorgehalten. Aber es ist wichtig zu wissen, warum Hamilton in seinen frühen Karrierejahren nicht so locker war, wie er heute auftritt. Auf seinem Weg hatte er es von Anfang an schwerer, als die meisten seiner Konkurrenten. Noch heute ist die Formel 1 eine weiße Welt, Diversität gibt es kaum. Zu Fangios Zeiten, so hat Hamilton mal gesagt, hätte er auf Grund seiner Hautfarbe gar nicht erst die Chance bekommen, Formel-1-Fahrer zu werden. Aber auch zu Beginn seiner eigenen Motorsportkarriere sei er von Sportkommissaren und Journalisten härter beurteilt worden, "weil ich schwarz bin", wie er sagt. Hamilton hat so in seinem Rennwagen Kämpfe ausgefochten, die über den Wettkampf um WM-Punkte hinausgehen.

Mit 33 Jahren ist ein Ende seiner Rennfahrerkarriere zumindest nicht mehr ganz weit entfernt. Inzwischen, so sagt er, konzentriere er sich auf die "positiven Dinge", weitet seinen Horizont, treibt seine anderen Geschäftsinteressen voran. In Wimbledon beim Finale von Serena Williams gegen Angelique Kerber saß er neben Anna Wintour und erzählte ihr von seiner neuen Kollektion. Von der legendären Chefin der US-Vogue einmal Komplimente für seine Arbeit in der Modebranche zu bekommen, wäre ihm inzwischen wohl fast genauso viel wert, wie ein weiterer WM-Titel in der Formel 1.



insgesamt 11 Beiträge
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Levator 29.10.2018
1. Hamilton
ist ein guter Fahrer in einem sehr guten Team mit dem besten Fahrzeug - derzeit zumindest - in der F 1. Die Region hier im "Ländle", rund um Stuttgart und der Heimat von Mercedes Benz, wird es ihm danken. Wann immer ich fußläufig in Stuttgart unterwegs bin, gefühlt ist jedes zweite Fahrzeug hier aus der o. g. Produktionsstätte. Gut für die Menschen und gut für diese Region, will sagen, Ferrari - sicherlich ein tolles Produkt - sichert hier keine Arbeitsplätze. Von daher: Forza Mercedes!!
blueberryhh 29.10.2018
2. Typ...
cooler Typ, den Titel gönne ich ihm. Und ausserdem hat er im Vergleich zum Vettel die wesentlich bessere Frisur!
sissibu 29.10.2018
3. Frisur !?
Ja, er ist wohl ein begnadeter Fahrer und nimmt auch schon gerne Geschenke vom Teamkollegen und der Teamleitung entgegen, aber sonst ist mir Vettel lieber, auch wenn seine Marke im "Ländle" keine Arbeitsplätze schafft. Aber die Frisur als Qualitätsmerkmal eines Posers?
limoncello 29.10.2018
4. Dieser Titel seit Jahren bedeutungslos
Nirgendwo ist es gegenwärtig so einfach wie in der Formel 1, Weltmeister zu werden, wenn man im besten Auto sitzt, man hat doch nur einen Gegner, den „Teamkameraden“. Wenn der dann auch noch Platz machen muss, weil er vor einem fährt und vielleicht als guter „zweiter Mann“ eingekauft wurde, da etwas dröger und somit weniger Charisma besitzend, dann macht das doch die Sache nicht schwieriger.
Levator 29.10.2018
5. Aha
Zitat von sissibuJa, er ist wohl ein begnadeter Fahrer und nimmt auch schon gerne Geschenke vom Teamkollegen und der Teamleitung entgegen, aber sonst ist mir Vettel lieber, auch wenn seine Marke im "Ländle" keine Arbeitsplätze schafft. Aber die Frisur als Qualitätsmerkmal eines Posers?
Möglicherweise wohnen und arbeiten Sie eben woanders. Da hat man verständlicherweise keinen Lokalpatriotismus. Hoffentlich zieht sich das nicht durch Ihr ganzes Leben....
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