Webber-Sieg in Monte Carlo Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Sechs Rennen, sechs unterschiedliche Sieger - die Formel-1-Saison 2012 ist abwechslungsreicher denn je. In Monaco fuhr Mark Webber auf Platz 1. Die Experten glauben zu wissen, warum das Fahrerfeld so eng zusammen liegt.

DPA

Aus Monaco berichtet


Eigentlich war die Logik des Formel-1-Geschäfts in den vergangenen Jahren stets die gleiche: Bestes Auto + sehr guter Fahrer = Weltmeisterschaft. Siehe Sebastian Vettel, der in den vergangenen zwei Saisons mit seinem überlegenen Red Bull zum Titel fuhr. Doch in der aktuellen Serie bleibt die Formel 1 ein Mysterium. Im sechsten Rennen gab es beim Grand Prix in Monaco mit Red-Bull-Pilot Mark Webber den sechsten unterschiedlichen Sieger.

Die Freude war groß im Red-Bull-Lager, so richtig erklären konnte man sich den Sieg aber nicht: "Es ist eine Lotterie in dieser Saison", begnügte sich Teammanager Jonathan Wheatley mit einer vergleichsweise simplen Analyse. "Nach dem ersten Trainingstag am Donnerstag glaubten wir noch, Platz neun oder zehn wären das Maximum. Und dass Lotus mit Romain Grosjean über eine Sekunde schneller sei als der Rest. Und dann stehen wir mit Mark Webber in der ersten Startreihe."

Die Pirelli-Reifen, so die Begründung der Top-Teams, hätten das Feld so eng zusammengeführt und die Formel 1 zur unberechenbaren Angelegenheit gemacht. Das sehen Experten wie Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger anders. Der 52-Jährige sagte SPIEGEL ONLINE: "Die Schreierei um die Reifen ist doch nur eine Ausrede. Es ist nicht so, dass Reifenhersteller Pirelli durch seine zu sensiblen Pneus für Spannung sorgt. Es gibt harte Reifen und weiche, die alle von allen verstanden werden müssen. Das aber war schon immer so."

"Die neuen Regeln haben das Feld zusammengeführt"

Berger hat einen anderen Grund für das dicht beieinander liegende Fahrerfeld ausgemacht: "Die neuen Regeln haben das Feld zusammengeführt. Einmal sehe ich das Verbot des angeblasenen Diffusors." Diese Technik, die über eine Sekunde in der Rundenzeit ausmachen könne, sei hauptsächlich von den Top-Teams mit viel Budget genutzt worden.

Was man auch vergesse, so Berger: "Die Fia hat in diesem Jahr die Tests der Frontspoiler verschärft. 'Flatterflügel' wie 2011 sind nicht mehr möglich. Das macht einen Tempoverlust von einer halben Sekunde pro Runde." Für Berger steht fest: "Wer jetzt auch noch die beste Arbeit mit den Reifen macht, hat dann echte Siegchancen."

Die Rede ist beispielsweise vom schwarzen Lotus-Renault mit Kimi Raikkönen und dem Franzosen Romain Grosjean am Lenkrad. Denn im Durchschnitt hatten die beiden "Schwarzpfeile" nach sechs Saisonrennen im Qualifying das schnellste Auto. Rechnet man alle gefahrenen Zeittrainings-Sessions zusammen, so schneidet Lotus am besten ab.

"Alle Autos sind besonders fahrerfreundlich gebaut"

Warum das so ist, kann niemand genau erklären. Sauber-Boss Monisha Kaltenborn stellt aber eine Gemeinsamkeit zwischen Lotus, Williams und ihrem Team fest: "Alle Autos sind besonders fahrerfreundlich gebaut. Das heißt, die Piloten werden beim Fahren und auch Abstimmen vor keine große Probleme gestellt." Alle drei Teams haben für Highlights und Überraschungen in dieser Saison gesorgt

Red Bull, McLaren und Mercedes gelten hingegen als innovativer im Design, aber bei allen dreien ist es für Ingenieure und Piloten schwieriger, das Fenster zu finden, in denen Reifen und Chassis optimal harmonieren. Klappt das, gewinnt man wie McLaren in Melbourne, Mercedes in China und Red Bull in Bahrain und Monaco.

Klappt das nicht, wird man durchgereicht und fährt noch nicht einmal aufs Podium.

Der beste Kompromiss ist wohl Lotus gelungen. Beobachter an der Strecke wie Ex-Weltmeister Keke Rosberg ist aufgefallen: "Lotus ist schnell auf den Geraden, aber trotzdem gut in den Kurven." Soll heißen: Lotus muss einen der besten Diffusoren haben, der unter dem Auto für den Abtrieb sorgt, der nicht von den flacheren Flügeleinstellungen kommen kann. Eine fahrerfreundliche Mechanik und der gute Renault-Motor sorgen für den Rest. Dass Lotus noch nicht gewonnen hat, sei eigene Schuld.

Das wissen auch die Fahrer. "In Bahrain habe ich das entscheidende Überholmanöver verpasst. In Barcelona hatten wir schlichtweg die falsche Strategie", so Raikkönen. In Monaco war der Finne nicht in Form und Grosjean kam noch nicht mal bis zu ersten Kurve. Beim Gedränge zur ersten Kurve berührte er Schumachers Mercedes und Alonsos Ferrari. Das Rennen war für den Favoriten schon nach fünf Sekunden beendet.

Lotterie eben.

insgesamt 18 Beiträge
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Roßtäuscher 27.05.2012
1.
Zitat von sysopDPASechs Rennen, sechs verschiedene Sieger - die Formel-1-Saison 2012 ist abwechslungsreicher denn je. In Monaco fuhr Mark Webber auf Platz 1. Die Experten glauben zu wissen, warum das Fahrerfeld so eng zusammen liegt. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,835525,00.html
Geht mit Sicherheit die Diskussion und die Suche von verbotenen Teilen los. Dann wird mit allen Mitteln versucht, dieses erfolgreiche Team zu beschädigen. Was gab es nicht alles schon für Skandale. Das absurdeste schärfste war wohl McLarens Spionage bei Ferrari. Das britische Komplott auf der italienischen Lohnliste hatte Pläne gegen Prozente weitergereicht, usw.
schondavor 27.05.2012
2.
Zitat von RoßtäuscherGeht mit Sicherheit die Diskussion und die Suche von verbotenen Teilen los. Dann wird mit allen Mitteln versucht, dieses erfolgreiche Team zu beschädigen. Was gab es nicht alles schon für Skandale. Das absurdeste schärfste war wohl McLarens Spionage bei Ferrari. Das britische Komplott auf der italienischen Lohnliste hatte Pläne gegen Prozente weitergereicht, usw.
Hm, Herr Bach, wo ist denn das Schumacher-Bashing geblieben? Ach richtig, er hat dieses Wochenende einen Top-Job gemacht natuerlich kein Kommentar dazu.,..
Gerdd 27.05.2012
3. Gerhard Berger ...
---Zitat von Gerhard Berger--- "Die Schreierei um die Reifen ist doch nur eine Ausrede. Es ist nicht so, dass Reifenhersteller Pirelli durch seine zu sensiblen Pneus für Spannung sorgt. Es gibt harte Reifen und weiche, die alle von allen verstanden werden müssen. Das aber war schon immer so." ---Zitatende--- ... hat offensichtlich die Pirellis noch nicht selbst gefahren. Sonst wüßte er, daß das so nicht stimmt. Ja, es hat immer Reifen verschiedener Abstimmung gegeben, die jedes Team irgendwann verstehen lernen mußte. Aber bisher waren diese Reifen in sich konsistent. Die diesjährigen Pneus sind aber wohl mit einem unvorhersehbaren Zufalls-Effekt versehen, der bei den Teams (ALLEN Teams) für reichlich Verwirrung sorgt. Ob der Ausdruck "sensibel" das trifft, oder ob man eher von "verpfuscht" reden muß? Ich sag's mal so - nach sechs Rennen müßte ja ein genialer Fahrer die Reifen endlich verstanden haben und sich eindeutig an die Spitze des Feldes gesetzt haben. Wer immer das ist - er behält das Geheimnis für sich ganz allein, so daß man ihn nicht einmal in der Ergebnisliste deutlich vor den anderen sieht. Im Gegenteil - wahrscheinlich ist es Schumi und seine zwei Punkte sind die genialste Tarnung der Weltgeschichte.
helmutderschmidt 27.05.2012
4.
Zitat von schondavorHm, Herr Bach, wo ist denn das Schumacher-Bashing geblieben? Ach richtig, er hat dieses Wochenende einen Top-Job gemacht natuerlich kein Kommentar dazu.,..
... auf jeden Fall hat er sich noch nicht über seine Stern-Pannen-Gurke beschwert ;-).
optverteiler 27.05.2012
5. optverteiler
" Sauber-Boss Monisha Kaltenborn stellt aber eine Gemeinsamkeit zwischen Lotus, Williams und seinem Team fest" "seinem Team"? Liebes SPON, Kaltenborn ist immer noch eine Frau...
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