Ausscheiden beim Spanien-GP: Schumacher auf Schlingerkurs

Aus Barcelona berichtet

Das Ziel sieht Michael Schumacher nur noch selten, auch beim Großen Preis von Spanien schied er frühzeitig aus. Die neue Formel-1-Saison droht für den Mercedes-Piloten zum Debakel zu werden. Der 43-Jährige flüchtet sich in seltsame Erklärungen und sucht die Schuld bei anderen.

Großer Preis von Spanien: Schumacher crasht Senna Fotos
DPA

Michael Schumacher ahnte nichts Gutes, als er zu den Rennkommissaren musste. Sein Crash mit Williams-Pilot Bruno Senna hatte beim Großen Preis für Spanien für Aufsehen gesorgt. Schuld, so waren sich die Experten einig, hatte der Deutsche. Doch dieser lieferte den Rennkommissaren eine andere Version.

Senna hätte die Linie gewechselt und so die Kollision ausgelöst. Schumacher dachte, Senna bliebe rechts und wollte deshalb links vorbeiziehen. Dann aber zog Senna wieder nach links und schnitt Schumachers Fahrlinie. Der konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und knallte dem Williams-Piloten ins Heck.

Die Kommissare sahen es anders und bestraften Schumacher. Fünf Startplätze muss der Deutsche beim nächsten Rennen in Monaco zurück. Auf dem engen Stadtkurs wiegt die Strafe doppelt schwer. Die Erfolgsaussichten sind also auch beim Prestigerennen an der Côte d'Azur am 27. Mai (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eher gering.

Nach dem dritten Ausscheiden im fünften Rennen steht fest: Der Mercedes-Pilot hat den Saisonauftakt verpatzt. Doch die Gründe sucht Schumacher derzeit nicht bei sich selbst. Nach dem Großen Preis von Bahrain hatte er deutliche Kritik an Reifenhersteller Pirelli geübt: "Teilweise fahren wir mit 60 oder 70 Prozent durch die Kurven. Sobald du ein bisschen schneller fährst, fliegen die Reifen von der Felge."

Pirelli ließ die Rüge nicht auf sich sitzen. Sportchef Paul Hembery konterte: "Wir haben die Reifen gebaut, die man von uns verlangt hat." Außerdem sei die Kritik eher aus der Frustration Schumachers entstanden, nicht genügend Erfolg zu haben.

Berger empfiehlt Schumacher das Qualifying abzuschenken

Auch im eigenen Team gibt es Skeptiker. "Es fällt Michael schwer zu verstehen, warum Nico (Rosberg, Schumachers Teamkollege, d. Red) ihm in den ersten Runden von China so wegfahren konnte", sagte ein Mercedes-Ingenieur. Dabei sei es offensichtlich, dass Rosberg mit den Reifen gut zurecht kommt und sie am, aber nicht über dem Limit bewegen könne. "Schumacher dagegen ist mit seinem aggressiven Fahrstil immer ein Prozent über der Grenze der Gummis. Deshalb verliert er momentan Zeit auf Nico."

Schumacher, so glaubt Ex-Pilot Gerhard Berger, muss seine Erfahrung im Rennen einsetzen: "Im Zeittraining kann er Nico kaum packen. Er muss wie Niki Lauda in der Saison 1984 denken, der dem schnelleren Teamkollegen Prost von vornerein das Qualifying schenkte und sich stattdessen auf die Rennabstimmung des Autos konzentrierte." Am Ende holte Lauda mit dieser Taktik mit einem halben Punkt Vorsprung auf Prost den Titel.

"Michael ist ein Kämpfer"

Dass Schumacher aufgibt, glauben Branchenkenner nicht. "Michael ist ein Kämpfer, der sich in Probleme reinbeißt, je heftiger sie sind", sagt sein ehemaliger Teamkollege Felipe Massa. "Michael hat trotz seiner momentanen Pechsträhne Blut geleckt," so Ex-Teamkollege Johnny Herbert. "Er weiß, dass er ein Auto hat, mit dem er gewinnen kann."

Zudem ist das Entwicklungspotential von Mercedes groß. Das Team produziert neue Autoteile am Fließband. Einem ersten Paket in Mugello, wo unter anderem ein neues, leichteres Getriebe aus Karbon erfolgreich getestet wurde, folgten weitere Verbesserungen in Barcelona. Insgesamt verspricht sich Mercedes von den Weiterentwicklungen einen Zeitgewinn von acht Zehntelsekunden pro Runde.

Wenn für Michael Schumacher alles glatt laufe, könnte auch er in Zukunft zurück auf die Siegerstraße finden. So sieht es jedenfalls Teamchef Ross Brawn: "Wir haben ihm nicht immer das beste Auto hingestellt und ihm fehlte ein wenig das Glück."

Über seine Zukunft gibt sich Schumacher verschlossen. Solange es ihm Spaß mache, sähe er keinen Grund aufzuhören. Mercedes-Vorstandschef Dieter Zetsche, in Barcelona am Sonntag vor Ort, hält ihm weiterhin die Tür offen.

Zetsche machte schon vor Wochen bei einer Aktionärsversammlung des Konzerns klar: "Michaels Schumachers Vertrag läuft Ende dieser Saison aus. Wir werden uns im Laufe der Saison zusammensetzen und von beiden Seiten sehen, wie die Interessenslage ist."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Thema Reifen
meimei 13.05.2012
Also mit den Reifen hat der Schumi schon recht, zumindest geht es mir so, dass die Reifensituation aktuell zu rennentscheidend ist. Die sind zu sensibel, ich will nicht sehen wer mit den Reifen am besten auskommt, ich will sehen wer im Rennen das beste Gesamtpaket hat, was sich nicht nur aus den Reifen zusammen setzt. Es ist zwar aktuell interessant, dass jedes Rennen andere auf dem Treppchen stehen, aber F1 ist auch Dominanz durch Technik. Motoren und Aerodynamik. Aktuell sind es nur Pleus. (Und mal endlich ein Erfolgserlebnis für /mit Schumi täte auch gut ;) )
2. ...
tylerdurdenvolland 14.05.2012
Zitat von sysopDas Ziel sieht Michael Schumacher nur noch selten, auch beim Großen Preis von Spanien schied er frühzeitig aus. Die neue Formel-1-Saison droht für den Mercedes-Piloten zum Debakel zu werden. Der 43-Jährige flüchtet sich in seltsame Erklärungen und sucht die Schuld bei anderen. Michael Schumacher scheidet in Spanien vorzeitig aus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,832953,00.html)
Es ist eines der erfreulichsten Bilder das man dieses Sportjahr sehen kann..... Ich hoffe Puristen vergeben mir den MIssbrauch des Wortes "Sport" für das mit dem Auto im Kreis rumfahren....
3.
Karl1984 14.05.2012
Zitat von sysopDas Ziel sieht Michael Schumacher nur noch selten, auch beim Großen Preis von Spanien schied er frühzeitig aus. Die neue Formel-1-Saison droht für den Mercedes-Piloten zum Debakel zu werden. Der 43-Jährige flüchtet sich in seltsame Erklärungen und sucht die Schuld bei anderen. Michael Schumacher scheidet in Spanien vorzeitig aus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,832953,00.html)
Schumacher war die ersten Rennen wirklich vom Pech verfolgt und sein schlechtes Abschneiden/Ausfälle bei diesen Rennen war nun wirklich nicht seine Schuld. Diesmal hat er es zugegebener Maßen selbst verbockt, ich erinnere mich da an ein ähnliches Manöver von Vettel in Spa 2010, jeder macht halt mal Fehler, auch Schumacher. Ich denke Schumacher wird sich schon noch das ein oder andere Podium und villeicht sogar einen Sieg holen können, im Quali war er ja schon zweimal in den Top 3 dieses Jahr. Das Schumacher nicht mehr so gut ist wie mit 25 das weiß er selber und das hat er ja auch schon Interviews selbst gesagt. Trotzdem ist er noch dazu in der Lage mit der (wesentlich jüngeren) Weltspitze mitzuhalten und dafür gebührt ihm Respekt und das Mercedes dieses Jahr erstmals Siegfähig ist mit Sicherheit auch sein Verdienst.
4. Schumacher
papayu 14.05.2012
ist zu alt! Nach dieser Saison oder noch besser vorher, sollte er aufhoeren und der Herr Haug, der ihn wiederentdeckt hat auch. Vater und Sohn ( Schumacher und Vettel)!
5. Vom Gipfel
Salozzo 14.05.2012
kann es nur bergab gehen. Das hätten ihm seine teuren Berater verdeutlichen sollen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Formel 1
RSS
alles zum Thema Großer Preis von Spanien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 32 Kommentare
Fotostrecke
Formel 1: Feuer in der Williams-Box

Getty Images
Rennkalender 2012
Rennen Datum Großer Preis von (Ort)
1 18.03. Australien (Melbourne)
2 25.03. Malaysia (Sepang)
3 15.04. China (Shanghai)
4 22.04. Bahrain (Sachir)
5 13.05. Spanien (Barcelona)
6 27.05. Monaco (Monte Carlo)
7 10.06. Kanada (Montreal)
8 24.06. Europa (Valencia)
9 08.07. Großbritannien (Silverstone)
10 22.07. Deutschland (Hockenheim)
11 29.07. Ungarn (Budapest)
12 02.09. Belgien (Spa-Francorchamps)
13 09.09. Italien (Monza)
14 23.09. Singapur (Singapur)
15 07.10. Japan (Suzuka)
16 14.10. Südkorea (Yeongam)
17 28.10. Indien (Neu Delhi)
18 04.11. Abu Dhabi (Abu Dhabi)
19 18.11. USA (Austin)
20 25.11. Brasilien (São Paulo)