Rekordchampion Schumacher: Die Legende geht - jetzt aber wirklich

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308 Rennen, sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege - nun ist endgültig Schluss. Nach dem enttäuschenden Intermezzo bei Mercedes hat Michael Schumacher seine einzigartige Karriere beendet. Zum Abschluss gab es in Brasilien Rang sieben, ein paar Tränen und große Worte.

Michael Schumacher: Der König der Formel 1 Fotos
REUTERS

Von Vergleichen hält er selbst nicht viel. Und doch gesellt sich Fomel-1-Pilot Michael Schumacher am Ende seiner Karriere in die Reihe der ganz großen deutschen Sportstars: Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Boris Becker, Steffi Graf. Schon vor seinem Rücktritt vom Rücktritt vor drei Jahren war er einer von ihnen. Und jetzt, drei Jahre später, verneigt sich die Sportwelt abermals vor einem ihrer größten Könner.

Schumachers letztes Rennen war eines, das sich als würdig für den 43-Jährigen erwies. Wie eigens für ihn bestellt, durfte er noch einmal alles erleben, was seine Leidenschaft und Liebe zum Rennsport ausmacht: Regenchaos, riskante Manöver, Positionswechsel und ein bis zur letzten Runde packendes WM-Duell.

Auch wenn er bei der Titelvergabe selbst keine Rolle mehr spielte, fiel Schumacher beim Großen Preis von Brasilien doch durch eine sportliche Geste auf: Kurz vor Schluss ließ er den späteren Weltmeister Sebastian Vettel passieren und verschaffte seinem jungen Kollegen und Freund so wichtige Punkte für den Gesamtsieg. Er selbst feierte mit Rang sieben einen versöhnlichen Abschluss. "Es war ein abgerundeter Tag", sagte Schumacher nach dem Lauf. "Auch, wenn ich mich gefreut hätte, wenn noch einmal mehr drin gewesen wäre."

Mit einer Deutschlandfahne war er zur Startaufstellung in São Paulo gefahren, an seinem Mercedes prangte in großen Lettern: "Thank you" - "Danke". Bei der Fahrerparade vor dem Rennen bedankte sich Schumacher beim Team und allen Fans weltweit. Mit unzähligen Transparenten feierten die ihr Idol: "Michael, du warst der Beste", "Michael, du wirst fehlen".

Der Abschied rührte selbst einen Routinier wie Schumacher zu ein paar Tränen. Vier Jahrzehnte lang war er im Motorsport aktiv, davon rund 20 Jahre in der Formel 1. Anders als nach seinem ersten Rücktritt wird es diesmal kein Comeback geben. "Ich habe noch keine konkreten Pläne", sagt Schumacher. Er will sein neues Leben erst einmal auf sich zukommen lassen, kürzlich kaufte er mit seiner Frau Corinna eine 200 Hektar große Ranch in Texas. Wahrscheinlich ist aber, dass der 43-Jährige Mercedes als Motorsportberater erhalten bleibt. "Wir sind in Diskussion. Es gibt gute Ideen", sagt er.

Denn seiner Passion Motorsport konnten auch die drei eher durchwachsenen Jahre bei Mercedes nichts anhaben. Obwohl es für den einstigen Seriensieger im Silberpfeil häufig enttäuschend lief, blieb er dem Team gegenüber stets loyal. Schuldzuweisungen an die Verantwortlichen des Rennstalls, Techniker und Ingenieure sparte er sich. "Ich habe das Verlieren gelernt", lautet eine der schmerzhaften Erkenntnisse Schumachers aus den vergangenen Jahren. "Aber ich kann in den Spiegel blicken und sagen, dass ich alles gegeben habe."

Als Mercedes Ende September bekanntgegeben hatte, Schumachers auslaufenden Vertrag für die Saison 2013 nicht zu verlängern, war die Häme groß: Schumacher habe mit dem erfolglosen Comeback sich selbst und sein Denkmal beschädigt. Besserwisser traten auf den Plan: "Hätte er es doch damals gut sein lassen."

Doch Schumachers Erfolge - sieben WM-Titel, 91 Formel-1-Siege, 68 Pole-Positionen und etliche weitere Rekorde - stehen für sich. Es ist unwahrscheinlich, dass so schnell einer an diese Leistung heranreichen kann. Vielleicht hat Sebastian Vettel das Zeug dazu. Dass Schumacher hingegen eine Ikone des Rennsports ist und bleibt, beweisen unter anderem neue und langfristige Werbeverträge. Schumacher ist eine Marke, die wohl stärkste des Motorsports.

"Die Formel 1 hat ihn nach seiner Rückkehr mehr gebraucht als er die Formel 1. Er ist die Formel 1. Wir werden ihn vermissen", sagte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zum Abschied. Mindestens einmal wird Schumacher aber in der Königsklasse noch zu sehen sein: Mit dem knapp 19 Jahre jüngeren Vettel will er beim "Race of Champions" in Bangkok im Dezember den Titel verteidigen.

Mit Material von dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
CarlottaW 26.11.2012
Der Beste. Auch bei La Ferrari, fatti per l'eternita. Besser als Steuerhinterziehung von Alonso :)
2. der ehemals Beste geht......
colinchapman 26.11.2012
.....in seiner zweiten Karriere stand er (erstmals) im Schatten seines Teamkollegen, darüber hinaus verbannte beide ein langsames und unzuverlässiges Auto drei Jahre lang ins Mittelfeld. Zum Schluss wurde er zu allem Überfluss auch noch bei Mercedes gegangen. Für mich hat er den schlimmsten Status erreicht, den ein Sportler haben kann: er tut mir leid. schade, denn seine besten Rennen aus seiner ersten Karriere brauchen sich nicht vor Sennas und Prosts besten Rennen zu verstecken.
3. Jack in the Box
Pat-Riot 26.11.2012
Zitat von sysop308 Rennen, sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege - nun ist endgültig Schluss. Nach dem enttäuschenden Intermezzo bei Mercedes hat Michael Schumacher seine einzigartige Karriere beendet. Zum Abschluss gab es in Brasilien Rang sieben, ein paar Tränen und große Worte. Michael Schumachers Abschied von der Formel 1 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/formel1/michael-schumachers-abschied-von-der-formel-1-a-869239.html)
Ach was, in der Saison 2014 ist er wieder da - und fährt wieder ganz vorne mit. Diesmal in einem richtigen Auto, nicht im Mercedes. Da kann Hamilton versauern.
4. Boris Becker, entschuldigung?
DHC2 26.11.2012
Kann sich jemand ernsthaft vorstellen, dass Michael Schumacher ein Groupie in der Besenkammer schwängert? Oder seine Corinna jemals für ein It-Girl verlassen wird? Oder sich von windigen Poker-Veranstaltern aushalten lässt? Eben. Deshalb lassen Sie bitte den Vergleich mit Boris Becker!
5. lasst ihn gehen
Meckerliese 26.11.2012
Es reicht was er an Kohle gescheffelt hat. Lasst andere mal an den Topf. Vielleicht gibst da einen der seine STeuern in Deutschland bezahlt?
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Schumacher in Zahlen
WM-Titel
1. Michael Schumacher 7

2. Juan Manuel Fangio 5

3. Alain Prost 4


Grand-Prix-Siege
1. Michael Schumacher 91

2. Alain Prost 51

3. Ayrton Senna 41


Saisonsiege
1. Michael Schumacher 13 (2004)

1. Sebastian Vettel 13 (2013)

3. Michael Schumacher 11 (2002)

3. Sebastian Vettel 11 (2011)


Pole Positions
1. Michael Schumacher 68

2. Ayrton Senna 65

3. Sebastian Vettel 45


Schumachers Karriere-Stationen
Debüt für Jordan
25. August 1991: Manager Willi Weber bringt Michael Schumacher als Ersatzfahrer für Bertrand Gachot beim Großen Preis von Belgien in Spa im Jordan-Team unter. Dem spektakulären siebten Startplatz folgt im Rennen durch einen Kupplungsschaden nach 700 Metern das Aus.
Zweites Rennen, erste Punkte
8. September 1991: Zweites Rennen, zweites Team. Nach einem Blitztransfer fährt Michael Schumacher für Benetton und gewinnt in Monza als Fünfter seine ersten beiden WM-Punkte.
Erster Sieg
30. August 1992: Michael Schumacher gelingt in Spa der erste Formel-1-Sieg.
Triumph und Tragödie in Imola
1. Mai 1994: Michael Schumacher gewinnt in Imola; es ist sein dritter Sieg in Serie. Der Erfolg wird durch die tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna überschattet.
"Schummel-Schumi"
10. Juli 1994: Die Disqualifikation in Silverstone, nachdem er die "Schwarze Flagge" ignoriert hat, macht den einstigen Saubermann zum "Schummel-Schumi". Schumacher werden die Punkte für den zweiten Platz aberkannt, er wird für zwei Rennen gesperrt.
Erster WM-Titel
13. November 1994: In Adelaide kommt es zum Showdown um den WM-Titel mit Damon Hill. Beide scheiden nach einer Kollision aus, Schumacher ist erstmals Weltmeister.
Wechsel zu Ferrari
16. August 1995: Schumacher unterschreibt für zwei Jahre bei Ferrari und kassiert dafür 80 Millionen Mark. Die Saison fährt er noch mit Benetton zu Ende, erst 1996 erfolgt der Wechsel zur Scuderia.
"Regenkönig von Spa"
27. August 1995: "Regenkönig" Schumacher rast in Spa vom 16. Startplatz zum Sieg.
Titelverteidigung in Japan
22. Oktober 1995: Schumacher ist nach dem Sieg im japanischen Aida zum zweiten Mal Weltmeister - erneut vor Damon Hill.
Erster Jubel in Rot
2. Juni 1996: Beim Regenrennen in Barcelona gewinnt Schumacher seinen ersten Grand Prix für Ferrari.
Kollision mit Villeneuve
26. Oktober 1997: Schumacher scheidet nach dem Rammstoß gegen seinen WM-Rivalen Jacques Villeneuve im Saisonfinale in Jerez aus. Der Kanadier kann weiterfahren, wird Dritter und ist Weltmeister.
Schien- und Wadenbeinbruch
11. Juli 1999: Beim schwersten Unfall seiner Karriere erleidet Schumacher in Silverstone einen Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins. Er muss sechs Rennen pausieren, seine Titelträume sind geplatzt.
Ferrari in Ekstase
8. Oktober 2000: Schumacher gewinnt den Großen Preis von Japan und steht vor dem Saisonfinale in Malaysia als Weltmeister fest. Der Deutsche ist der erste Ferrari-Champion seit dem Südafrikaner Jody Scheckter 1979.
Der Dominator legt nach
19. August 2001: Schumacher wird in Budapest vorzeitig zum vierten Mal Weltmeister und stellt mit dem 51. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere den "Weltrekord" des Franzosen Alain Prost ein.
Kür in Magny-Cours
21. Juli 2002: Mit seinem sechsten Sieg in Magny-Cours und dem 61. insgesamt macht Schumacher seinen fünften WM-Titel perfekt. Zudem ist er nach dem Triumph im 11. von 17 Rennen "schnellster Weltmeister" aller Zeiten.
Rekordweltmeister
12. Oktober 2003: Ein achter Platz reicht Michael Schumacher beim WM-Finale in Suzuka zum Gewinn des sechsten WM-Titels vor dem Finnen Kimi Räikkönen. Damit hat Schumacher eine WM-Krone mehr als der legendäre Argentinier Juan Manuel Fangio.
Rücktritt
10. September 2006: In Monza beendet Schumacher monatelange Spekulationen und kündigt unmittelbar nach seinem Sieg seinen Rücktritt zum Saisonende an. Am 22. Oktober 2006 in Sao Paulo fährt Schumacher sein 250. und (vorerst) letztes Formel-1-Rennen.
Das Comeback
23. Dezember 2009: Nach wochenlangen Spekulationen ist das Comeback von Michael Schumacher perfekt - bei Mercedes. Die Schwaben, die erst wenige Wochen zuvor das Weltmeisterteam Brawn übernommen und zum Mercedes-Werksteam gemacht hatten, bestätigen Schumacher als Teamkollegen von Nico Rosberg. Schumacher spricht von seinem Dreijahresplan.
Erstes Rennen in Silber
14. März 2010: Michael Schumacher fährt in Bahrain sein 251. Formel-1-Rennen, das erste nach der Rückkehr. Wie bei seinem Debüt 1991 in Spa steht er auf Startplatz sieben, im Rennen belegt er Platz sechs. Mehr als drei vierte Plätze springen in der Saison 2010 aber nicht heraus.
Auf dem Podium
24. Juni 2012: Nach einer Aufholjagd heimst der von Platz zwölf gestartete Schumacher am Ende des Großen Preises von Europa in Valencia seine erste Podestplatzierung seit seinem Comeback ein.
Startabbruch
29. Juli 2012: In Budapest verursacht Schumacher durch einen haarsträubenden Fehler einen Startabbruch. Der 43-Jährige blieb bei der Aufstellung zum Rennen statt auf dem 17. auf dem 19. Platz stehen.
Die Trennung
28. September 2012: Mercedes gibt nach drei Jahren die Trennung von Michael Schumacher bekannt. Die Nachfolge des Rekord-Champions tritt der bisherige McLaren-Pilot Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, an.
Zweiter Rücktritt
4. Oktober 2012: Michael Schumacher gibt sein Karriereende bekannt. Zum Saisonende soll Schluss sein in der Formel 1.
Letztes Rennen
25. November 2012: Der Grand Prix in São Paulo ist Michael Schumachers letztes Rennen in der Formel 1. Er wird Siebter.

Getty Images