Mick Schumacher Runde für Runde zur Formel 1

Am Samstag kann Mick Schumacher Formel-3-Champion werden. Mercedes und Ferrari haben Interesse angemeldet, aber mit dem Sprung in die Königsklasse dürfte sich der Sohn von Michael Schumacher Zeit lassen.

Mick Schumacher
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Mick Schumacher

Von Karin Sturm


Seit kurzem, eigentlich erst seit zweieinhalb Monaten, ist er so richtig durchgestartet auf seinem Weg nach oben, in Richtung Formel 1. Zuvor wurde die Karriere des Mick Schumacher - auch von vielen Experten - eher kritisch beäugt. Sicher, da waren zweite Plätze in der Kart-WM, zweite Plätze auch in der deutschen und italienischen Formel 4 im Jahr 2016.

Aber der große Überflieger schien der Sohn des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher nicht zu sein. Obwohl es an entsprechender Unterstützung und gutem Material nicht mangelte. Gut möglich, dass der Druck, der durch den Namen entsteht, zumindest im Unterbewusstsein gebremst hat. "Auch wenn er mir andererseits natürlich Türen geöffnet hat", wie Mick selbst zugibt.

Mutter Corinna und Managerin Sabine Kehm, die sich früher um Michael Schumachers Belange kümmerte, haben sich bislang bemüht, den 19-Jährigen so weit wie möglich von der Öffentlichkeit abzuschirmen. Speziell seit dem schweren Skiunfall seines Vaters Ende 2013. Mick gibt kaum Interviews, Berichterstattung über seine Kart-Anfänge wurden sogar juristisch unterbunden. Natürlich war er sich seiner besonderen Position immer bewusst, auch wenn er im Fahrerlager, schon in der Formel 4 oder jetzt in der Formel 3, immer einer unter vielen war. Und sich damit wahrscheinlich am wohlsten fühlte.

"Wichtig ist, dass er überhaupt zündet"

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so kompliziert: Vielleicht ist Mick Schumacher einfach das, was manche etwas despektierlich einen "Spätzünder" nennen. Wobei etwa Sebastian Vettel, der selbst mit 20 in die Formel 1 kam, von solchen Einschätzungen gar nichts hält: "Ich finde es toll, das es bei ihm jetzt so gut läuft. Es ist nicht entscheidend, wann jemand zündet, wichtig ist, dass er überhaupt zündet."

Mick Schumacher beim Training auf dem Hockenheimring
Bongarts/Getty Images

Mick Schumacher beim Training auf dem Hockenheimring

Der Durchbruch gelang Mick Schumacher, den die Boulevardpresse wahlweise "Schumi 3" - nach Michael und Ralf - oder "QuickMick" nennt, Ende Juli in Spa. Auf der Strecke also, die sein Vater früher als sein "Wohnzimmer" bezeichnete. Erste Pole Position, erster Sieg - seitdem folgten bis zum Final-Wochenende in Hockenheim sieben weitere. Deswegen kann sich Schumacher schon am Samstag den Titel sichern.

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, in der Formel 1 bekannt für sein Händchen für Nachwuchspiloten, wundert das nicht: "Ich hatte von Anfang an erwartet, dass Mick in diesem Jahr um den Titel mitfährt. Anfangs hat er sich schwergetan, aber man hat auch da schon die Fortschritte gesehen, wenn man genauer hingeschaut hat."

Schumacher sei schon in den freien Trainings schnell gewesen, habe dann aber seine Leistung im entscheidenden Moment, beim Qualifying, nicht abgerufen. So etwa auf dem prestigeträchtigen Stadtkurs von Pau, der in der Formel 3 als Klassiker gilt. "Wenn du einmal hinten stehst, dann wird es halt sehr schwierig", sagt Tost. "Aber Mick hat zuletzt überzeugende Rennen gezeigt - wie in Spielberg im Nassen. Das war eine fahrerische Glanzleistung."

"Nichts überstürzen"

Tosts Empfehlung wäre es, Schumacher in der kommenden Saison in der Formel 2 fahren zu lassen, "auch um die Strecken kennenzulernen, auf denen er dann später in der Formel 1 unterwegs sein wird". Dass er es dahin schaffen wird, daran hat Tost keinen Zweifel: "Es besteht überhaupt kein Grund, irgendetwas zu überstürzen. Ich sehe es doch bei uns an Pierre Gasly: Der ist zwei Jahre GP2 gefahren, dann ein Jahr in Japan - und jetzt ist er reif, auch in der Formel 1 Top-Leistungen zu bringen." Viermal fuhr Gasly in dieser Saison in die Punkte, gleich im zweiten Rennen in Bahrain reichte es zu einem beeindruckenden vierten Platz.

"Nichts überstürzen, einen Schritt nach dem anderen", so sieht das auch Mick Schumacher selbst. Das sagte er kürzlich in einem Interview mit der BBC. Es war einer seiner wenigen Medienauftritte, und er absolvierte ihn souverän in perfektem Englisch. Natürlich wolle er mittelfristig in die Formel 1, "um dort gegen die besten zu kämpfen". Als Idol gibt er - natürlich - seinen Vater an, dessen Rennen er so genau studiert habe, "dass er allein schon deshalb immer noch einen großen Einfluss darauf hat, wie ich heute fahre".

Mick Schumacher nach dem Sieg in Silverstone
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Mick Schumacher nach dem Sieg in Silverstone

Sollte er 2019 tatsächlich wie geplant in der Formel 2 starten, im Rahmenprogramm der Formel 1, dann wäre er dem geballten Medieninteresse ausgesetzt. Die Abschirmung weiter durchzuziehen, dürfte dann kaum mehr möglich sein. Wobei fraglich ist, ob sie weiter notwendig und hilfreich ist. Von allen, die ihn ein bisschen näher kennen, wird Mick Schumacher als sehr gut erzogen, höflich und intelligent beschrieben. Er scheint durchaus in der Lage zu sein zu lernen, mit dem Interesse umzugehen. Andere Fahrer mit tragischer Familiengeschichte wie Jacques Villeneuve oder Bruno Senna mussten das auch, zum Teil schon zu einem früheren Zeitpunkt ihrer Karriere - und schafften es gut.

"Er muss noch viel lernen"

Insofern könnte es für Mick Schumacher sogar ein Vorteil sein, dass ihn anscheinend auch jetzt noch niemand für einen Überflieger hält, den man sofort in die Formel 1 holen müsste. "Er ist ein großartiger Fahrer, muss aber noch viel lernen, deswegen müssen wir ihm Zeit geben. Er hat Druck, weil die Erwartungen groß sind", sagt zum Beispiel Fia-Präsident Jean Todt, ein guter Freund der Familie. Trotzdem: Mercedes-Sportchef Toto Wolff will sich in Hockenheim mal länger mit Mick unterhalten. Und Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene meinte, natürlich stünden ihm "bei seinem Nachnamen alle Türen bei Ferrari offen".

Ein oder zwei Jahre in der Formel 2 könnten für Mick Schumachers Entwicklung wichtig sein, um sich nicht nur sportlich an die Welt der Königsklasse anzunähern. Dort müsste er die gezeigten Leistungen bestätigen. Wer in der Formel 1 bestehen will, der muss in der Formel 2 in der Spitze mitfahren können - nicht nur, aber auch, um die nötigen Punkte für die Superlizenz für die Formel 1 einzufahren. Die hätte er zwar im Moment. Aber die 20 Zähler aus dem Formel-4-Jahr 2016 werden nächstes Jahr wieder gestrichen. Dann müssten zu den eingeplanten 30 Punkten für den Formel-3-EM-Titel 2018 noch mindestens zehn Punkte aus der Formel 2 kommen. Das würde Platz sechs in der Gesamtwertung der Serie bedeuten.

insgesamt 18 Beiträge
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chk_23 12.10.2018
1. Hype?
Die vielen Lobpreisungen erinnern leider an R. Schumacher, N. Heidfeld und P. Wehrlein. Die "Experten" waren sich einig. Einig zu Beginn der Karriere mit ihren Erwartungen, einig im Laufe der Karriere mit ihren weichen, dann bösen Kritiken und direkt nach F1-Karriereende mit ihrem kompletten Vergessen des Fahrers überhaupt. Unrühmliche Spitzenreiter in dieser Rolle waren sicher die RTL-"Experten". Die Geschichte scheint sich ein weiteres Mal zu wiederholen.
San Diego 12.10.2018
2. David Beckmann
David Beckmann fährt sehr erfolgreich in der GP3. Er hat alle direkten Vergleiche gegen Mick Schumacher gewonnen. Er muss in die Formel 1 und nicht irgendwelche Namen.
David Dennison 12.10.2018
3. Hohe Erwartungen!
Sobald Mick Schumacher in der Formel 1 ist, wird er ständig an Michael Schumacher gemessen werden. Und den Vergleich, mit einem 7 maligen Weltmeister (92 Siege), den kann er eigentlich nur verlieren. Man hat es, wie gesagt, an Ralf Schumacher gesehen über die Jahre. Tituliert als "Mini-Schumi", "der Kleine", "der Bruder" usw., hat er unter diesem Druck ordentlich verwachst. Bei ihm hatte man aber auch oft den Eindruck, dass ihm der Biss fehlte, dass er froh war über einen technischen Defekt, und Feierabend machen konnte. Das ist sicher bei Mick Schumacher anders. In der heutigen Formel 1 kann er sich aber auch die Rücksichtslosigkeit (nicht negativ gemeint) eines Michael Schumachers nicht mehr leisten, weil er dann sofort bestraft würde (siehe Verstappen).
tg923 13.10.2018
4. Naja
Zitat von San DiegoDavid Beckmann fährt sehr erfolgreich in der GP3. Er hat alle direkten Vergleiche gegen Mick Schumacher gewonnen. Er muss in die Formel 1 und nicht irgendwelche Namen.
Also in der Formel 3 hat der nichts gerissen. Gesamtplatz 15 und 16. Und in der als schwächer geltenden GP3 dümpelt er dieses Jahr auf Platz 5 rum. Schumacher führt mit weitem Abstand die Formel 3 an. Am Ende zählt das Gesamtergebnis und kein direkter Vergleich.
joerg.o 13.10.2018
5.
Und warum steht dann Mick vor David in der Gesamtwertung? Ich schlage vor mal das Thema Neid sein zu lassen. Die Geschichte um Mick finde ich gut und wenn man sie über die letzten Jahre verfolgt hat, kann man ihm nur alles gute und viel Erfolg wünschen.
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