Red-Bull-Pilot Vettel Rasend Richtung vierter Titel

Die Konkurrenz verzweifelt an Sebastian Vettel, der Deutsche deklassierte in Belgien seine Verfolger. Ferrari hofft jetzt auf eine Serie von Defekten bei Red Bull, Mercedes auf seinen Star-Ingenieur. Aber: Vettel kann auf eine neue Stärke vertrauen.

DPA

Aus Spa-Francorchamps berichtet


Wirklich optimistisch klang es nicht, was Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko vor dem Großen Preis von Belgien sagte: "Wir müssen die nächsten beiden Rennen überstehen", gab der Österreicher die Zielsetzung für das Team aus, immerhin Arbeitgeber des dreifachen Weltmeisters Sebastian Vettel.

Aber Marko hatte ja nicht ganz unrecht, sowohl in Spa als auch in Monza ist Konkurrent Mercedes besonders stark einzuschätzen. Wegen der langen Geraden und langsamen Schikanen, die eigentlich den Fahreigenschaften des Silberpfeils entgegenkommen. In Spa-Francorchamps war davon jedoch wenig zu sehen, und Red Bull überstand das Rennen auf dem hügeligen Ardennenkurs nicht nur, Vettel gewann souverän. Der 26-Jährige wirkte bei seinem fünften Saisonsieg überlegener denn je.

Nach dem Start konnte Mercedes-Star Lewis Hamilton, von der Pole-Position ins Rennen gegangen, Vettel gerade mal einen Kilometer auf Distanz halten, dann zog der Weltmeister der vergangenen drei Jahre auf der langen Gerade vor der Les-Combes-Schikane am Briten vorbei und von da an auf und davon.

Vettel hatte am Ende einen Vorsprung von 16,8 Sekunden auf den zweitplatzierten Ferrari-Piloten Fernando Alonso und 27,7 Sekunden auf Hamilton. Umgerechnet auf das 44-Runden-Rennen bedeutet das, dass der Red-Bull-Pilot rund vier Zehntelsekunden pro Umlauf schneller war als Alonso und über eine halbe Sekunde schneller als Hamilton. Das sind in der Formel 1 Welten und es stellt sich die Frage: Wer kann bei einem Vorsprung von 46 Punkten, die Vettel im WM-Klassement vor Alonso liegt, den Deutschen auf seinem Weg zum vierten Titel überhaupt noch stoppen?

Alonso hofft auf eine Aufholjagd wie von Vettel 2012

Bei Ferrari zumindest hält sich die Hoffnung auf ein Wunder in Grenzen. Nicht das Tempo der Italiener, sondern eher eine Defektserie von Red Bull könnte die WM noch einmal offenhalten, glaubt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Sein Nummer-1-Pilot Alonso verweist hingegen auf sich selbst. "Ich hatte in der vergangenen Saison vor dem Rennen in Spa 42 Punkte Vorsprung auf Sebastian. Nach Austin, dem vorletzten Rennen, lag ich dann 13 Punkte dahinter."

Alonso hofft auf eine Siegesserie, wie sie Vettel im vergangenen Jahr hingelegt hat, um das Blatt noch einmal wenden zu können. 2012 gewann der Red-Bull-Pilot in Singapur, Korea, Japan und Indien. "Dafür", so Alonso, "müssen wir unser Auto aber noch mal dramatisch verbessern." Die Chancen dafür stehen allerdings nicht gut, schließlich versucht Ferrari schon die gesamte Saison, dem Red Bull technisch näher zu kommen, ohne dass dies bislang gelungen ist.

Hinzu kommt, dass das Vettel-Team traditionell stark aus der Sommerpause zurückkommt. "Es ist bekannt, dass Sebastian in der zweiten Saisonhälfte fähig ist, noch mal eine Schippe draufzulegen", sagt Red-Bull-Mann Marko. TV-Experte Marc Surer sieht jedenfalls keinen Grund, warum Vettel einbrechen sollte: "Die Schwächen und Schwankungen hat er abgelegt. Er hat die Sicherheit bekommen, die man braucht, um Rennen auch mal zu Ende zu fahren, in denen es nicht so läuft. Früher war er dann immer etwas zu temperamentvoll. Er bleibt jetzt cool, auch wenn es mal nicht so läuft."

Mercedes' Hoffnung heißt nicht Defektserie von Red Bull sondern Star-Ingenieur Paddy Lowe. Schon zu McLaren-Zeiten galt der Brite als "Feuerwehr", der ein Auto während der Saison sehr gut weiterentwickeln kann. Seit Juni dieses Jahres ist Lowe bei Mercedes und hat dort die Aufgabe, den Silberpfeil bis zum letzten Saisonrennen in São Paulo stetig schneller zu machen, um Red Bull doch noch zu überholen. Dazu gehört auch, dass Mercedes endlich die Reifenprobleme in den Griff bekommt. Im Qualifying zeigt das Team die besten Leistungen, in den Rennen bauen die Pneus aber zu schnell ab.

Lotus hingegen wird kaum noch in den Titelkampf eingreifen. "Das Team hat Einbrüche, die du nicht haben darfst, wenn du Weltmeister werden willst", sagt Surer, der einen Hauptgrund darin sieht, dass Lotus weniger Geld zur Verfügung hat als die Konkurrenz. "Sie haben von der Technik genau die gleichen Möglichkeiten in ihrer Fabrik wie McLaren. Aber wenn du nicht genügend Geld hast, um alles auszuprobieren, was dir einfällt, hast du keine Chance."

Vettel selbst weigert sich, über den Titel nachzudenken. "Ich habe auch in Spa nie an die Punkte gedacht, die ich gegenüber meinen Konkurrenten gutmachen werde", sagte er nach seinem Sieg. Und bei allen Hoffnungen der Konkurrenz auf Defekte am Red Bull oder der Verbesserung des eigenen Autos ist es vielsagend, was Mercedes-Teamchef Ross Brawn nach dem Rennen in Spa zu Protokoll gab. Auf die Frage, wer Vettel noch schlagen könne, sagt der Engländer: "Eigentlich nur noch er selbst."

insgesamt 23 Beiträge
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spmc-132032739223712 25.08.2013
1. Gratulation!
Tolle Überschrift SPON! Das Rasen untergebracht und doch mehrdeutig. Gratulation an Vettel, beeindruckend und überlegen!
franjo99999 26.08.2013
2. Rasend....
.....war nur das der Vettel schnell in die Schweiz geflüchtet ist. Er ist für mich somit ein Schweizer und wer ihn als Deutschen bezeichnet, der ist auch Fan eines Steuerflüchtlings!
wichtiger Kommentar 26.08.2013
3. der Silberpfeil wird nicht siegen
Mercedes hat Motorprobleme und wird vorzeitig das Rennen abbrechen in Belgien. Mercedes ist hat nur einen guten Ruf leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Qualitätsmängel nicht nur bei "Silberpfeil" sondern in allen Bereichen aller Autos mit Stern.
r.muck 26.08.2013
4. Angemessen?
Zitat von sysopDPADie Konkurrenz verzweifelt an Sebastian Vettel, der Deutsche deklassierte in Belgien seine Verfolger. Ferrari kann nun nur noch auf eine Serie von Defekten bei Red Bull hoffen, Mercedes auf seinen Star-Ingenieur. Aber: Vettel kann auf eine neue Stärke vertrauen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/nach-dem-sieg-in-spa-ist-vettel-auf-dem-weg-zum-vierten-titel-a-918501.html
Wäre es nicht angemessener Vettel Wahlschweizer zu nennen?
deus-Lo-vult 26.08.2013
5.
Zitat von sysopDPADie Konkurrenz verzweifelt an Sebastian Vettel, der Deutsche deklassierte in Belgien seine Verfolger. Ferrari kann nun nur noch auf eine Serie von Defekten bei Red Bull hoffen, Mercedes auf seinen Star-Ingenieur. Aber: Vettel kann auf eine neue Stärke vertrauen. http://www.spiegel.de/sport/formel1/nach-dem-sieg-in-spa-ist-vettel-auf-dem-weg-zum-vierten-titel-a-918501.html
Rasend Richtung vierte[b]M[/] Titel!
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