Neue Regeln im Motorsport Fia legt der Formel 1 Fesseln an

Tests werden verboten, Fabriken sollen schließen: Der Automobil-Weltverband Fia hat einschneidende Sparmaßnahmen für die Formel 1 beschlossen. Ab 2010 wird sogar das Nachtanken untersagt - die Idee des Einheitsmotors setzte sich dagegen nicht durch.


Hamburg - Der Welt-Motorsport-Rat der Fia teilte am Freitag in Paris mit, dass jeder Formel-1-Fahrer während einer Saison nur noch acht Motoren benutzen darf. Tests außerhalb der Rennwochenenden werden verboten. Zudem beschloss der Rat eine ganze Reihe weiterer Neuerungen. Damit reagierte die Fia auf die Kostenexplosion in der Formel 1, den Ausstieg von Honda und die Krise der Autoindustrie.

Formel-1-Weltmeister Hamilton: Acht Motoren pro Saison
DPA

Formel-1-Weltmeister Hamilton: Acht Motoren pro Saison

SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Änderungen vor:

  • Während der Saison gibt es künftig keine Testfahrten mehr. Getestet werden darf nur noch am Freitag vor einem Rennen.
  • Die Fabriken der Formel-1-Teams müssen während eines Jahres sechs Wochen lang geschlossen bleiben.
  • Die Drehzahl der Motoren wird auf 18.000 Umdrehungen beschränkt.
  • Jedes Team darf insgesamt nur noch 20 Motoren pro Saison benutzen, vier davon sind für Testfahrten vorgesehen. Ein Motor muss für drei Rennen halten, bislang waren es zwei.
  • Windkanäle dürfen nur noch eingeschränkt benutzt werden.
  • Das Energierückgewinnungssystem Kers muss 2009 von den Teams noch nicht eingesetzt werden.

Die Kosten für die Triebwerke sollen für Privatteams durch diese Beschränkungen im Vergleich zur zurückliegenden Saison um die Hälfte sinken.

Insgesamt sollen sich die Etats pro Rennstall zunächst um ein Drittel reduzieren lassen. Sie lagen zuletzt laut motorsport-total.com zwischen 80 Millionen (Force India) und 350 Millionen Euro pro Jahr (McLaren-Mercedes), andere Schätzungen beliefen sich für 390 Millionen Euro bei Honda.

Ab 2010 treten zudem weitere einschneidende Änderungen in Kraft:

  • Den Privatteams werden Motoren zur Verfügung gestellt, die weniger als fünf Millionen Euro pro Saison kosten - entweder von einem unabhängigen Hersteller oder von einem der an der Formel 1 beteiligten Autokonzerne. Diese Motoren müssen auch 2011 und 2012 benutzt werden.
  • Ein Nachtanken während des Rennens ist nicht mehr erlaubt.
  • Die Teams müssen einheitliche Funk- und Telemetriesysteme benutzen.
  • Möglicherweise sollen die Renndistanzen verkürzt werden.
  • Ab 2010 soll Kers Pflicht werden, die Rennställe sollen ein einheitliches Konzept für das System vorlegen.
  • Reifenwärmer werden verboten, ebenso das mechanische Säubern der Pneus.

Zudem will die Fia die aufwendige Forschung nach aerodynamischen Verbesserungen weiter beschränken.

Spätestens ab 2013 soll ein neues, sparsameres Antriebssystem in der Formel 1 eingesetzt werden, bei dem die Energierückgewinnung eine entscheidende Rolle spielen soll.

"Das Paket ist ein guter und großer Schritt in die richtige Richtung. Es gibt aber weiteres Sparpotential", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach der Fia-Entscheidung.

Eine Reihe weiterer möglicher Änderungen steht noch zur Diskussion: So könnte das bislang in drei K.-o.-Runden ausgefahrene Qualifying einen neuen Modus erhalten. Die von Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone vorgeschlagene Einführung von Medaillen statt Punkten bleibt möglich. Was letztlich umgesetzt wird, hängt laut Fia-Mitteilung von den Ergebnissen einer Marktanalyse ab.

all/sid



insgesamt 181 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
*42* 02.11.2008
1.
Zitat von sysopLewis Hamilton ist Weltmeister 2008 - doch Fragen bleiben offen: Ist der Brite tatsächlich der herausragende Fahrer der Formel 1. Oder wird Ferrari in der kommenden Saison zurückschlagen? Wird das neue Reglement für manche Überraschung sorgen? Und wie weit kann Sebastian Vettel im Red Bull nach vorn fahren? Diskutieren Sie mit!
Gerne! Zuerst würde ich sagen, das heute ein Paket gewonnen hat: Fahrzeug, Team und Fahrer. Wird Ferrari zurückschlagen? Versuchen werden sie es auf jeden Fall! Wird das neue Reglement für Überraschungen sorgen? Ich weiß es nicht. Allerdings, das heute beinahe ein Torro Rosso die WM entschieden hätte... läßt abwarten und auch den Gedanken zu, daß mindestens gleichwertige Fahrer in anderen Teams unter Vertrag stehen...
hphess 02.11.2008
2.
Haug & Co haben nun richtig gemacht, was sie letztes Jahr vergeigt haben. Insofern ist der Titel für Hamilton, den sie 2007 geradezu mutwillig und fahrlässig verspielt haben, absolut verdient. Momentan gibt es keinen absolut dominierenden Fahrer und auch kein dominierendes Team in der Formel 1. Das macht den Sport wieder interessant. Ich freue mich auf die nächste Saison.
vdh 02.11.2008
3. Ferrari vergeigte die WM für Massa
Die unseglichen Fehler die Ferraris Boxencrew während der vergangenen acht Monate machte, kosteten Felipe Massa den WM-Sieg. Unter Monsieur Todt wäre das nicht passiert.Basta.
deefens 02.11.2008
4.
Zitat von sysopLewis Hamilton ist Weltmeister 2008 - doch Fragen bleiben offen: Ist der Brite tatsächlich der herausragende Fahrer der Formel 1. Oder wird Ferrari in der kommenden Saison zurückschlagen? Wird das neue Reglement für manche Überraschung sorgen? Und wie weit kann Sebastian Vettel im Red Bull nach vorn fahren? Diskutieren Sie mit!
Angesichts von Wirtschaftskrise, US-Wahlen und des bevorstehenden Staatsbankrott der Bundesrepublik so relevant wie die Connor-Scheidung...
cheezer87 03.11.2008
5.
Klasse, nach Raikkonen '07 haben wir also den nächsten unwürdigen Weltmeister. Seit Schumi nicht mehr dabei ist und Alonso kein konkurrenzfähiges Auto mehr hat, sind die Weltmeister alles Andere als weltmeisterlich. Einen derartig künstlich erzwungenen Weltmeister wie Hamilton hat die Formel 1 meiner Meinung noch nicht gesehen. Peinlich genug, dass McLaren ein ganzes Jahr länger warten mussten. Wie es weitegeht? Ich hoffe, dass sich der bisherige Trend fortsetzt und Teams wie Renault und Toyota (evtl. auch BMW) weiter zu den Topteams aufschließen können. Vorallem wünsche ich mir bessere Autos für Kubica und Vettel. Auch Alonso verdient einen schnelleren Wagen. Der spanische Doppelweltmeister könnte wieder für etwas mehr fahrerische Klasse an der Spitze sorgen. Es gibt derzeit genügend Fahrer, die das Zeug zu wahren Champions haben. Schade, dass die Cockpits bei Rot und Silber schon anderweitig belegt sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.