Rosberg-Kolumne "Wir können für Jules nur beten"

Wenn das Rennen zur Nebensache wird: In seiner Kolumne beschreibt Nico Rosberg die Stimmung nach dem Unfall von Jules Bianchi in Japan. Und er erklärt, warum er in Suzuka große Probleme mit seinem Auto hatte.

Mercedes-Pilot Rosberg: "Dieser Unfall beschäftigt uns alle sehr"
imago

Mercedes-Pilot Rosberg: "Dieser Unfall beschäftigt uns alle sehr"


Was am vergangenen Wochenende in Japan passiert ist, kann ich nur schwer in Worte fassen. Der Unfall von Jules hat mich schockiert, und ich denke andauernd an ihn und seine Familie. Ich hoffe, dass es bald gute Nachrichten über seinen Gesundheitszustand geben wird, aber es sieht derzeit nicht gut aus. Wir können nur hoffen und beten.

Ich kann nicht behaupten, Jules besonders gut zu kennen. Wir haben ein paarmal geplaudert, das war es. Aber er ist ein angenehmer Kollege und war im Fahrerlager sehr beliebt. Ich bin mit seinem Landsmann Jean-Éric Vergne, der für Toro Rosso fährt, von Japan nach Sotschi geflogen, dabei haben wir uns viel über Jules unterhalten.

Dieser Unfall beschäftigt uns alle sehr, jeder hier im Fahrerlager spricht darüber und denkt an Jules. Die Stimmung ist anders als sonst, sehr ernst, kaum jemand lacht. Wir werden während des Rennens auf unseren Helmen Aufkleber haben auf denen steht: "Alle mit Jules".

Alles diskutieren, was unseren Sport sicherer macht

Es wird derzeit sehr viel über Möglichkeiten gesprochen, um die Formel 1 sicherer zu machen. Eine davon ist ein geschlossenes Cockpit. Das ist sicherlich etwas, was überprüft werden sollte. Ich persönlich bin nicht sicher, ob es die ideale Lösung wäre. Aber grundsätzlich sollten wir erstmal alles diskutieren, was unseren Sport sicherer macht.

Auch wenn es schwerfällt, müssen wir an diesem Wochenende ein Rennen fahren. Die Strecke in Sotschi ist neu und wird daher eine Herausforderung für uns alle sein. Es ist eine Mischung aus Stadtkurs und klassischer Strecke. Vor allem die Kurve drei hat es in sich, die fährt man am Ende fast mit Vollgas. Bei den Testfahrten im Simulator habe ich da einen Abflug gemacht.

Im Training am Freitag haben wir etwas Neues, Kreatives mit dem Setup probiert. Das lief für mich nicht so gut, und wir haben es wieder geändert. Das Qualifying war dann echt schwer, Lewis war sehr schnell. Mir haben zwei Zehntel gefehlt. Aber von Startplatz zwei ist noch alles drin. Ich bin sehr gespannt aufs Rennen: Wenn ich meine Leistung bringe, kann ich hier definitiv gewinnen.

Um hier in Sotschi erfolgreich zu sein, muss aber mein Auto besser funktionieren als zuletzt in Japan. Die Balance des Wagens stimmte in Suzuka überhaupt nicht, und das hat mich und mein Team wirklich beunruhigt. Das Auto war völlig übersteuert, was bedeutet, dass das Heck ständig ausbrach. Das war wirklich schwierig für mich. Zum ersten Mal in dieser Saison hatte ich das Gefühl, dem Auto nicht komplett vertrauen zu können.

Konstrukteurs-WM schon in Russland möglich

Platz zwei in Japan war aufgrund dieser Schwierigkeiten daher ein sehr gutes Ergebnis für mich. Zwar hat Lewis jetzt dreimal in Folge gewonnen, ich habe in der WM-Wertung aber trotzdem nur zehn Punkte Rückstand auf ihn. Meine Position ist auch gar keine schlechte, denn jetzt bin ich nicht mehr der Gejagte, sondern der Jäger.

Wir können hier in Sotschi übrigens vorzeitig den Konstrukteurstitel mit Mercedes gewinnen, was eine tolle Sache wäre. Das wäre das erste Mal in der Geschichte der Formel 1, dass wir diesen Titel als Werksteam feiern könnten. Wahnsinn! Sollte uns das gelingen, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Fahrer-WM. Wenn es in den drei restlichen Rennen hart auf hart kommt, kann ich dann im Zweifel mehr an mich selbst denken als ans Team.

Mercedes-Pilot Nico Rosberg schreibt exklusiv für SPIEGEL ONLINE über die Themen der Formel 1.

Vote
Nach Bianchis Unfall

Wie kann die Formel 1 noch sicherer werden?

Nico Rosberg auf Facebook



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
trance.testerer 16.10.2014
1.
mal eine frage: woher wissen wir denn, dass es tatsächlich einen rennunfall gegeben hat?
PeterPan95 17.10.2014
2.
Der Unfall von Bianci wäre mit einem geschlossenen Cockpit wohl kaum glimpflicher verlaufen, da er mehr oder weniger schräg unter den Stapler gerauscht ist. Jedes Cockpit wäre dabei zertrümmert worden. Dass Bianci überhaupt noch lebt liegt wohl daran, dass er den Stapler leicht seitlich getroffen hat und daher daran vorbei "schrammte". Aber bitte, was erwarten wir denn: Einen F1-Rennwagen, der mit 200Km/h frontal auf eine tonnenschweren Baumaschine trifft und der Fahrer unverletzt aussteigt? Sollte schwer zu realisieren sein. Die Ursache der Schwere dieses Unfalls ist wohl eher die Geschwindigkeit und die Anwesenheit des Krans, und nicht das Auto. Daran sollte gearbeitet werden, also Tempolimit und ggf. Safety Car wenn eine Bergungsfahrzeug oder Fußpersonal in den gefährlichen Bereich muss. Hätte Bianci die Streckenposten getroffen, hätte es definitiv Tote gegeben.
trance.testerer 18.10.2014
3.
wer genau hinsieht auf dem ominösen unfallvideo, der kann erkennen dass es so aussieht, als würde in dem rennwagen niemand sitzen. und sämtliche fernsehbilder werden der weltöffentlichkeit verheimlicht und vorenthalten! warum wohl..?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.