Mercedes-Star Rosberg Härter ran!

Das Mercedes-Duo dürfte die neue Formel-1-Saison dominieren. Was den Kampf zwischen Hamilton und Rosberg spannend macht: Der Deutsche meint, den wunden Punkt seines Erzrivalen gefunden zu haben.

Von Karin Sturm

Bongarts/Getty Images

Nico Rosbergs Gegner Nummer eins, Lewis Hamilton, beginnt die neue Formel-1-Saison so, wie man es von ihm gewohnt ist: Ein leicht verspäteter, dann betont locker bis leicht überheblicher Auftritt bei der offiziellen Saisonstart-Präsentation von Mercedes in Stuttgart. Auf der Anreise nach Australien noch ein Zwischenstopp in Neuseeland mit Casino-Besuch und anschließenden Wehklagen auf Twitter, er sei dort "wie der letzte Dreck" behandelt worden - Aufmerksamkeit schaffen für sich, den Weltmeister, den Unangreifbaren auf allen Ebenen.

Rosberg hat sich geschworen, sich von derartigen Mätzchen des Weltmeisters der beiden Vorjahre nicht mehr irritieren zu lassen. Ganz im Gegenteil. Seine Siege bei den letzten drei Saisonrennen im vergangenen Jahr haben ihm viel Auftrieb gegeben - Schwung, den er jetzt in die neue Saison mitnehmen will, um seinen ewigen Rivalen doch einmal hinter sich zu lassen.

Denn eines hat der Deutsche gemerkt: Hamilton hat einen Punkt, an dem er bei aller stets demonstrierter Stärke doch verwundbar ist. Dann nämlich, wenn es bei ihm einmal nicht optimal läuft und er sich den Grund dafür nicht so recht erklären kann - so auch in den letzten Rennen 2015: Trotz bereits gewonnenen WM-Titels brachten die Niederlagen den Briten sichtlich aus der Fassung. Was folgte, waren ein paar sehr vorwurfsvolle Kommentare gegen das Team - was bei der Mercedes-Führungsspitze, bei aller Liebe zu ihrem Champion, nicht gut ankam.

Rosberg ist das komplette Gegenstück zu Hamilton

Währenddessen blieb Rosberg auch in Zeiten der Niederlagen immer loyal, das wild "Um-sich-Schlagen" liegt ihm nicht. Schließlich ist der 30-Jährige vom Charakter her das komplette Gegenstück zu seinem fast gleichaltrigen Teamkollegen. Wo der es laut, schrill und bunt mag, setzt Rosberg lieber auf leise, normal und "down to Earth".

Rivalen Nico Rosberg, Lewis Hamilton
DPA

Rivalen Nico Rosberg, Lewis Hamilton

Ob er nun Ehefrau Vivian, mit der er schon über zehn Jahre zusammen ist, beim Wickeln des Töchterchens hilft oder zu Hause in Monaco auch öffentliche Verkehrsmittel nicht verschmäht: "Da ist es manchmal schon sehr praktisch, den Bus zu nehmen - dann muss man nicht ewig einen Parkplatz suchen."

Und wer als Zukunftsträume neben dem WM-Titel als erstes angibt: "Eine große und glückliche Familie zu haben und auch noch die eine oder andere Reise. Zum Beispiel würde ich gern mal eine richtig große Safari machen", bewegt sich damit dann doch eher im Kosmos der realen Welt als in der des Show- und Glitzerzirkus Formel 1.

Viele haben Rosberg vorgeworfen, genau durch diese "Normalität" sei er für den absoluten Top-Erfolg in der Formel 1 nicht hart, nicht hungrig genug. Er habe nicht den gleichen Biss wie Hamilton, sei sozusagen mit dem "goldenen Löffel" aufgezogen worden, mit Ex-Weltmeister Keke als Vater, mit entsprechendem finanziellen und gesellschaftlichen Hintergrund.

Der Deutsche kämpft gegen sein Image

Doch bei aller Sicherheit, die so eine Herkunft gibt: Auch Nico Rosberg musste schon für sich selbst geradestehen. Mit seinem ersten in der Formel 1 selbst verdienten Geld musste er zunächst Schulden bei seinem alten GP2-Team ART begleichen, die er dort nach einem Unfall noch hatte.

Und das mit der angeblich fehlenden Härte ist ja auch so eine Sache. In erster Linie war es ein Ereignis, dass Rosberg in diese Ecke gedrängt hat. Die Feindberührung mit Hamilton beim Großen Preis von Belgien 2014, eigentlich ein ganz normaler Rennzwischenfall, den die Mercedes-Bosse damals zur Staatsaffäre aufbliesen und Rosberg öffentlich als den bösen Buben dastehen ließen.

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Seitdem schien der Deutsche gehemmt - und Hamilton noch mehr davon überzeugt, bei eigenem harten Einsteigen auf einen Rückzieher seines Teamkollegen hoffen zu können. Bis es der Brite dann 2015 in Austin in einer entscheidenden Situation gleich nach dem Start mit der Härte ein bisschen übertrieb und Rosberg sich schwor, sich nie wieder so behandeln zu lassen. Der Deutsche hat an Kühle zugelegt, das hat die Endphase der Vorsaison gezeigt.

Rosberg, der im Kopf frei und selbstsicher ist, ist einem Lewis Hamilton vom Speed her durchaus gewachsen. Gerade im Qualifying, über eine Runde - das hat er schon oft genug bewiesen. Und da und am Start werden in der Formel 1 heute nun einmal bereits viele Rennen entschieden.

Mercedes hat außerdem erklärt, beiden Fahrern in diesem Jahr mehr taktische Freiheiten und einen direkten Kampf gegeneinander zu erlauben, solange es nicht zu Crashs kommt. Gleichzeitig ist ja in dieser Saison die Kommunikation des Fahrers mit der Box während des Rennens durch das Reglement noch stärker eingeschränkt, die Piloten stärker auf sich selbst gestellt.

Rosberg, der eher überlegt-intellektuell an seine Entscheidungen herangeht, kann daraus durchaus einen Vorteil gegenüber dem "Instinktpiloten" Hamilton ziehen. Und dann stehen seine Chancen gar nicht so schlecht, in der Saison 2016 die interne Hackordnung bei Mercedes umzudrehen.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Polepositions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Polepositions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
fred-vom-saturn 16.03.2016
1. Wünschenswert
Wenn es jemand verdient hätte F1 WM zu werden dann Rosberg. Selten einen so sympathischen Sportler wie ihn gesehen. Der Mann scheint mit seiner Art völlig aus der Zeit gefallen zu sein. In einer anderen, vergangen Ära wäre es niemanden in den Sinn gekommen seine aufrechte und freundliche Weise als Schwäche zu interpretieren. Aber in so hysterischen Zeiten gilt eben ein guter Charakter nichts und ein Blender alles. Schade.
jjcamera 16.03.2016
2. Stallorder
Eine Stall-Rivalität ist nicht "spannend", sondern das Ergebnis einer Stallorder. Sie lautet: tut so, als wärt ihr Konkurrenten, das macht es wenigstens ein bisschen weniger langweilig. Das beste Beispiel: letzte Saison hat Roßberg nur noch gewonnen, nachdem Hamilton als Weltmeister feststand.
quittenmarmelade 16.03.2016
3. Ihr Kinderlein kommet...
Wer kann denn diese Profitverseuchte Veranstaltung mit ihren Milchbubis noch ernst nehmen? Hamiltons größte Sorge ist doch nach dem Rennen die Brillies so schnell wie möglich wieder in die Ohrläppchen zu bekommen. Peinlich. Wäre schön wenn's die Medien ignorieren würden anstatt Ecclestone weiter Geld hinterher zu werfen.
torsten_raab 16.03.2016
4.
Willkommen im Formel1-Forum, lieber AfD-Wähler. 1. Lewis Hamilton ist ENGLÄNDER, bis auf die Hautfarbe und die Muttersprache hat er wenig gemeinsam mit den angesprochenen Bling-Bling-US-Bürgern. 2. Partyvögel gab es in der Formel 1 schon vor vierzig Jahren (z.B. James Hunt, auch Engländer, aber nicht schwarz) 3. Große Egos und Ellbogen sind in der Spitze jeder Leistungsgesellschaft zu finden, ob Sport, Wirtschaft oder Kultur... das hat weniger mit der Hauptfarbe oder "Ethnie" zu tun, oder wie stellen Sie den Zusammenhang zwischen Hamilton und z.B. Lothar Matthäus her? Zum Topic - "die Botschaft höre ich wohl, doch allein mir fehlt der Glaube". Fahren kann Rosberg, aber gewinnen wird er erst, wenn es seinem Team und dem "Allmächtigen E" in den politischen Kram passt.
GegnerallerDummköpfe 16.03.2016
5. Rosberg sit selber Schuld
Er war ja schneller in beiden Jahren, doch dann steckte er immer zurück als es auf der Strecke darauf ankam. Und Hamilton wusste das und machte es immer wieder, mit dem kann man es ja machen. Erst als letztes Jahr der Titel für Hamilton feststand wachte Rosberg zum ersten mal auf. Man kann nur hoffen dass er es begriffen hat. Dummerweise ist jetzt Ferrari nah dran und Vettel sowieso besser als die beiden. Es könnte also durchauspassieren dass Rosberg Hamilton schlägt, aber es wieder ncith ür die WM reicht. Dann sollte er zumindest jemand anderem die Chance geben diesen Mercedes zu fahren.
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