Rückkehr geplant Porsche glaubt wieder an die Formel 1

Jahrzehntelang hat Porsche der Formel 1 die kalte Schulter gezeigt. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Die Edelmarke erwägt ernsthaft, sich wieder in der Königsklasse zu engagieren.

Porsche engagiert sich derzeit in der Langstrecken-WM
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Porsche engagiert sich derzeit in der Langstrecken-WM

Von Karin Sturm


Vor ein paar Jahren redete man immer wieder von einem Audi-Einstieg in die Formel 1 - der dann aber spätestens mit "Dieselgate" erst einmal endgültig vom Tisch war. Jetzt steht eine andere Marke aus dem VW-Konzern möglicherweise kurz davor, die Weichen in Richtung Königsklasse zu stellen: Porsche. Bei der vergangenen Sitzung der von Ross Brawn, dem Sport- und Technikchef der neuen Formel-1-Besitzer Liberty Media ins Leben gerufenen "Motorengruppe" der Formel 1 am 4. Juli waren die Schwaben bereits vertreten. Und beteiligten sich, so hört man zumindest, mit größtem Interesse.

In der "Motorengruppe" wird das neue Antriebsreglement erarbeitet, das spätestens ab 2021 in der Formel 1 gelten soll. Über die Grundstruktur des Motors herrscht bereits Klarheit. Es wird ein 1,6 Liter V6-Biturbo mit erhöhter Durchflussmenge und einem Energierückgewinnungssystem, das kinetische Energie in Strom umwandelt.

Gestritten wird noch über den Umfang der Standardkomponenten wie Turbolader, Elektromotor, Batterie und Leistungselektronik. Die würden die Verbände FIA und FOM gerne vereinheitlichen, aus 'Kostengründen und um auch kleineren, unabhängigen Herstellern eine Chance zu geben. Die Großen wie Mercedes oder Ferrari würden dagegen gerne mehr Freiräume behalten.

Porsche versenkt sehr viel Geld in die Langstrecken-WM

Für Porsche, wo man derzeit sein komplettes Motorsportprogramm auf den Prüfstand stellt, wäre das neue Formel-1-Konzept aus verschiedenen Gründen attraktiv. Die erforderliche Technologie ist weitgehend vorhanden - aus der Langstrecken-WM, der WEC. Dort ist man seit 2014 unterwegs - und das sehr erfolgreich, geradezu dominant. Zwei WM-Titel, 2015 und 2016, drei Siege beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans hintereinander - da gibt es nicht mehr viel zu gewinnen, was sich PR-technisch noch entsprechend umsetzten ließe. Und das bei immensen Kosten: 200 Millionen Euro kostet so ein erfolgreiches WEC-Projekt in der technisch hoch komplizierten LMP1-Kategorie.

Auch ein Grund dafür, warum sich die Serie nicht so entwickelt, wie sie es vor ein paar Jahren noch versprach. Da war vom Einstieg anderer Hersteller, von Peugeot, von Nissan die Rede. Was wohl alles nicht passieren wird - nach dem Audi-Ausstieg Ende 2016 blieb als einziger Porsche-Rivale Toyota.

Ein Formel-1-Engagement als Motorenlieferant nach dem neuen Reglement ließe sich zu deutlich geringeren Kosten bewerkstelligen - Insider sprechen von maximal der Hälfte. Und das bei erheblich besserem Return of Investment. Die Öffentlichkeitswirksamkeit der Formel 1 ist und bleibt nun einmal um Welten höher als die der WEC - selbst wenn man ein so prominentes Rennen wie die 24 Stunden von Le Mans mit einbezieht.

Übergangsprogramm in der Formel E als Option

Hört man sich am Nürburgring um, wo an diesem Wochenende parallel zum Formel-1-GP in Silverstone der vierte WEC-Lauf des Jahres stattfindet, dann zucken die Porsche-Verantwortlichen nur mit den Achseln. Aber hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder, dass die interne Meinungsbildung im Porsche-Vorstand in Richtung Formel 1 gehe - möglicherweise mit einem Ergänzungs- oder Überbrückungsprogramm in der noch relativ günstigen Formel E. Hier kann ein Hersteller mit einem Budget von 15 Millionen Euro erst einmal gut dabei sein - und aus Marketinggründen wollen das ja derzeit viele, 2018 kommen BMW und Audi, Mercedes hat eine Option.

Noch in diesem Monat will der Porsche-Vorstand wohl eine endgültige Entscheidung treffen, Anfang September soll sie dann auch öffentlich kommuniziert werden. Obwohl Mark Webber als Porsche-Markenbotschafter in der Vorwoche als Formel-1-Gast in Spielberg in Österreich noch meinte, 2018 wäre die Porsche-Präsenz in der WEC noch garantiert: Sicher scheint das nicht mehr, obwohl das Budget bereits genehmigt wurde.

Möglicherweise zieht man doch schon vorzeitig den Stecker und beginnt dann doch schon zeitnah mit der Vorbereitung zum Bau eines Formel-1-Motors für einen möglichen Wiedereinstieg in die Weltmeisterschaft 2020 oder 2021 - je nachdem, wie schnell sich die Motorenkommission auf ein Resultat einigt.

In den achtziger Jahren waren die Stuttgarter als Motorenpartner von McLaren zuletzt in der Königsklasse dabei. Niki Lauda und Alain Prost mit dem McLaren-TAG-Porsche - und wurden 1984 und 1985 Weltmeister.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
dieter 4711 16.07.2017
1. Auf Porsche
Dann auf Porsche zu neuen Rundenzeiten.
Reg Schuh 16.07.2017
2.
Sieh einer an. Der Geländewagen/SUV-Hersteller Porsche will wieder in Richtung Sportwagen.
LapOfGods 16.07.2017
3.
Hässlicher als die 919 sind die Insekten auf Rädern in der Formel 1 auch nicht .... Also wenn's dann billiger wird und man damit mehr Reklame für klumpige SUVs machen kann, dann ist das doch ein wichtiger Beitrag zur Geschmacksapokalypse.
Beinlausi 16.07.2017
4. Ähm, nein.
Zitat von Reg SchuhSieh einer an. Der Geländewagen/SUV-Hersteller Porsche will wieder in Richtung Sportwagen.
Wenn wir uns das mal angucken: Anzahl der Sportwagen von Porsche verglichen mit der der Modelle mit SUV-/Geländecharme (Macan/Cayenne) ... Solche Statements würden eher einen mineralisch geprägten Namen implizieren...
btwesten 16.07.2017
5. Ablenkung?
Moin miteinander, hatten die nicht auch ein Dieselproblem? Hatte die nicht Probleme damit, daß der Diesel die Umwelt einsaut? Brauchen die eine Ablenkung durch erneute Riesenabgaßmengen beim blödsinnigen im Kreis fahren?
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