Pressekonferenz Schumacher schließt künftige Comeback-Versuche aus

Konditionell topfit, aber nicht Formel-1-tauglich - Michael Schumacher gab alles für seine Rückkehr, doch mehrere Knochenbrüche machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Weitere Comeback-Pläne hat er nun ausgeschlossen: "Das steht nicht zur Diskussion."


Hamburg - Michael Schumacher hat nach seiner Comeback-Absage von einem "sehr traurigen Moment" gesprochen. "Dass ich enttäuscht bin, ist selbstverständlich", sagte der Rekordweltmeister bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Genf. Er zollte einen "Riesendank an alle Fans, die mich wesentlich mehr motiviert und unterstützt haben, als ich mir das je erträumt hatte". Schumacher hatte am Dienstag seine Rückkehr in die Formel 1 aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. "Es ist vielleicht der härteste Moment, den ich in meiner Karriere hatte", sagte der 40-Jährige.

Rekordweltmeister Schumacher: "Riesendank an alle Fans"
AFP

Rekordweltmeister Schumacher: "Riesendank an alle Fans"

Schumacher betonte, dass die Zeit bis zu seinem möglichen Comeback "sehr eingeschränkt" gewesen sei. "Erst eine Fahrt in einem Formel-1-Auto konnte zeigen, ob es möglich ist oder nicht. Mein Motorradunfall war kein Geheimnis, ich hatte kein hundertprozentiges Ja gegeben", so Schumacher. "Die Belastung war der entscheidende Punkt. Die Analyse hat die Antwort gegeben."

Laut Angaben seines behandelnden Arztes, Johannes Peil, hatte Schumacher sich bei einem Motorrad-Unfall am 11. Februar im spanischen Cartegena eine Fraktur des 7. Halswirbels und eine Fraktur der ersten Rippe links zugezogen. Zudem erlitt er eine Fraktur im Bereich der Schädelbasis. "Die Unfallfolgen waren die schwersten, die Michael in seiner Karriere zu tragen hatte", sagte der Leiter der Sportklinik Bad Nauheim. "Eine der Unfallfolgen heilt mit einem Defizit. Sie hat sich nach dem Fahren im Formel-1-Wagen wieder als Schmerz gemeldet", sagte Peil. "Wenn der Schmerz nicht zurückgeht, stellt sich die Frage, ob es geht."

Erstmals sprach Schumacher öffentlich über den schweren Sturz. "Ich habe bei dem Motorradunfall nichts mitbekommen. Ich weiß nur, dass ich wachgeworden bin und meine Probleme hatte", sagte er und fügte hinzu: "Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass sie lebensbedrohlich waren." Sein Arzt, Dr. Johannes Peil, gab zu: "Wir haben uns damals große Sorgen gemacht."

Abgesehen von den Problemen im Nacken sei Schumacher fit gewesen. "Er war konditionell gut vorbereitet, die Basis war da. Wir haben die Folgen des Unfalls ständig kontrolliert", so Peil. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass er Motorrad und auch im Kart stundenlang fahren kann. Doch das ist keine adäquate Belastung (im Vergleich, Anm. d. Red.) zur Formel 1."

Zu Fragen, ob er zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Rennzirkus einsteigen könnte, sagte Schumacher, dass es diese Spekulationen ständig gebe. "Der im Moment wichtigste Punkt, mit dem ich selbst zu kämpfen habe, ist, dass ich nicht helfen kann", so Schumacher. Auf Nachfrage, ob irgendwann ein Comeback möglich sei, sagte er: "Rein medizinisch gibt es keine Gründe, die dagegen sprechen. Allerdings ist das kein Thema, mit dem ich mich befasse. Ich werde weiterhin meine Kart-Aktionen machen, alles andere steht nicht zur Diskussion."

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte mit Schumacher offensichtlich mehr vor als nur einen befristeten Einsatz in dieser Saison. "Wenn alles gut gelaufen wäre, hätte ich Michael auch gerne für 2010 in einem dritten Auto bei Ferrari gehabt", sagte der Italiener der Zeitung "La Stampa". Nun fürchtet er, dass das Kapitel abgeschlossen ist.

"Mit dem Nacken ist nicht zu scherzen", sagte di Montezemolo. Dabei habe er gedacht, die Untersuchung Schumachers am Montag wäre eher eine Formalität gewesen. "Michael hatte mich darüber informiert", sagte der Ferrari-Präsident.

Dass die erste Wahl nach dem Unfall von Felipe Massa auf den siebenmaligen Weltmeister fiel, war für di Montezemolo keine Frage. "Weil Schumacher eben Schumacher ist. Ein Champion, der den Unterschied macht. Ich wähle lieber den Star, auch wenn er schon älter ist, als den Mittelmäßigen, der jünger ist. Der Zirkus brauchte eine Peitsche", so der Ferrari-Chef.

Zu Luca Badoer sagte di Montezemolo: "Badoer hat das Schicksal eine einzigartige Chance beschert. Jetzt ist es an ihm, sie zu nutzen." Man werde Badoer nach Kräften unterstützen.

fsc/dpa

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Seite 1
ddorfer 11.08.2009
1.
Zitat von sysopGeplatztes Schumacher-Comeback: Bedauern Sie die Absage des siebenmaligen Weltmeisters?
Nein.
frubi 11.08.2009
2.
Zitat von ddorferNein.
Ich auch nicht. Allein schon die Medienschlacht um das Comeback hat wieder tierisch genervt. Die Rennen hätte ich mir teilweise schon angesehen aber letzlich zählt momentan eh nur Foppes.
derpolokolop 11.08.2009
3.
Mich tut`s besonders für Kai Ebel und Heiko Wasser wirklich Leid! ;-)
ddorfer 11.08.2009
4.
Zitat von frubiIch auch nicht. Allein schon die Medienschlacht um das Comeback hat wieder tierisch genervt. Die Rennen hätte ich mir teilweise schon angesehen aber letzlich zählt momentan eh nur Foppes.
Eben.Das ganze Theater war nur ein Lückenfüller für die 3 oder 4 Wochen ohne Rennen.
Beutz 11.08.2009
5. Kreisfahrer.
Zitat von sysopGeplatztes Schumacher-Comeback: Bedauern Sie die Absage des siebenmaligen Weltmeisters?
Nein. Berechtigte Frage: Zeigt der Mann Größe oder sieht er keine Gewinnchance? Liebe Grüße.
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