Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Qualifying in der Formel 1: Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden

Von

Formel-1-Boliden warten in der Boxengasse Zur Großansicht
Getty Images

Formel-1-Boliden warten in der Boxengasse

Der neue Qualifying-Modus soll nun doch mindestens noch ein Rennen erprobt werden. Das hat die Formel-1-Kommission beschlossen. Es droht ein Machtkampf mit den Fahrern - der weitere Zuschauer kosten könnte.

Am 3. April wird in Bahrain das zweite Rennen der Formel-1-Saison gefahren. Wer dann von der Poleposition starten darf, wird am Tag zuvor in der Qualifikation entschieden. Ob es aber tatsächlich zu einer sportlichen Ausscheidung kommen wird, ist nach den neuen Entwicklungen ungewiss.

Die Formel-1-Kommission - bestehend aus den elf Teams, dem Weltverband Fia, den Motorenherstellern, einigen Rennstreckenbetreibern, dem Rechteinhaber CVC, Reifenhersteller Pirelli und Sponsoren - hat beschlossen, vorerst beim neu eingeführten Qualifying zu bleiben. Dabei handelt es sich um einen in drei Phasen aufgeteilten K.-o.-Modus, in dem alle 90 Sekunden ein Fahrer ausscheidet. Was Spannung garantieren sollte, sorgte für ein frühzeitiges Ende - offiziell, um Reifen zu schonen.

Mit der Beibehaltung des neuen Modus stellen sich die Regelhüter gegen die massive Kritik aus dem Fahrerlager, auch viele Teamchefs hatten sich nach dem missglückten Debüt beim Großen Preis von Australien für eine Rückkehr zum System der vergangenen Jahre ausgesprochen. Die erneute Rolle rückwärts wurde auch von vielen Formel-1-Experten kritisch kommentiert.

Die Kommission hätte die Rückkehr einstimmig beschließen müssen, dafür scheint der Einfluss der Teamchefs nicht ausreichend zu sein. Promoter Bernie Ecclestone hatte bereits zu Beginn des Tages eine zuvor als sicher geltende Einigung in Frage gestellt. "Die Teams diskutieren darüber, aber die Einstimmigkeit für einen Schritt zurück ist nicht da", hatte er der "Gazzetta dello Sport" gesagt. "Wenn ich Ihnen in diesem Moment eine Meinung sagen müsste, würde ich sagen, dass es so weitergeht wie in Australien."

Ecclestones Macht in der Formel 1 sinkt, aber der 85-Jährige hat immer noch genügend Einfluss, um Regeländerungen zu verhindern. Damit droht allerdings ein Machtkampf mit den Fahrern. Angeführt vom vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel hatten sich die meisten Piloten schon in Australien kritisch geäußert. "Ich weiß nicht, warum alle so überrascht sind", sagte Vettel. "Wir haben gesagt, dass es so kommt, dass das Format nicht funktioniert."

Offener Brief als Kampfansage

Am Mittwoch gingen die Fahrer dann noch einen Schritt weiter und formulierten einen offenen Brief an die Besitzer und Verantwortlichen der Formel 1. "Die Fahrer sind zu dem Schluss gekommen, dass der Entscheidungsprozess in dem Sport veraltet und schlecht strukturiert ist, so dass Fortschritte verhindert werden", schrieben die drei Direktoren der Gewerkschaft der Piloten (GPDA), Vettel, Jenson Button und Alexander Wurz. Einige Regeländerungen hätten "zerstörerischen Einfluss auf die Formel 1", hieß es weiter.

Damit war auch das neue Qualifying gemeint, das nun in Bahrain eine zweite Chance bekommt. "Danach werden wir uns in Ruhe anschauen, ob es das Richtige oder das Falsche war", sagte Ecclestone dem britischen Magazin "Autosport" nach der Entscheidung der Kommission. Im Laufe des Tages hatten sich auch Gerüchte verbreitet, es könne beim zweiten Saisonrennen eine Hybridlösung mit neuen Regeln in den ersten beiden Qualifikationsphasen und dem alten Modus in der dritten Phase geben. Das wurde anscheinend verworfen, aber nach den Erfahrungen aus Australien droht die nächste Farce.

Denn Fahrer und Teams sitzen bei der Umsetzung am längeren Hebel. Niemand kann die Piloten hindern, am Qualifikationssamstag in Bahrain ihre Rennwagen nach einer erfolgreichen Runde abzustellen und somit für eine ähnlich leere Strecke wie in Melbourne zu sorgen.

Ein solches Bild dürfte auch Ecclestone und seinen Mitstreitern nicht gefallen. Und der Machtkampf ginge in die nächste Runde.

Formel-1-Saison 2016
Die Teams und Fahrer
Mercedes
Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Ferrari
Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen
Williams
Felipe Massa und Valtteri Bottas
Red Bull
Daniel Ricciardo und Max Verstappen
Force India
Nico Hülkenberg und Sergio Pérez
Renault
Kevin Magnussen und Jolyon Palmer
Toro Rosso
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr.
Sauber
Marcus Ericsson und Felipe Nasr
McLaren Honda
Fernando Alonso und Jenson Button
Manor
Rio Haryanto und Pascal Wehrlein
Haas
Romain Grosjean und Esteban Gutierrez
Der Rennkalender
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (as-Sachir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montréal)
19. Juni: Europa (Baku)
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Großbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Mogyoród)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur (Singapur)
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Japan (Suzuka)
23. Oktober: USA (Austin)
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Interlagos)
27. November: Abu Dhabi (Yas-Insel)
Die Rekorde
Die meisten WM-Titel
Michael Schumacher (7)
Die meisten Grand-Prix-Siege
Michael Schumacher (91)
Die meisten Siege in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 13)
Die meisten Start-Ziel-Siege
Ayrton Senna (19)
Die meisten Podestplätze
Michael Schumacher (155)
Die meisten Podestplätze in einer Saison
Michael Schumacher und Sebastian Vettel (je 17)
Die meisten Pole-Positions
Michael Schumacher (68)
Die meisten Pole-Positions in einer Saison
Sebastian Vettel (15)
Die schnellsten Rennrunden
Michael Schumacher (77)
Die meisten Grand-Prix-Starts
Rubens Barrichello (323)

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dummheit
dergenervte 25.03.2016
die Formel 1 wird sich noch durch die Dummheit der Verantwortlichen selber abschaffen. Zuerst ruiniert die Gier den Zuspruch von Zuschauern, dann werden Regeln aufgestellt die Niemanden nützen. Nur weil einige unbedingt Recht haben wollen werden die Zuschauer weiter verprellt. Wenn es so weiter geht ist die Formel 1 bald Geschichte.
2. Spannung ist eh raus
markus.pfeiffer@gmx.com 25.03.2016
Die Spannung in der Formel 1 ist eh schon seit längerem raus. Jedes Bobbycarrennen in einer beliebigen Kita ist inzwischen spannender als die Formel 1; was vor allem daran liegt, dass das fahrerische Können kaum rennentscheidend ist, sondern die Technologie der Teams; und die ist einfach zu unterschiedlich. Da ändert auch ein "Schrauben" am Qualifizierungs-Modus nichts mehr. Ich schaue mir lieber Rennen an, bei denen es auf das Können der Fahrer ankommt (die am besten alle mit dem gleichen Material fahren) und nicht auf die technologische Überlegenheit und die Ingenieurskunst.
3. Wie langweilig
Casparo 25.03.2016
Ich schaue mir doch keine Rennen an, die in den Boxen entschieden werden.
4. Hybrid wäre geil
Lügenimperium 25.03.2016
Eine Hybridlösung wäre geil. Dann wüsste schlussendlich niemand mehr was die aktuellen Regeln sind weil beim 3. Rennen könnte es dann ja einen Ableger der Hybridlösung geben... Es müssten einfache und klare Regeln her, dafür nicht so viele - nicht nur bei der Quali. Es bringt nichts wenn ständig irgendetwas außerhalb der Strecke entschieden wird weil einer einen Strich überfahren oder zu laut im Auto gepupst hat. Wobei ich die alte Qualifikation schon selten dämlich fand, die bringt dem Sport nichts sondern nur dem Fluss des Geldes (mehr Werbezeit). Man sollte es wie früher machen: 1 Stunde, 12 Runden. Rest egal. Alternative wäre natürlich ein Einzelzeitfahren, allerdings gestaltet sich das bei wechselhaftem Wetter als unfair bzw. wird die Strecke ggf. einfach besser sein für die, die ganz am Ende dran sind.
5. letzte Zuckungen
manicmecanic 25.03.2016
Des Zirkus zu dem die F1 dank zuviel Macht für die großen Autokonzerne verkommen ist.Mir als altem speedaddict gibt diese Prozession welche die Rennen nennen nichts mehr.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Formel 1: Die zehn Momente der Saison 2015

Fotostrecke
Formel 1: Auf Papas Spuren
Fotostrecke
Von Hamilton bis Schumacher: Die Titelsammler der Formel 1


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: