Hamburg - Er war gerade erst über die Ziellinie gefahren, schon wollte Sebastian Vettel Gewissheit. Sofort blickte er nach rechts, hoch zur Videowand und sah die "1" vor seinem Namen: Pole-Position, auch beim Großen Preis von Abu Dhabi. Es war die 14. im 18. Saison-Rennen. Vettel hat damit den Rekord von Nigel Mansell aus dem Jahr 1992 eingestellt.
"Guten Abend, Mister Mansell", schallte es Vettel nach dem Qualifying aus dem Boxenfunk entgegen. Der Deutsche jubelte mit einem langgezogenen "Yeah". Anschließend gab er sich zurückhaltender: "Alle zerbrechen sich den Kopf darüber - außer uns", sagte er: "Wir waren einfach nur froh, die Pole geholt zu haben." Das permanente Ansprechen auf den Rekord sei ihm "auf den Wecker gegangen".
Seine Vorgesetzten hingegen sparten nicht mit Lob. "Jetzt hast du zu einem ganz Großen aufgeschlossen", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Und der Motorsportberater des Rennstalls, Helmut Marko, sprach von der "vielleicht besten Quali-Runde, die Sebastian je gefahren ist".
Vettels Freude am Fahren
Vettel sicherte sich die Pole-Position in der letzten Runde des Qualifyings. Er hätte sich auch mit Rang zwei oder drei zufriedengeben können. Doch der 24-Jährige fährt weiter so, als ob den Weltmeister-Titel noch nicht sicher hätte, als ob er sich noch beweisen müsse. Obwohl er bereits seit fünf Wochen als erneuter Champion feststeht, lässt Vettel keinerlei Motivationsprobleme erkennen. Er benötigt keine Anreize, sondern fährt, weil es ihm Spaß macht. Und die Freude kommt vor allem dann, wenn es Erfolge zu feiern gibt.
Dabei war das Wochenende zuvor nicht nach seinen Vorstellungen verlaufen. In allen drei Trainingseinheiten sowie den ersten beiden Qualifyings-Abschnitten waren die McLaren-Piloten die Bestzeiten gefahren, Vettel hatte sich am Freitag zudem einen kleinen Patzer erlaubt und war in eine Streckenbegrenzung gefahren. "Vorher war ich nicht so zufrieden. Aber du musst hier alles in eine Runde legen. Es war richtig eng, aber wir haben es dennoch geschafft."
Schon beim vergangenen Rennen in Indien hatte Vettel diese Eigenschaft gezeigt. Obwohl er bereits souverän führte, ging er in der Schlussphase noch mal hohes Risiko und sicherte sich so die schnellste Rennrunde - gegen den Willen seines Teams. "Wir wollten zwar, dass Sebastian das Auto ins Ziel trägt", hatte Horner damals gesagt, "aber so ist er halt. Er sucht ständig neue Herausforderungen - und wenn die darin besteht, sich die schnellste Rennrunde zurückzuholen."
Im Rennen am Sonntag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) winkt ihm nun der Titel-Hattrick in Abu Dhabi. Im 18. Saisonrennen könnte Vettel Schumachers Bestmarke von 17 Podiumsplatzierungen aus dem Jahr 2002 und Nick Heidfelds Marke von 18 Zielankünften in einem Jahr (2008) einstellen. Ein zehnter Sieg von der Pole-Position würde einen alleinigen Rekord darstellen.
Dann klappt es vielleicht auch mit einem Treffen mit Paul McCartney, der sich das Rennen anschaut. "Ich habe ihn leider verpasst", sagte der bekennende Beatles-Fan Vettel nach dem Qualifying. "Aber vielleicht klappt es morgen, und ich kann ein Foto mit ihm machen." Und auch der Musiker scheint nicht abgeneigt: "Ich mag ihn sehr." Allerdings hatte der 69-Jährige noch eine Bitte an Vettel: "Im Rennen soll er mal die britischen Jungs gewinnen lassen." Eine Vorgabe, an die sich Rekordjäger Vettel kaum halten wird.
leh/sid/dpa
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