SPIEGEL ONLINE: Wird in der kommenden Saison wieder ein Senna in der Formel 1 antreten?
Senna: Das ist noch nicht sicher. Es ist noch nichts unterschrieben. Aber wir arbeiten daran. Ich hab bereits mit verschiedenen Leuten gesprochen.
SPIEGEL ONLINE: Mit wem?
Senna: Lassen Sie es mich so sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich nächstes Jahr Formel 1 fahre, ist nicht gering, aber es ist noch nichts bestätigt. Es gibt ein paar Möglichkeiten und wir prüfen, welche die beste ist.
SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie können entscheiden, wohin Sie gehen?
Senna: Mmmh … - es sieht so aus.
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie denn, dass Sie schon gut genug sind für die Formel 1?
Senna: Es ist eine andere Herausforderung als die GP2, in der ich jetzt fahre, klar. Aber wenn es genug Gelegenheit zum Testen gibt für mich, sehe ich da kein Problem. Die Formel 1 ist ziemlich schwierig, und seit die Zahl der Testfahrten pro Team in diesem Jahr drastisch beschränkt wurde, ist es für junge Fahrer schwerer geworden, sich auf die Formel 1 vorzubereiten. Aber ich musste schon oft von einer Stufe zur nächsten springen, und das hat immer gut funktioniert. Es kommt nur darauf an, dorthin zu kommen und dann so effektiv wie möglich zu lernen.
SPIEGEL ONLINE: Niemand hat bislang im Rennsport so schnell so viele Stufen genommen wie Sie. Sie haben erst Ende 2004 ihr erstes offizielles Rennen bestritten, liegen jetzt mit an der Spitze der GP2 und dicht vor ihrem Formel-1-Debüt? Wie geht das? Mit Senna-Zauber?
Senna: Kein Zauber. Das war harte Arbeit. Es ging schneller, als es viele erwartet hatten, aber es war trotzdem ein schwieriger Weg.
SPIEGEL ONLINE: Auf dem Ihnen der Name Senna ein paar Türen geöffnet hat, oder?
Senna: Er hat mir natürlich geholfen, was Sponsoren und was die Aufmerksamkeit der Medien betrifft. Motorsport ist sehr teuer, man muss Geld mitbringen und in der Formel 3 etwa hätte ich ohne Sponsoren nicht weitermachen können. Der Name hat mir geholfen, die richtigen Deals zu machen. Aber die Teams verpflichten einen am Ende ja doch nur wegen der Ergebnisse. Da ist es egal, ob einer Senna oder nicht Senna heißt, wenn er kein Rennen gewinnt. In der Formel 1 wird es für mich sogar schwerer werden als für andere Fahrer, die dort einsteigen.
SPIEGEL ONLINE: Warum?
Senna: Der Name verspricht viel. Und das muss ich halten. Da ist immer der Zweifel: Ist er so gut wie sein Onkel? Die Leute wollen den Beweis, bevor sie das Risiko eingehen, mich unter Vertrag zu nehmen. Ich muss mehr zeigen als andere.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben oft betont, dass Sie sich nicht als Nachfolger Ihres Onkels sehen …
Senna: … das stimmt, auf gewisse Weise war Michael Schumacher viel mehr ein Vorbild für mich. Mit ihm konnte ich mich leichter identifizieren, weil er der Fahrer war, der die Formel 1 in den vergangenen Jahren so sehr beherrscht hat. Ayrton ist bis 1994 gefahren, das war noch eine andere Ära der Formel 1. Was Michael gezeigt hat, zum Beispiel, was die Rennstrategie betrifft, ist viel interessanter für mich heute.
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