Formel-1-Duell bei Mercedes Rosbergs letzte Hoffnung

Nico Rosberg verliert im WM-Kampf den Anschluss an seinen Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton. Der Engländer ist auf dem besten Weg, Formel-1-Weltmeister zu werden. Kaum etwas spricht noch für den Deutschen.

Von Stephan Heublein und Kerstin Hasenbichler, Austin

DPA

Es klingt wie eine Durchhalteparole. "Es gibt noch eine Menge Punkte zu holen, und es kann noch eine Menge passieren", sagte Mercedes-Pilot Nico Rosberg nach dem Großen Preis der USA, als er zum dritten Mal in Folge Zweiter hinter seinem Teamkollegen Lewis Hamilton geworden war. So hatte er sich schon in Suzuka geäußert, dann in Sotschi, nun also auch in Austin.

Falsch liegt Rosberg mit seiner Aussage nicht, theoretisch kann er noch immer Formel-1-Weltmeister werden. Aber seine Lage wird immer schlechter.

Nach dem Großen Preis von Belgien, dem ersten Rennen nach der Sommerpause, hatte Rosberg in der WM-Wertung 29 Punkte Vorsprung vor Hamilton. Seitdem gewann der Engländer fünf Rennen in Folge und liegt zwei Grand Prix vor Saisonende 24 Punkte vor Rosberg. "Das ist ein unglaublicher Lauf", sagte Hamilton nach seinem insgesamt zehnten Sieg in diesem Jahr.

Dabei hatte Rosberg dank der Poleposition die bessere Ausgangslage und führte die ersten Runden das Feld auch an. Doch im Rennen lief es dann wie zuletzt so häufig: Hamilton war schlicht schneller. "Lewis war der Bessere, weil er alles richtig gemacht hat", sagte Niki Lauda, Aufsichtsratschef von Mercedes-Motorsport.

Rosberg fährt zu wenig aggressiv

"Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe", sagte Rosberg nach dem Rennen enttäuscht. Der 29-Jährige kam mit den Streckenbedingungen zunächst nicht zurecht und fand zu spät in seinen Rhythmus. "Ich glaube, Nico hat es nach dem ersten Reifenwechsel zu vorsichtig angehen lassen", analysierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Gegen Rennende habe man gesehen, dass Rosberg wie schon im Qualifying die nötige Geschwindigkeit gehabt habe. Es drängte sich der Eindruck auf: Der Deutsche fahre zu sehr auf Nummer sicher, er müsse im Titelkampf mehr riskieren und angreifen, um noch eine Chance zu haben. Also genau so fahren, wie es Hamilton derzeit tut.

Der WM-Führende hatte schon einmal eine beeindruckende Serie in dieser Saison, als er im Frühjahr vier Rennen gewann. Dann kam das Rennen in Monaco, wo Rosberg eindrucksvoll konterte und vor Hamilton siegte. Beim anschließenden Rennen in Kanada schied der Engländer aus, Rosberg wurde Zweiter. Sollten sich diese Konstellationen in Brasilien und Abu Dhabi wiederholen, wäre Rosberg Weltmeister.

WM-Entscheidung fällt erst in Abu Dhabi

Fest steht, dass die Entscheidung erst im letzten Rennen im Emirat am Persischen Golf fallen wird. Sollte Hamilton in Brasilien gewinnen und Rosberg dort keine Punkte holen, hätte der Engländer 49 Zähler Vorsprung. In Abu Dhabi gibt es aber einmalig doppelte Punktzahl, so dass Rosberg selbst bei 49 Punkten Rückstand vor dem letzten Rennen noch den Titel holen kann.

Zudem steht jetzt fest, dass Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo auch theoretisch nicht mehr Weltmeister werden kann. Die Entscheidung fällt zwischen den beiden Mercedes-Piloten, die jetzt eigentlich völlig frei von jeder Teamorder fahren dürften. Allerdings betont Wolff: "Wir wollen, dass es ein cleaner Weltmeister wird. Wir wollen keine Senna-Prost-Situation haben. Das ist unser Anspruch." Zur Erinnerung: Senna und Prost fuhren einst gemeinsam für McLaren und so hart gegeneinander, dass sie auch einen Ausfall des Teamkollegen in Kauf nahmen. So, wie Rosberg in Spa attackierte, als er Hamilton in der zweiten Runde den Hinterreifen aufschlitzte.

Aus eigener Kraft kann Rosberg den Titel nicht mehr holen. Er muss darauf hoffen, dass sein Teamkollege Probleme bekommt und womöglich ausscheidet. "Alles ist möglich. Ich werde weiter Vollgas geben und gebe niemals auf", gibt sich Rosberg kämpferisch. Ganz unbegründet sind seine Hoffnungen nicht, immerhin war der Mercedes in dieser Saison nicht unbedingt das zuverlässigste Auto. Hamilton ist deswegen schon dreimal ausgefallen, Rosberg nur zweimal.

Hamilton macht sich allerdings keine Sorgen, dass er den Titel noch wegen eines Defekts verlieren könnte. "Das Team hat sehr hart gearbeitet, um die Probleme im Verlauf des Jahres zu beseitigen", sagte der mit 32 Grand-Prix-Siegen nun erfolgreichste britische Fahrer der Formel-1-Geschichte. Er löste damit Nigel Mansell ab.

Sollte Hamilton seinen Vorsprung nicht mehr hergeben, hat Rosberg vorgebaut in Austin. Die Angst, vielleicht die einzige Gelegenheit, jemals Weltmeister zu werden, zu verspielen, sitze ihm nicht im Nacken. "Überhaupt nicht", betonte Rosberg: "Ich weiß, dass ich mit diesem Team auf viele Jahre Erfolg haben kann. Ich sehe diese Saison nicht als meine einzige Chance an."

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
harald_maier 03.11.2014
1.
Rosberg ist eben kein Weltmeister-Fahrer. Er ist ein guter "menschlicher Tempomat" - eine "Qualität", die man in der aktuellen Formel 1 mehr braucht, als Racerblut. Weswegen sich Rosberg auch gegen Schumacher im selben Team behaupten konnte. Aber Hamilton hat dazugelernt, und ist dennoch der aggressivere Fahrer geblieben. Und das zahlt sich jetzt aus. Lassen wir doch die Zahlen sprechen: Rosberg lag in der ersten Saisonhälfte vorn, weil er von zwei Ausfällen Hamiltons profitierte, selber jedoch noch nie ausgefallen war. Inzwischen hat Hamiton DREI Ausfälle, Rosberg ZWEI auf dem Konto. Und wer führt?
vorstadtcowboy 03.11.2014
2. Kann man nur hoffen ...
... dass Rosberg im nächsten Rennen ausfällt und mit 49 Punkten Rückstand ins letzte Rennen geht. Dort fällt dann Hamilton aus und Rosberg wird Weltmeister. Dann merkt man vielleicht mal endlich was für ein doofer Zirkus die F1 ist und was für ein Bullshit diese doppelte Punkte Regel ist. Auf die langen Gesichter freu ich mich schon.
kross62 03.11.2014
3. 2010
Abgerechnet wird erst zum Schluss. Rosberg soll sich an 2010 erinnern und genau das machen, was Vettel damals gemacht hat. In Brasilien gewinnen, obwohl es strategisch Blödsinn war, weil vor Brasilien nur noch Alonso und der Teamkollege Webber aus eigener Kraft Weltmeister werden konnten. Wir erinnern uns, Vettel gewann Brasilien und Abu Dhabi und wurde Weltmeister.
rwj 03.11.2014
4. Tja
Rechenspielchen hin oder her, es ist deutlich, daß Hamilton ein Quentchen schneller ist ....
kross62 03.11.2014
5.
Zitat von harald_maierRosberg ist eben kein Weltmeister-Fahrer. Er ist ein guter "menschlicher Tempomat" - eine "Qualität", die man in der aktuellen Formel 1 mehr braucht, als Racerblut. Weswegen sich Rosberg auch gegen Schumacher im selben Team behaupten konnte. Aber Hamilton hat dazugelernt, und ist dennoch der aggressivere Fahrer geblieben. Und das zahlt sich jetzt aus. Lassen wir doch die Zahlen sprechen: Rosberg lag in der ersten Saisonhälfte vorn, weil er von zwei Ausfällen Hamiltons profitierte, selber jedoch noch nie ausgefallen war. Inzwischen hat Hamiton DREI Ausfälle, Rosberg ZWEI auf dem Konto. Und wer führt?
Genau, Rosberg kann nach wie vor die Reifen besser schonen. In Sotschi mit den ewig haltbaren Gummis hat ihm das nichts genutzt. Aber auf der reifenmordenden Strecke in Austin hätte es sich auszahlen können. Er hätte allerdings Hamilton schon so lange nerven müssen, bis der die Kontrolle verliert und mit aggressivem Fahrstil seine Reifen kaputt gefahren hätte. Aber seit Belgien darf er das ja leider nicht mehr.
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