Vettel und Ferrari Gut gelaunt in die Spur

Sebastian Vettel und Ferrari: Diese Verbindung soll beiden wieder Siege und WM-Titel bringen. Das Auto ist besser als erwartet, die Stimmung im Team sehr gut. Sogar Kimi Räikkönen lacht plötzlich.

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Von Karin Sturm


"Zwei Siege": Das war die Antwort von Maurizio Arrivabene auf die Frage, was das Ziel von Ferrari in der kommenden Formel-1-Saison sei. Der neue Teamchef der Scuderia gab zwar zu, dass dies ein sehr ambitioniertes Ziel sei. "Aber nicht unmöglich."

Schaut man sich die Ergebnisse von Ferrari aus der vergangenen Saison an, sind das große Worte von Arrivabene. Schließlich gewannen die Italiener 2014 kein einziges der 19 Rennen und erreichten nur zweimal überhaupt das Podest. Doch nach den Testfahrten im Januar und Februar bezeichnete Mercedes-Teamchef Toto Wolff Ferrari und Williams als die härtesten Konkurrenten, noch vor Red Bull.

Ein entscheidender Faktor bei der Scuderia ist der neue Pilot Sebastian Vettel, der das Team nach eigener Aussage "gerne als zweite Kraft hinter Mercedes etablieren" möchte. So gut gelaunt und begeistert wie zuletzt hat man den vierfachen Weltmeister schon lange nicht mehr gesehen. Er fühle sich schon voll integriert und "gehört bereits zu 120 Prozent zur Familie", sagte der Teamchef.

Arrivabene ist nicht nur von Vettel als Mensch begeistert, etwa weil dieser bei seinem Antrittsbesuch in Maranello in jeder Abteilung vorbeischaute und allen Mitarbeitern die Hand schüttelte. "Wenn ich sehe, wie Sebastian arbeitet, dann wundert es mich nicht, dass er viermal Weltmeister geworden ist", sagt der Italiener: "Sebastian macht sich über jedes Detail akribisch Notizen, arbeitet sehr analytisch. In dieser Art erinnert er mich an einen anderen Deutschen bei Ferrari."

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Damit ist der Brückenschlag zu Michael Schumacher hergestellt, der 1996 zu Ferrari kam und ebenfalls erst einmal Aufbauarbeit beim damals nicht gerade erfolgreichen Rennstall leisten musste. Im fünften Jahr holte er dann erstmals den WM-Titel, vier weitere folgten. Ein bisschen schneller soll es für Vettel schon gehen, aber im Moment denkt man in Maranello erst einmal Schritt für Schritt, an die tägliche Arbeit, daran, das eigene Programm konzentriert durchzuziehen.

Eines hat Arrivabene ganz klar vorgegeben: Der 57-Jährige möchte auf keinen Fall mehr interne Schuldzuweisungen hören, sollte es einmal nicht so gut laufen: "Dieses Hin- und Herschieben von Verantwortung - 'Die Motorenleute sind schuld, die Chassisleute sind schuld, die Elektronikleute sind schuld' - darf es nicht mehr geben. Wir sind ein Team, wir müssen alle an einem Strang ziehen."

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Ein Schachzug des neuen Chefs ist es, den südafrikanischen Designer Rory Byrne, der zu Beginn der Schumacher-Zeit zusammen mit Ross Brawn zu Ferrrai kam, wieder stärker ins Tagesgeschäft einzubinden. Byrne war stets der öffentlich unterschätzte Teil des Duos, stand oft im Schatten des großen Strategen Brawn - dabei war er es, der die Autos entwarf und so schnell machte, dass viele Strategiespiele überhaupt erst möglich wurden.

Jetzt fungiert Byrne offiziell als Mentor von Simone Resta, der unter Technikchef James Allison die Gesamtverantwortung für das Auto trägt. Und der Südafrikaner geht offenbar voll in seiner Aufgabe auf: "Ich traf Rory kürzlich abends in einem Restaurant", erzählt Arrivabene. "Dabei ist mir aufgefallen, dass er furchtbar schnell gegessen hat. Ich habe ihn gefragt, warum er es so eilig habe. Er hat gesagt, weil er gleich zu einem Meeting mit Simone müsse."

All die kleinen und großen Maßnahmen haben dazu geführt, dass sich bei Ferrari technisch schon mehr getan hat, als viele Experten das in der Kürze der Zeit erwartet hatten. Über den Winter wurden Veränderungen am Auto und am Motor vorgenommen, Vettel und sein Teamkollege Kimi Räikkönen sind mit dem neuen Modell sehr zufrieden, Zuverlässigkeit und Speed stimmen.

Dazu kommt die gute Stimmung innerhalb des Teams. "Die Leute wirken wie befreit, seit wir ihnen eine neue Verantwortung gegeben haben", sagt Arrivabene. Sogar der introvertierte und maulfaule Räikkönen lässt sich offenbar von der neuen Ferrari-Laune anstecken. Der Finne lacht und redet so viel, dass Arrivabene ihn fragte: "Was ist los mit dir, bist du krank?"

Aber vielleicht ist Räikkönens gute Laune ja auch nur der eindeutige Hinweis darauf, dass es in dieser Saison bei Ferrari nach Jahren des Ärgers und Misserfolgs endlich mal wieder etwas zum Lachen und Feiern gibt.

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insgesamt 13 Beiträge
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Nabob 10.03.2015
1. Der größte Gegner sitzt im anderen Ferrari.
Wenn der diesjährige Ferrari Kimi passt, dann hat Vettel nichts zu lachen; dessen Talent hat er eh nicht und durchbeißen kennt Vettel nicht. Und wenn er es versuchte, landete er hinten. Freut euch nicht zu früh. Wenn Kimi erst einmal Blut gesaugt hat, ist so leicht niemand schneller und das ist auch gut so, weil Vettel hierzulande blind hochgelobt wird für das Werk eines Designers. Richtig geleistet aus eigener Kraft hat er noch nichts.
cinkor 10.03.2015
2. Das sehe ich auch so.
Kimi ist ein Ausnahmefahrer und ein cooler Type. Wer sonst würde bei einem heissen Renntag den Streckenposten Eis spendieren.
artikel20absatz4gg 10.03.2015
3. Vettel nichts geleistet?
Nun, wer in einem Toro Rosso einen GP gewinnt, dem kann man nicht fehlende Eigen-Leistung attestieren.
Boesor 10.03.2015
4.
Moment, ist Kimi nicht dieser Typ der laut einhelliger Forenmeinung schon letztes Jahr einem gewissen Alonso um die Ohren fahren sollte? Warten wir mal ab wie es gegen Vettel läuft.
vitalik 10.03.2015
5.
Das Voting am Ende des Artikels. Sollte das nicht eher lauten: Welches Auto gewinnt die nächste Saison? Ich möchte den Fahrern ihr Können nicht absprechen, aber realistisch betrachtet, gewinn wieder das beste Auto.
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