Vettel-Sieg in Brasilien Für die Moral

Sebastian Vettel denkt nach seinem Sieg nur ans nächste Jahr. Lewis Hamilton wird Vierter - und ist trotzdem der Fahrer des Rennens. Und Felipe Massa verabschiedet sich zum zweiten Mal von seinem Publikum.

Brasilien-Gewinner Sebastian Vettel
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Brasilien-Gewinner Sebastian Vettel

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Duell an der Box: Zwischen Sebastian Vettel und Valtteri Bottas geht es um die Vize-Weltmeisterschaft, was in der Formel 1 völlig wertlos ist. Trotzdem gingen die beiden mit voller Motivation ins Rennen, wie sich schon am Start zeigte. Vettel ging vor Qualifying-Sieger Bottas in die erste Kurve und führte das Feld bis zur 29. Runde an. Der Finne fuhr an die Box und wollte ihn mit einem sogenannten Undercut überrumpeln, doch Vettel reagierte sofort und rettete nach dem Reifenwechsel seinen knappen Vorsprung.

Das Ergebnis: Vettel gewann zum fünften Mal in dieser Saison und ist bei nun 22 Punkten Vorsprung auf Bottas nur noch von Rang zwei zu verdrängen, wenn er beim letzten Rennen in Abu Dhabi ausfällt und Bottas gewinnt. Ebenfalls auf dem Podium: der zweite Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen, vor Weltmeister Lewis Hamilton.

Moral für Maranello: Vettel wirkte nach dem Rennen sichtlich erleichtert. Nicht wegen des nahenden Vize-Titels, sondern mit Blick auf die kommende Saison: "Es war hart in den letzten Wochen, das tut dem Team hier und in Maranello gut." Vettel weiß: 2018 droht mit Mercedes und Red Bull ein Dreikampf an der Spitze, und da hilft nur ein motiviertes Team, das den Winter über alles für den ersten WM-Gewinn seit 2007 tut.

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Vettel-Erfolg in São Paulo: Sieg dank Turbo-Start

Erste Runde: Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer hatte das richtige Gefühl, im Sky-Interview mutmaßte er über einen frühen Einsatz. Tatsächlich dauerte es nur wenige Sekunden, ehe er von Renndirektor Charlie Whiting auf die Strecke gerufen wurde. Zunächst gerieten Stoffel Vandoorne (McLaren), Kevin Magnussen (Haas) und Daniel Ricciardo aneinander - nur der Red-Bull-Pilot konnte nach einem Boxenstopp weiterfahren. Wenig später flog Romain Grosjean ins Auto von Esteban Ocon, mit Folgen für beide. Ocon konnte nicht weiterfahren, Grosjean kassierte eine Zehn-Sekunden-Strafe.

Wenn ein Weltmeister durch das Feld pflügt: In der Geschichte der Formel 1 schafften es mit Jarno Trulli 2009 und Vettel 2012 erst zwei Piloten auf das Podium, die zuvor aus der Boxengasse gestartet waren. Weltmeister Lewis Hamilton hätte sich da fast eingereiht. Der Brite war im Qualifying verunfallt und entschied sich für einen Start aus der Box. Schon nach 21 Runden war der mit Abstand beste Pilot dieser Saison auf Platz fünf vorgefahren. Nach Vettels Boxenstopp führte Hamilton das Rennen sogar für 15 Runden an, doch dann musste auch er an die Box und fiel wieder zurück. Am Ende bauten seine Reifen zu stark ab, um den Drittplatzierten Räikkönen noch zu gefährden.

Familienplanung à la Verstappen: Obwohl Max Verstappen im vergangenen Jahr in Barcelona seinen ersten Sieg für Red Bull gefeiert hatte, gilt das Rennen 2016 in Brasilien als endgültiger Beweis, dass der Niederländer der kommende Star in der Formel 1 sein wird. Im strömenden Regen fuhr Verstappen wie auf Schienen und wurde trotz fünf Boxenstopps am Ende Dritter. Für seinen Vater Jos Verstappen war das nur ein Randereignis, er ist seitdem mit Amanda Sodré Floripa zusammen - die war das Grid Girl seines Sohns in Sao Paulo.

Adeus: Auch Felipe Massa hatte im vergangenen Jahr einen großen Auftritt, es sollte eigentlich sein letzter sein. Unter Tränen verabschiedete sich der Brasilianer von seinem Publikum, zuvor hatte er in einem SPIEGEL-Gastbeitrag über seine Karriere geschrieben. Doch es kam anders: Sein Williams-Rennstall kam durch den überraschenden Abgang von Bottas zu Mercedes in die Bredouille und holte Massa einfach zurück. Nun also wirklich sein letztes Rennen in Interlagos, auf Platz sieben war Massa sogar der beste Fahrer außerhalb der Top-Teams.

Diesmal aber wirklich: Felipe Massa, mit Sohn Felipinho, verabschiedet sich
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Diesmal aber wirklich: Felipe Massa, mit Sohn Felipinho, verabschiedet sich

Kritik an Liberty wächst: Seit Tagen wird darüber diskutiert, wie genau die neuen Formel-1-Besitzer von Liberty Media die Budgets der Teams reglementieren wollen, um die Chancengleichheit zu erhöhen. Für Urgestein Niki Lauda ein Schmarrn: "Was sie über die Zukunft denken, bereitet mir Sorgen", sagte der Österreicher der "Gazzetta dello Sport". "Es ist Quatsch zu denken, dass verschiedene Sieger in jedem Rennen mehr Attraktivität bringen." Parallel wurde bekannt, dass der Formel 1 2017 massive Verluste drohen. Wer einen Zusammenhang vermutet, liegt sicher völlig falsch.

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insgesamt 2 Beiträge
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geradsteller 13.11.2017
1. Der beste Fahrer der Saison..?
Ist also Hamilton? Lach, okay.... Ein Start in Singapur und technische Probleme der Italiener machen also einen besten Fahrer, alles klar, nicht mein Sport Und eine völlig wertlose Aussage, so lange in dieser Szene nicht die Autos rotiert werden
Augustusrex 13.11.2017
2. Gewinner und Loser
Gewinner ist Hamilton, weil der von 20 auf 4 gefahren ist. Gewinner ist Vettel, weil der den Sieg eingefahren hat, Loser ist für mich der Kommentator von RTL, der während des Starts, als Vettel auf 1 fuhr, mit sich überschlagender Stimme so rumkrakeelte, als würde Vettel gerade den Weltmeistertitel holen.
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