Vettels Vertragsverlängerung "Die Mission ist noch nicht erfüllt"

Sebastian Vettel ist vierfacher Formel-1-Weltmeister. Aber eben nur mit Red Bull, ein Titel mit Ferrari hätte eine ganz andere Bedeutung. Deshalb bindet sich der Deutsche langfristig - er will Teil eines Mythos werden.

Sebastian Vettel
Getty Images

Sebastian Vettel

Aus Spa-Francorchamps berichtet


Eigentlich ist Sebastian Vettel ein Freund klarer Ansagen. Dabei schießt er schonmal über das Ziel hinaus, aber er vertritt ehrlich seine Meinung. In Spa war das anders. Am Tag vor dem ersten Training zum Großen Preis von Belgien (Sonntag, 14 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) hatte er eine rasche Vertragsverlängerung bei Ferrari ausgeschlossen: "Ich erwarte keine Neuigkeiten in den kommenden zwei Wochen."

Zwei Tage später war das nur noch Geschwätz von vorgestern. Der Rennstall verkündete per Pressemitteilung eine Einigung über die kommenden drei Jahre - und Vettel wird das natürlich gewusst haben. "Es ist großartig, für Ferrari zu fahren", sagte er nach seinem zweiten Platz im Qualifying.

Die Verlängerung selbst ist keine Überraschung, eher schon die Länge des Vertrags. Insider hatten spekuliert, ob Vettel seine Stellung als große WM-Hoffnung der Italiener wie ein Pokerblatt ausspielt und auf einen Einjahresvertrag pocht. Denn 2018 läuft der Vertrag von Lewis Hamilton bei Mercedes aus und auch bei Red Bull dürfte im kommenden Jahr Bewegung in die Fahrerkonstellation kommen.

Vettel hätte dann viele Optionen haben können, um das Cockpit auszuwählen, das ihm am ehesten Erfolg verspricht. Doch er hat sich anders entschieden. Für Ferrari. Für den Mythos. Für die Chance, zur Legende im roten Rennwagen aufzusteigen. Mit diesen Gedanken war er 2015 bei der Scuderia angetreten, doch erst in dieser Saison hat Vettel reelle Sieg- und WM-Chancen. "Die Mission ist noch nicht erfüllt", erklärte Vettel.

Die Rolle von Michael Schumacher

Seit der Nebelkerze vom Donnerstag hatte sich im Fahrerlager einiges bewegt. Plötzlich tauchten wichtige Herren in Anzügen auf, die Anwälte hatten den Vertragsentwurf dabei. Vettel wurde dabei beobachtet, wie er Akten studierte - und so ging es dann eben doch ganz schnell.

Möglicherweise ahnte Vettel aber auch, dass an diesem Tag mit Michael Schumacher eine der größten Ferrari-Legenden ein Thema sein würde und der Rahmen somit perfekt gewählt war. Vettels WM-Rivale Lewis Hamilton hatte im Qualifying seine 68. Poleposition geholt und war damit in der Pole-Rekordliste mit Schumacher gleichgezogen.

Fragen nach dem seit einem Skiunfall im Jahr 2013 aus der Öffentlichkeit verschwundenen Schumacher drängten sich förmlich auf. "Michael hat die meisten Siege in Rot gefeiert", sagte Vettel. "Das ist immer noch eine Inspiration. Er war in meiner Kindheit mein großer Held." Und Ferrari sei wie sein Idol eine Legende, die weiterlebt: "Ferrari ist einzigartig." Vettel will mit aller Macht Weltmeister in Rot werden.

2019 kommt Bewegung in den Fahrermarkt

Vettel wollte der Möglichkeit, das Team noch mal zu wechseln, deshalb auch keine allzu große Bedeutung beimessen. Mercedes war interessiert, es soll auch Gespräche gegeben haben. An die Seite von Hamilton zu wechseln, war aber nie eine Option.

Indirekt hat Vettel mit seiner Entscheidung dem ohnehin komplexen Fahrermarkt noch mehr Variationsmöglichkeiten genommen. Schließt man Red Bull in diese Rechnung mit ein, sind fünf von sechs Cockpits in den Top-Teams für 2018 vergeben. Vakant ist nur noch der Platz neben Hamilton bei Mercedes, aber es ist nur eine Frage der Zeit, ehe Valtteri Bottas seinen Vertrag verlängert - vermutlich für ein Jahr.

Im Jahr darauf könnten dann bis auf Vettel alle Top-Fahrer wechseln. Allerdings ist der 30-Jährige dafür bekannt, keinen gleichwertigen Piloten neben sich zu dulden, Hamilton und Max Verstappen werden deshalb 2019 nicht zu Ferrari wechseln können. Die beiden zusammen bei Mercedes wäre für die Formel 1 wohl die spektakulärste Variante.

Vettel wird es egal sein. Er will den Legendenstatus in Rot.



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.