Hamburg - Ferrari ist in der Teamorder-Affäre von Hockenheim glimpflich davongekommen. Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbands Fia bestätigte am Mittwoch in Paris lediglich das bereits von den Rennkommissaren verhängte Bußgeld von 100.000 Dollar gegen den italienischen Formel-1-Rennstall. Die Punkte in der WM-Wertung für den Doppelerfolg beim Großen Preis von Deutschland darf das Team nach Angaben des italienischen Fia-Delegierten behalten.
Ferrari-Pilot Felipe Massa hatte bei dem Rennen seinen Teamkollegen Fernando Alonso angeblich auf Anweisung überholen lassen und ihm damit den Sieg geschenkt. Eine derartige Teamorder ist seit 2002 verboten. Gemäß dem Fia-Regelwerk wären weitere Strafen von Punktabzug über eine Sperre bis hin zum WM-Ausschluss möglich gewesen.
Das Verbot steht nach der Entscheidung von Paris jedoch auf der Kippe. Der Weltrat habe vorgeschlagen, den Bann der Teamorder aufzuheben, sagte der Chef des italienischen Motorsport-Verbands, Sticchi Damiani.
Ferrari hat stets jede Teamorder bestritten
In Runde 48 des Rennens auf dem Hockenheimring hatte Massas Renn-Ingenieur Rob Smedley folgendes an seinen Piloten gefunkt: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du das verstanden hast?" Eine Runde später bremste der Brasilianer seinen Ferrari deutlich ab, Alonso zog auf der Geraden vorbei und übernahm die Führung. Einen weiteren Umlauf später folgte die Entschuldigung Semdleys: "Guter Junge. Mach jetzt einfach weiter. Tut mir leid", funkte er an Massa.
Ferrari hatte stets abgestritten, Massa eine konkrete Anweisung im Sinne einer Teamorder erteilt zu haben. Die Rennkommissare in Hockenheim hatten dies nach dem Grand Prix am 25. Juli anders beurteilt. Sie verhängten das höchstmögliche Bußgeld von 100.000 Dollar (77.500 Euro) gegen das Team und überwiesen den Fall an den Weltrat.
Vorläufiger Kalender 2011 mit Rekordzahl von 20 Rennen
Zudem entschied die Fia am Mittwoch, den Startplatz für ein 13. Team auch in der kommenden Saison unbesetzt zu lassen. Der Motorsport-Weltrat erteilte allen verbliebenen Bewerbern eine Absage. Aus dem Rennen ist damit auch der ehemalige Weltmeister Jacques Villeneuve mit seinem Projekt. "Keiner der Kandidaten erfüllt die Anforderungen für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft", teilte die Fia mit. Angeblich waren auch das spanische Team Epsilon Euskadi und Stefan GP des serbischen Geschäftsmanns Zoran Stefanovic an einem Start in der Königsklasse interessiert.
Die Fia präsentierte außerdem den vorläufigen Kalender für die Saison 2011 (siehe Übersicht links). Insgesamt sollen 20 Rennen stattfinden, niemals zuvor gab es so viele in einer Saison. Der Große Preis von Deutschland ist für den 24. Juli als elfter Saisonlauf angesetzt, gefahren wird auf dem Nürburgring. Indien gibt am 30. Oktober seine Premiere. Den Auftakt macht erneut Bahrain, das Finale steigt in Brasilien. Im August gibt es erneut eine vierwöchige Sommerpause.
fsc/dpa
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