Weltmeister Vettel Ein Champion auf Bewährung

Im letzten Rennen der Saison holte sich Sebastian Vettel den WM-Titel. Er fuhr kühn, raste der Konkurrenz aber auch durch die überlegene Technik seines Autos davon. Das werden sich Alonso, Schumacher und Co. nicht länger bieten lassen. Ab sofort ist der neue Champion der Gejagte der Formel 1.

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Am Ende jubelte in der Wüste der, der es auch verdient hatte. So knapp der Ausgang dieses Titelrennens auch war, so logisch war er auch. Sebastian Vettel hatte über die gesamte Formel-1-Saison für die großen Aufreger gesorgt. Mit seiner wilden Fahrweise, mit seiner Ungeduld, mit seinem Pech, das ihn mehrfach einholte, letztlich aber vor allem mit der Überlegenheit seines Autos. Möglicherweise hat diesen Titel nicht der begabteste Fahrer im Feld gewonnen, aber auf jeden Fall der Pilot, der am meisten in diesen Titel investiert hat.

Vettel hatte in diesem Jahr einen ganz großen Vorteil: Der Rennwagen von Red Bull war das mit Abstand beste Fahrzeug, technisch den anderen voraus, vor allem auf den kurvenreichen Kursen kaum zu schlagen. Diesen Vorsprung, den Red Bull in die Saison eingebracht hatte, haben die anderen Rennställe bis zum Schluss nicht aufholen können.

Ferrari und Co. haben allerdings jetzt ein paar Monate, dies nachzuholen. Sie werden die Zeit nutzen.

Die Konkurrenz wird nachlegen

Niemand kann sich wirklich vorstellen, dass der Rennstall des österreichischen Geldgebers Dietrich Mateschitz diese Überlegenheit auch in das nächste Formel-1-Jahr hinüberretten kann. Zu sehr hat es die Traditionsrennställe mit Ferrari an der Spitze gewurmt, dass der Aufsteiger mit Sitz im englischen Milton Keynes an ihnen scheinbar mühelos vorbeigezogen ist.

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F1-Weltmeister: Vettels Tränen des Triumphs
Vor allem für Mercedes muss diese Saison im Herzen wehgetan haben. Man glaubte, mit dem Rückkehrer Michael Schumacher der Formel 1 den alten und neuen Heilsbringer zuzuführen. Am Ende war Schumacher nur ein besserer Beifahrer, gedemütigt von der eigenen Technik und von den jungen Wilden der Konkurrenz. Dass der siebenfache Champion beim Schlussrennen nach einem peinlichen Fahrfehler in der ersten Runde ausschied, hätte man nicht besser als Symbolbild für eine verlorene Saison von Mercedes inszenieren können.

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F1-Saison 2010: Stallorder, Crashs und streitende Bullen
"Wir werden angreifen", hat Mercedes-Sportchef Norbert Haug direkt nach dem Abu-Dhabi-Grand-Prix fürs kommende Jahr angekündigt. Und man wird in Stuttgart alles tun, damit dies nicht eine leere Ankündigung bleibt. Schumacher wird sich nicht noch einmal so vorführen lassen wie in diesem Jahr. Das ist er seinem eigenen Ruf dringend schuldig.

Vettel hat das Momentum genutzt

Aber nicht nur der deutsche Rennstall wird nachrüsten, auch die anderen Geschlagenen im Feld, zu denen vor allem auch McLaren mit den beiden Ex-Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button zählt, werden es nicht mehr zulassen, so von Red Bull düpiert zu werden wie in diesem Jahr. Hamilton hatte zwar ebenfalls bis zum letzten Rennen die theoretische Chance auf den Titel. Dennoch gehört auch McLaren zu den Verlierern des Jahres. In der Formel 1 zählt noch mehr als anderswo nur der Sieg.

Vettel hat dagegen in diesem Jahr das Momentum ergriffen. Doch noch - nach all den Fehlern und den Unzulänglichkeiten, die er besonders zur Saisonmitte gemacht hat. Für seinen Teamkollegen Mark Webber, der eine Zeitlang in diesem Jahr wie der nervenstärkere und solidere Siegfahrer wirkte, scheint mit seinen 34 Jahren die letzte Gelegenheit zum Titelgewinn jedoch verstrichen zu sein. Das finale Rennen hat den Unterschied zwischen Vettel und Webber aufgezeigt. Als es drauf ankam, fuhr der Australier ängstlich, gehemmt, blockiert. So kann man nicht Weltmeister werden.

Im kommenden Jahr werden mit Hamilton, Alonso, Schumacher, Button und Vettel also fünf Weltmeister im Fahrerfeld stehen. Der Herzenswunsch des Formel-1-Paten Bernie Ecclestone ist damit in Erfüllung gegangen, der bereits im Vorfeld des Rennens ungeniert Partei für die bisher noch titellosen Red-Bull-Piloten ergriffen hatte, weil sich fünf Champions künftig noch ein kleines Stück besser vermarkten lassen als vier. Ecclestone weiß natürlich genau, welches Pfund er mit einem Weltmeister Vettel in den Händen hält. Ein junger Draufgänger als Champion - das ist der perfekte Werbeträger für die Sportart.

Vettel ist ein außergewöhnlicher Fahrer, das steht außer Frage. Ein Racer, wie er der Szene guttut. Ob er wirklich der beste Fahrer ist, das wird erst die kommende Formel-1-Saison zeigen. Weltmeister ist Vettel jetzt. Ob er auch ein Champion ist, muss er in Zukunft beweisen.

Forum - Diskutieren Sie über Sebastian Vettels Titel-Triumph
insgesamt 714 Beiträge
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Seite 1
Chefdenker71 14.11.2010
1. es kann nur einen Sieger geben
Zitat von sysopÜberlegener Sieger in Abu Dhabi, jüngster Formel-1-Weltmeister der Renngeschichte: Sebastian Vettel genießt seinen WM-Triumph. Diskutieren Sie über das Herzschlagfinale auf dem Wüstenkurs.
Nicht unbedingt mein Wunschkandidat, aber verdient gewonnen - Glückwunsch!
ohmscher 14.11.2010
2. Hu
Zitat von sysopÜberlegener Sieger in Abu Dhabi, jüngster Formel-1-Weltmeister der Renngeschichte: Sebastian Vettel genießt seinen WM-Triumph. Diskutieren Sie über das Herzschlagfinale auf dem Wüstenkurs.
Durch einen genau zur richtigen Zeit eingelegten Boxenstopp wurde Sebastian Vettel zum jüngsten Formel-1-Weltmeister.
gnoib 14.11.2010
3.
das Ferrari sich mit der Tiktak verpeilt ist schon ein gerechter ausgleich fuer die Manipulation.
archelys, 14.11.2010
4. Kleingeist
Zitat von sysopÜberlegener Sieger in Abu Dhabi, jüngster Formel-1-Weltmeister der Renngeschichte: Sebastian Vettel genießt seinen WM-Triumph. Diskutieren Sie über das Herzschlagfinale auf dem Wüstenkurs.
Zit. aus SPIEGEL-Fotostrecke: "Hier hält ein Fan eine Mütze hoch. Beim Public Viewing..." Stößt es eigentlich den Berichterstattern gar nicht sauer auf, wenn sie 'Public Viewing' schreiben müssen?
seppiverseckelt 14.11.2010
5. Nochmalig : Gerecht !!!!!
Kein anderer Titelaspirant hatte mit sovielen unverschuldeten Malaisen und Ausfällen zu kämpfen -alleine schon der ausfall im drittletzten rennen- in führung liegend- 25 Punkte weg - dasselbe schon bei den beiden ersten Saisonrennen-jeweils in Führung liegend- zusammen wären allein d a s 75 Punkte Vorsprung vor dem letzten Rennen- er h ä t t e längst schon Weltmeister dieser Saison sein MÜSSEN- DESHALB kann Ihm NIEMAND den Respekt und die Anerkennung verweigern- d e r Ausgang dieser Saison ist am Ende alleine GERECHT !!!!!
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