Frankreichs Auftaktsieg gegen Nigeria: Ein Sonnenschein auf Zidanes Spuren

Von , Sinsheim

Frankreich hat das Eröffnungsspiel gegen Nigeria gewonnen. Der französische Trainer freute sich besonders über die fantastische Leistung einer Frau aus Lyon, deren Spielweise an Zinedine Zidane erinnert. Die Rolle als Geheimfavorit wollten die Franzosen trotzdem nicht annehmen.

Frauen-WM: Nigeria mit Problemen, Frankreich stark Fotos
Bongarts/Getty Images

In Sinsheim lässt sich die Fußball-Prominenz selten blicken. Das kennt man von den Heimspielen von 1899 Hoffenheim. Während die Hochkaräter des internationalen Fußballs am Sonntagnachmittag auf dem Weg zum DFB-Auftakt Berliner Olympiastadion waren, wurde im badischen Sinsheim das eigentliche Eröffnungsspiel der Frauen-WM angepfiffen, worauf Frankreichs Coach Bruno Bini und Sinsheims Bürgermeister Rolf Geinert unisono hingewiesen hatten. Immerhin gab es auch eine kleine Eröffnungszeremonie, die nahtlos in eine Lao-Ola auf den Rängen überging.

Immer wieder kam es auch in den 90 Minuten, in denen Frankreich das Team aus Nigeria knapp 1:0 bezwang, zu spontanen Sympathiebezeugungen, die nicht einer der beiden Mannschaften, sondern dem Gesamtereignis galten. Diese brandeten, als der Stadionsprecher die Zuschauerzahl bekannt gab: 25.475.

Überhaupt hatte der Applaus, der nach gelungenen Aktionen von einer der 22 Spielerinnen von den Rängen kam, etwas Ansteckendes, das Raunen, das einsetzte, wenn einmal ein Ball versprang, nichts Höhnisches. Sympathien für eine der beiden Mannschaften waren Nebensache, die Freude am Sport überlagerte alles. Der Nachmittag in Sinsheim hatte insofern eine Leichtigkeit, die dem Männerfußball wohl auch dann abgehen würde, wenn er sie sich explizit vornehmen würde.

"Meine Spielerinnen waren völlig baff"

Auch die Spielerinnen waren offenbar schwer beeindruckt von den äußeren Bedingungen, wie Frankreichs sympathischer Coach Bini im kleinen Kreis ausführte: "Als wir mit dem Mannschaftsbus vorgefahren sind, wurde der schon von 250 Leuten erwartet. Da waren meine Spielerinnen völlig baff, so etwas kennen die nicht ansatzweise." Trotz der ungewohnten Rahmenbedingungen - in Frankreich wurde das Spiel nur von einem kleinen Sender live übertragen - zeigten die Französinnen keine Nervosität und verdienten sich den Sieg als das taktisch und spielerisch bessere Team redlich. Marie-Laure Delie schloss eine schöne Kombination ab (56.).

Die mit Abstand beste Spielerin auf dem Platz war jedoch nicht die Torschützin, sondern Louisa Necib vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon. Die Mittelfeldakteurin verzückte die Zuschauer durch ihre Ballbehandlung, ihre Übersicht und ihre Spielintelligenz.

Selbst Coach Bini, der die Frage ins Lächerliche zog, ob sein Team einen angeblichen Status als Geheimfavorit gerechtfertigt habe ("Wer hat das denn gesagt?"), geriet ins Schwärmen: "In Frankreich sagt man, dass man ins Lehrbuch schauen muss, um gut Fußball zu spielen. Aber Louisa macht Dinge, die dort nicht stehen."

Respekt vor Deutschland

Dann folgte ein Ausflug ins Lyrische: "Wenn sie am Ball ist, geht die Sonne auf. Vor allem jemanden wie mich, der immer friert, wärmt es, wie sie spielt." Der Gepriesenen selbst war all das Lob hingegen ein wenig unangenehm. Als auch noch die beiden Worte "Zinedine" und "Zidane" fielen, sah sie sich zum Einschreiten genötigt: "Er war nicht nur meines, sondern das Vorbild von ganz Frankreich. Und meine Stärken, zum Beispiel die Technik, ist die Stärke der ganzen Mannschaft."

Am Donnerstag trifft Frankreich nun in Bochum auf Kanada, Nigeria spielt am Abend gegen Deutschland (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und obwohl die Westafrikanerinnen nach Ansicht von Frankreichs Innenverteidigerin Laura Georges "taktisch besser und schneller" gewesen waren, als man sich das nach dem Videostudium vorgestellt hatte, sind die Defizite der Mannschaft doch augenfällig.

Thomas Obliers, der deutsche Berater des Afrikameisters, lobte den kämpferischen Einsatz seines Teams und warb um Verständnis für manche Abstimmungsschwierigkeit: "Manche unserer Spielerinnen sind erst vor zweieinhalb Wochen zu uns gestoßen. Wir müssen hier mit der Tatsache leben, dass unsere besten Akteurinnen in Europa spielen."

Ganz andere Sorgen hatte hingegen Bruno Bini. "Wir haben drei Finalspiele und müssen zwei davon gewinnen", hatte er vor der Partie gesagt. "Dass Lyon in der Champions League gegen Potsdam gewonnen hat, sagt nichts aus. Außer, dass es ein Erweckungserlebnis war zu merken, dass man auch gegen eine deutsche Mannschaft siegen kann." Georges war sich selbst da nicht so sicher: "Es wird schwer genug für uns, drei Punkte gegen Kanada zu holen. Die Deutschen sind noch mal eine ganz andere Nummer."

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Schön!
Gegengleich 27.06.2011
Zitat von sysopImmerhin gab es auch eine kleine Eröffnungszeremonie, die nahtlos in eine Lao-Ola auf den Rängen überging. Immer wieder kam es auch in den 90 Minuten, in denen Frankreich das Team aus Nigeria knapp 1:0 bezwang, zu spontanen Sympathiebezeugungen, die nicht einer der beiden Mannschaften, sondern dem Gesamtereignis galten. Diese brandeten, als der Stadionsprecher die Zuschauerzahl bekannt gab: 25.475. Überhaupt hatte der Applaus, der nach gelungenen Aktionen von einer der 22 Spielerinnen von den Rängen kam, etwas Ansteckendes, das Raunen, das einsetzte, wenn einmal ein Ball versprang, nichts Höhnisches. Sympathien für eine der beiden Mannschaften waren Nebensache, die Freude am Sport überlagerte alles. Der Nachmittag in Sinsheim hatte insofern eine Leichtigkeit, die dem Männerfußball wohl auch dann abgehen würde, wenn er sie sich explizit vornehmen würde. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,770647,00.html
Schön beschrieben. Ich war auch dort und habe es ebenso empfunden. Hat wirklich Spaß gemacht (Das Spiel und dieser Beitrag!)!
2. ...
Mastermason 27.06.2011
"Der Nachmittag in Sinsheim hatte insofern eine Leichtigkeit, die dem Männerfußball wohl auch dann abgehen würde, wenn er sie sich explizit vornehmen würde." Wann kapieren Sie, Herr Ruf, und andere merkbefreite Frauenversteher, dass man beide Sportarten nicht miteinander vergleichen kann? Denn wenn man das tut, schneiden die Frauen in allen Kategorien schlechter ab. Es ist aber auch bezeichnend, das der Männer-Frauen-Vergleich immer nur dann gezogen wird, wenn es (scheinbar) zugunsten der Frauen, zulasten der Männer geht. Oder meinen Sie, eine Überschrift wie "Dritte Plätze sind was für Jungs" würde es bei einer Kampagne im Männerfußball geben? Es reicht mit diesem Gendergetue und dieser Einschleimerei. Ich habe die Schnauze voll davon.
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Zum Autor
Über die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) berichtet unser Autor Christoph Ruf. Er lebt mit seiner Familie in Karlsruhe, hat ein großes Herz für diverse kleine Vereine und treibt sich gerne auch in unterklassigen Ligen herum.

Deutsche WM-Rekord-Spielerinnen
Name Spiele Zeitraum
Birgit Prinz 23 1995-2011
Bettina Wiegmann 22 1991-2003
Ariane Hingst 17 1999-2011
Maren Meinert 16 1995-2003
Renate Lingor 15 1999-2007
Sandra Minnert 14 1995-2007
Martina Voss 13 1991-1999
Kerstin Stegemann 13 1999-2007
Kerstin Garefrekes 13 2003-2011
Sandra Smisek 12 1995-2007
Heidi Mohr 12 1991-1995

Deutsche WM-Rekord-Torschützinnen
Name Tore Zeitraum
Birgit Prinz 14 1995-2011
Bettina Wiegmann 11 1991-2003
Heidi Mohr 10 1991-1995
Kerstin Garefrekes 7 2003-2011
Maren Meinert 6 1995-2003
Renate Lingor 5 1999-2007
Inka Grings 5 1999-2011
Sandra Smisek 4 1995-2007
Martina Müller 3 2003-2007
Melanie Behringer 2 2007-2011
Silvia Neid 2 1991-1995
Sandra Minnert 2 1995-2003
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