Frauenfußball-WM: Die fangen ja gerade erst richtig an

Am Sonntag ist es soweit: Die Frauenfußball-WM in Deutschland startet, und das ganze Land ist voller Vorfreude. Das ganze Land? Nein! Wunderläufer Achim Achilles ist noch nicht so richtig warm geworden mit dem Turnier - das hat einen einfachen Grund.

Bajramaj (Mitte) beim Torschuss: Viel Entwicklungspotential im FrauenfußballZur Großansicht
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Bajramaj (Mitte) beim Torschuss: Viel Entwicklungspotential im Frauenfußball

Heute tun wir mal etwas Verbotenes und zitieren aus vertraulichen Gesprächen, in diesem Fall aus einem Jungs-Treffen der vergangenen Tage: ein paar Kumpels, ein paar Bier, viel Wahrheit. Es hing eine gewisse Beklommenheit über der Runde, denn, nun ja, es gibt ja diese Verbote, was man in Deutschland sagen darf - und vor allem: was nicht.

Und das strengste Verbot lautet derzeit: Bloß nichts Böses über Frauenfußball sagen, weil: ist ja WM. Und unsere Mädels sollen auch ein Sommermärchen kriegen wegen der Gleichberechtigung. Wenn nicht mindestens eine halbe Million Vollhonks auf der Fanmeile rumröhren, dann zieht Alice Schwarzer bestimmt vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und klagt Jubelzwang ein.

Bei aller Gutfindpflicht sollten wir uns nichts vormachen: Die meisten Jungs sind noch nicht so richtig warm geworden mit dieser Veranstaltung. Die gute Nachricht immerhin: In einem sportarmen Sommer ohne "richtige" WM und ohne Olympia ist man dankbar für jedes Spektakel, das die Zeit zum Bundesligastart überbrückt. Aber mit den Autofähnchen warten wir doch lieber noch mal ab.

Man weiß ja auch so wenig. Na gut, Turbine Potsdam ist super erfolgreich und Frankfurt auch und die Bundestrainerin heißt Neid und die Goalgetterin Prinz und dann gibt es da noch so eine Hübsche, deren Name noch nicht so ganz geläufig ist. Und da geht es schon los. Sagt man in weiblicher Gesellschaft: "Die sieht aber gut aus", dann keift das versammelte Feminat sofort zurück: "Du interessierst dich ja gar nicht für die sportliche Leistung, du guckst denen ja nur auf den Hintern." Stimmt. Na und?

Süße Linienrichter, beschämende TV-Auftritte

Genau diese optische Priorisierung haben wir jahrzehntelang von den Frauen gelernt. Immer wenn die Nationalhymne kam, haben unsere Damen doch vorm Fernseher gesessen und geschmachtet: "Och, der ist aber süß, wo spielt denn der?"

"Schatz, das ist der Linienrichter", haben wir dann mit Engelsgeduld geantwortet, genauso wie auf all die anderen komischen Fragen, etwa zur Pause: "Ist es schon vorbei?" Oder nach der Pause: "Warum spielen die denn jetzt in die andere Richtung?"

Die derzeitigen Versuche, den Frauenfußball zwanghaft zu popularisieren, so wie im letzten "Tatort", sind, sagen wir es vorsichtig, eher kontraproduktiv: Wenn DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff sich als Mimen versuchen, dann ist das keine Werbung, sondern Fremdschämen. Genauso nichtssagend bleibt der Hinweis, dass die Mädels unheimlich hart trainieren und trotzdem viel weniger Geld bekommen als die Männer-Profis. Das ist bei fast allen Sportarten so: Badminton, Turmspringen, Eisstockschießen - überall wird ganz hart trainiert und viel weniger verdient als bei Real Madrid.

Das Problem ist ganz einfach: Männer-Fußball bietet ein 100 Jahre altes Mythen-Arsenal, von Wembley bis zur Hand Gottes. Das werden die Damen eines Tages auch haben, aber es dauert eben noch. Frauenfußball, das ist eben die Solarzelle des Sports: Es liegen wahnsinnig viel Hoffnungen darauf, aber es muss noch eine ganze Menge entwickelt werden.

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insgesamt 31 Beiträge
Klaus.G 24.06.2011
ich kann dem Gekicke der Frauen nichts abgewinnen. Außerdem sind die überhaupt nicht sexy, viel zu maskulin im Körperbau. Kein Werbeträger für die Wirtschaft;-)
ich kann dem Gekicke der Frauen nichts abgewinnen. Außerdem sind die überhaupt nicht sexy, viel zu maskulin im Körperbau. Kein Werbeträger für die Wirtschaft;-)
Tungay 24.06.2011
Frauenfußball ist im Stadium von Entwicklungshilfe. Deshalb ist D so erfolgreich, weil es keine ernstzunehmenden Bewerber Länder gibt, in denen Frauen, in allen Belangen, so hofiert und gefördert werden wie in D. So einfach ist [...]
Zitat von sysopAm Sonntag ist es soweit: Die Frauenfußball-WM in Deutschland startet, und das ganze Land ist voller Vorfreude. Das ganze Land? Nein! Wunderläufer Achim Achilles ist noch nicht so richtig warm geworden mit dem Turnier - das hat einen einfachen Grund. http://www.spiegel.de/sport/0,1518,769963,00.html
Frauenfußball ist im Stadium von Entwicklungshilfe. Deshalb ist D so erfolgreich, weil es keine ernstzunehmenden Bewerber Länder gibt, in denen Frauen, in allen Belangen, so hofiert und gefördert werden wie in D. So einfach ist das. Da andere Kulturen garnicht auf die Idee kommen, aus Frauen die besseren Männer zu machen, wird das auch so bleiben. Ich prognostiziere für die Zukunft rückläufige Besucherzahlen. Spätestens dann wenn auch die Verwandschaft der Spielerinnen das Interessse verloren hat.
Hornet63 24.06.2011
Da leben wohl der Autor und die Mehrheit der Bevölkerung in zwei verschiedenen Ländern. Ich kenne kaum jemand, der sich für die Frauenfußball-WM interessiert. Da hilft es auch nicht, wenn die Medien versuchen, dieses Event [...]
Zitat von sysopDie Frauenfußball-WM in Deutschland startet, und das ganze Land ist voller Vorfreude.
Da leben wohl der Autor und die Mehrheit der Bevölkerung in zwei verschiedenen Ländern. Ich kenne kaum jemand, der sich für die Frauenfußball-WM interessiert. Da hilft es auch nicht, wenn die Medien versuchen, dieses Event dem Normalbürger mit aller Gewalt schmackhaft zu machen. Der Versuch, eine Männersportart mit weiblichen Akteuren zu protegieren, ist teilweise nur noch peinlich.
Jurx 24.06.2011
Auf'm Platz gelten die DFB-Trikotbestimmungen. Aber beim Playboy-Fotoshooting ...
Zitat von Klaus.Gich kann dem Gekicke der Frauen nichts abgewinnen. Außerdem sind die überhaupt nicht sexy, viel zu maskulin im Körperbau.
Auf'm Platz gelten die DFB-Trikotbestimmungen. Aber beim Playboy-Fotoshooting ...
brainbiter 24.06.2011
wie in dem Beitrag schon erwähnt, diese zwanghafte Popularisierung. Da müssen Podolski, Müller und Co für die Frauen werben?! Seht her, wir sind "In".... wir gucken Frauenfußball.... Lächerlicher gehts ja nicht mehr. [...]
wie in dem Beitrag schon erwähnt, diese zwanghafte Popularisierung. Da müssen Podolski, Müller und Co für die Frauen werben?! Seht her, wir sind "In".... wir gucken Frauenfußball.... Lächerlicher gehts ja nicht mehr. Wenn das mit Frauenfußball überhaupt jemals funktionieren soll, dann muss er gesund wachsen.... und zwar weltweit. Nicht nur in deutschland. Denn spätestens wenn "unsere Mädels" das 5te mal nacheinander Weltmeister geworden sind, dann wird auch der letzte erkennen, das nirgends auf der Welt der Frauenfußball ähnlich gefördert wird wie bei uns und daher gar keine Gegner vorhanden sind.... Keine Spannung -> keine Zuschauer. Ganz einfach. Von dem abgesehen, wird Frauensport immer hinter dem Männersport stehen. Trainieren tun beide Geschlechter ganz furchtbar hart.... aber wer eben sehen möchte, was man wirklich aus dem menschlichen Körper rausholen kann, der muss eben Männersport gucken. Sorry Mädels ;-)
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  • Freitag, 24.06.2011 – 10:58 Uhr
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Achim Achilles:
Der Lauf-Gourmet.
Schlanker, schneller, satter.

Heyne Verlag; Mai 2010; 192 Seiten; 7,95 Euro;
ISBN 978-3-453-60156-7

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Wo stehe ich? Das ist die zentrale Frage, die jeden Läufer beschäftigt. Egal ob beim Marathon oder im Fünf-Kilometer-Rennen – jeder will sich vergleichen, mit dem Chef, dem besten Kumpel oder der Ehefrau. Die Achilles-Läufer-Liste sammelt alle Wettkampfzeiten eines Kalenderjahres in einer Rangliste und kürt zum Jahresende die Deutschen Meister in den Kategorien Marathon, Halbmarathon, zehn und fünf Kilometer. Jeder kann bei der Achilles-Läufer-Liste mitmachen, und zwar unter www.achilles-laeufer-liste.de

www.achim-achilles.de
Seit einigen Jahren schreibt er seine Kolumnen, jetzt geht Kultläufer Achim Achilles online - mit seiner Web-Seite www.Achim-Achilles.de. Das Portal bietet den Millionen Läufern hierzulande Infos, Tipps und Spaß - für Einsteiger wie Laufprofis. Die lebendige Läufer-Community tauscht letzte Weisheiten aus, ein halbes Dutzend Experten berät kostenlos. Immer nach dem Motto des Bestseller-Autors Achilles: "Laufen, leiden, lachen, leben".
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