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09.10.2001
 

"11 Freunde"-Kolumne

Du armes deutsches Bindegewebe!

Die wöchentliche Exklusiv-Kolumne von Deutschlands bestem Fußball-Fanzine. Heute: teutonischer Bewegungsmangel, neue ukrainische Wunderstürmer und Auszüge aus Effenbergs Memoiren.

Deutsche Fußball-Fans: Leiden, überall nur Leiden
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AP

Deutsche Fußball-Fans: Leiden, überall nur Leiden

Ja, auch wir saßen am Samstag vor unseren zwei Fernsehern und hofften auf das Wunder. Die griechisch-finnische Hymne im Zwei-Kanal-Ton verkrafteten wir gerade noch so, danach aber ließ uns das doppelte Gerumpel in Schalke und Manchester übel gelaunt zurück. Bis gestern. Da fiel uns der neue Fitness-Ratgeber von Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt in die Hände, mit einer knallharten Analyse des Finnland-Spiels.

"60 Prozent der Deutschen bewegen sich zu wenig, jeder Vierte ist sogar völlig inaktiv", so "MW". Die schrecklichen Folgen: "Die Haut wird streifig oder rissig. Gelenke sind instabil". Armes deutsches Bindegewebe! Aber Müller-Wohlfarth hat auch gute Ratschläge parat. Er rät zu Lauftraining: "Kleine Ziele, die Sie leicht erreichen können. Zwei Minuten laufen, dann wieder gehen, das ist schon ein Erfolg". Das macht Mut für die Spiele gegen die Ukraine.

Selbst bei den Ausflüchten nur zweitklassig

"Es lag am schwachen Bindegewebe", wäre also eine passable Ausrede der deutschen Kicker für den Standfußball in der ersten Halbzeit des Finnland-Spiels gewesen. Stattdessen flüchteten sich Ballack und Kollegen lieber in die Zweitligastandards wie "nicht ins Spiel gekommen" und "die Finnen der erwartet starke Gegner". Dabei hätten ein paar Premium-Ausreden aus der Oberprima schon gereicht. Dann hätte Rudi sein "Heft vergessen", Olli Bierhoffs Kanarienvogel wäre "plötzlich verschieden" und bei Michael Ballack "war das doch nur mündlich, oder?"

Wie es richtig geht, haben uns ausgerechnet die Engländer vorgemacht. Die hatten ihre Hausaufgaben zwar auch nicht gemacht, schrieben aber im Bus zum Stadion fix noch alles ab, und ließen sich schließlich von Klassenlehrer Dick Jol den letzten Satz in die Heft diktieren. Auf niederländisch, versteht sich: "Nei, wat sin de Moffen doof" - oder so ähnlich.

Die Wachspuppe heißt Lobanoswki

Nun müssen wir (oder die) also in die so genannten Todesspiele gegen die Ukraine. Noch weiß man hier zu Lande ja nicht viel über die ehemalige Sowjetrepublik. Deshalb an dieser Stelle schon mal fünf lebenswichtige Kurzinformationen zum kommenden Gegner (nicht nur für Nationalspieler):

1. Es müssen keine Glasperlen mitgebracht werden, um die Eingeborenen gnädig zu stimmen.

2. Der Herr auf der Trainerbank ist keine Wachspuppe, sondern ein berühmter Trainer namens Valerij Lobanowski.

3. Die Ukraine tritt zu Ehren des dreifachen Weltmeisters Deutschland nicht mit drei Mann weniger an.

4. Auch nicht mit verbundenen Augen. Selbst wenn Mayer-Vorfelder das fordern sollte.

5. Die beiden gefürchteten Stürmer der Ukraine heißen nicht Tschernenko und Andropow.

Effenbergs Memorien: "Ein Rebell packt aus"

Derweil die Nationalelf sich in Gelsenkirchen vergeblich mühte, saß ein anderer teutonischer Recke mit Lesebrille und Füllfederhalter an seinem antiken Sekretär: Stefan Effenberg, immer noch verletzt und ohne englischen Verein für nächste Saison, will seine Memoiren schreiben und dabei so manches private Geheimnis preisgeben. Das hat er uns zumindest in der "Bild"-Zeitung versprochen.

Was das wohl für Geheimnisse sein mögen? Neugierig wie "11 Freunde" sind, haben wir Effenbergs Mülltonne vor seiner Grünwalder Villa durchwühlt und noch vor Beginn der Frankfurter Buchmesse dort doch tatsächlich die ersten Schreibversuche des Bayern-Rebellen gefunden:

"Montagmorgen. Eben ist Martina ins Solarium gefahren, und der Abwasch vom Wochenende liegt vor mir. Gute Güte, wie soll ich das alles schaffen? Aber genug gejammert, Stefan, die Schürze umgebunden und ran ans Werk. Das Spülwasser ist schnell eingelassen, doch die Schmutzränder an der Bratpfanne machen mir zu schaffen. Da muss ich mit Sidolin ran. Ich schrubbe, und siehe da, die Bratpfanne glänzt. Dann ist Martina wieder da. "Wie, war's etwa nicht schön im Solarium?", frage ich vorsichtig. Sie nickt und lobt mich. Das wiegt alle Strapazen auf. Ich bin glücklich.

Im nächsten Kapitel: Wie ich Gardinen aufgehängt habe. Und: Mein Kampf gegen den Lochfraß an der Waschmaschine (mit dem freundlichen Experten aus der Werbung).

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