Montag, 23. November 2009

Sport



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30.04.2002
 

"11 Freunde"-Kolumne

Laienprediger Calmund

Die wöchentliche Kolumne von Deutschlands bestem Fußball-Fanzine. Heute: Woraus Bayer-Manager Reiner Calmund im Meisterschaftskampf seinen Glauben schöpft, und wie Rapid Wiens Kicker ihren Respekt vor Teamchef Lothar Matthäus verlieren.

Rainer Calmund beschwört die Fußball-Götter
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DDP

Rainer Calmund beschwört die Fußball-Götter

Noch selten in der Geschichte hat eine Mannschaft die Meisterschaft so leichtfertig versemmelt wie Bayer 04 Leverkusen in diesem Jahr. Wie Babelsberg 03 stolpert das wankelmütige Bayer-Ensemble derzeit durch die Liga und muss am nächsten Samstag wohl wieder mal anderen beim Jubeln zuschauen. Seither gibt Rainer Calmund den melancholischen Laienprediger.

"Ich habe im Flugzeug gesagt, dass wenn es einen Fußballgott gibt, er uns den Titel gewinnen lässt." Und, hopplahopp, gleich danach habe die Maschine kräftig geruckelt. Das sei doch ein eindeutiges Zeichen, dass die Gebete erhört worden seien.

Wir hingegen vermuten stark: Calmunds Vollmeise ist ins linke Getriebe geraten. Und das hat mächtig geruckelt.

So sind die Medienmenschen: Multitasking in Japan


Knapp einen Monat ist es noch hin, bis die Weltmeisterschaft mit der Kracherpartie Frankreich gegen Senegal eröffnet wird, aber manch einer plant schon jetzt fleißig seinen Einsatz. So bietet in der aktuellen Ausgabe des Medienmagazins "Journalist" ein Sportschreiber den knauserigen deutschen Zeitungen an, kostengünstig von den Titelkämpfen in Asien zu berichten. "Berichte, Hintergründe, Reportagen" hat er zu bieten und verspricht vollmundig, er sei vom 22. Mai bis zum Finale am 30. Juni "für Sie live vor Ort und immer bei der deutschen Nationalmannschaft". Was doch ziemlich unseriös klingt, denn der gute Mann muss sich entscheiden: Entweder bei der Nationalelf oder beim Finale vor Ort.

Brotaufstrich ist Bier, und Ballack ist Holländer


Dass die ARD wieder einmal ihr Seniorenteam zum Kommentieren nach Japan und Südkorea schickt, wurde schon vermeldet. Allerdings sollten Faßbender und Co. vorher noch mal zum Gesundheitscheck. Stimmt noch alles mit den Augen und Ohren? Denn neulich, beim spröden Kick gegen Argentinien, kommentierte Faßbender zunächst den Flug eines Gauchos in eine Brotaufstrich-Werbebande: "Mitten in die Bierwerbung". Und dann sangen die Fans zum Zeitvertreib den ebenso beliebten wie hämischen Singsang: "Ohne Holland fahrn wir zur WM." Reporter Heribert hörte ganz genau hin und gab dann die gesungene Parole sehr frei übersetzt ans Fernsehpublikum weiter: "Ohne Ballack ham wir ein Problem."

Hexer zwischen Zeltstangen: Campingplatz als Talentschuppen


Einen sensationellen Transfer verkündete letzte Woche die Deutsche Presse-Agentur. Der abstiegsbedrohte Erstligist Salzburg habe sich die Dienste eines bisher unbekannten holländischen Torwarts gesichert, tickerte die Agentur. Besondere Note dabei: Der österreichische Talentscout habe den Keeper bei einem Kick auf einem holländischen Campingplatz entdeckt und gleich verpflichtet.

Zwar war an der Meldung nichts dran, und Salzburg dementierte deshalb empört. Ulkig dennoch, wie sich dpa die Talentsichtung des österreichischen Fußballs vorstellt. Wir vermuten stark, auch folgende Meldungen wären achselzuckend über den Ticker gegangen: "Tirol holt rüstigen Pensionär: Johannes Heesters freut sich auf neue Herausforderung" und "Aus der Kindertagesstätte ins Trainingslager: Austria verpflichtet Wunderstürmer Kevin".

Lothar Matthäus: Duschen und Respekt abbauen


Ach, übrigens Österreich: Dass Trainer-Azubi Lothar Matthäus sein Gastspiel beim Traditionsclub Rapid Wien am Saisonende wieder beenden wird, wissen in der österreichischen Hauptstadt sogar schon die Kaffeehauskellner. Die Demission nach nur sieben Monaten ist einerseits verständlich angesichts eines wenig gloriosen achten Platzes in einer Operettenliga mit gerade einmal zehn Mannschaften, die auch noch Mödling und Bregenz heißen.

Andererseits jammerschade, weil Lothar seinen Spielern gerade erst den allzu großen Respekt ausgetrieben hat. "Als ich zu Rapid kam, sind die Spieler in Ehrfurcht erstarrt." Inzwischen hätten die Spieler aber begriffen: "Der duscht auch nur mit Wasser." Und kocht mit Duschgel.

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