Yokohama - Japan hat mit einem historischen Erfolg einen großen Schritt Richtung WM-Achtelfinale getan. Mit seinem Treffer in der 50. Minute führte Junichi Inamoto den begeistert gefeierten Mit-Gastgeber am Sonntag in Yokohama beim verdienten 1:0 (0:0) über Russland zum ersten Sieg bei einer WM-Endrunde. Der Jubel kannte keine Grenzen, denn die Japaner übernahmen in der Gruppe H mit vier Punkten die Führung vor Russland (3) und benötigen im letzten Vorrundenspiel gegen Tunesien nur noch einen Punkt, um erstmals in ein WM-Achtelfinale vorzustoßen.
"Es war ein großartiges Spiel gegen einen ausgezeichneten Gegner", lobte Japans französischer Coach Philippe Troussier seine Mannschaft nach dem Schlusspfiff. "Wir haben ein tolles Spiel der Japaner gesehen und nach Spielanteilen war der Sieg verdient. Mit vier Punkten in der Tasche sollte es möglich sein das Achtelfinale zu erreichen."
Dagegen wirkte Russlands Trainer Oleg Romantsew etwas zerknirscht nach der Niederlage. "Man ist nie glücklich, wenn man verloren hat", so Romantsew. "Ein Trost ist immerhin, dass für uns das Turnier noch nicht zu Ende ist. Wir haben noch das Spiel gegen Belgien und es liegt in unserer Hand, ob wir weiter kommen."
WM-Debüt von Merk
Vor 66.108 Zuschauern, die schon lange vor dem Anpfiff im International Stadium für eine Volksfeststimmung sorgten, war Markus Merk (Kaiserslautern) bei seinem WM-Debüt ein aufmerksamer Schiedsrichter. Allerdings drückte er bei einem elfmeter-verdächtigen Foul von Kazuyuki Toda an Waleri Karpin einmal beide Augen zu.
Das durch Rückkehrer Alexej Smertin verstärkte Team der Russen, deren angeschlagener Spielmacher Alexander Mostowoj den Anpfiff auf der Reservebank erlebte, versuchte dem erwarteten Druck der Gastgeber
mit einer massiven Deckung zu begegnen. Die frenetisch angefeuerten Hausherren übernahmen auch sofort die Initiative und erkämpften sich ein deutliches Übergewicht, doch allzu viele Einschussmöglichkeiten
sprangen nicht dabei heraus. Erst schoss Inamoto vorbei (5.), dann vergab Hidetoshi Nakata (28.), als er einen zu kurz abgewehrten Ball im Nachschuss unbedrängt aus 16 Metern über das Tor beförderte.
Russland zu vorsichtig
Nur gelegentlich ergriffen auch die Russen, deren Defensiv-Abteilung von Abwehrchef Viktor Onopko gut organisiert wurde, über Konter die Initiative und versuchten, gefährlich vor Seigo Narazakis
Tor zu gelangen. Dabei verfehlte Marat Ismailow (16.) per 20-Meter-Schuss haarscharf das japanische Gehäuse. Eine Viertelstunde später rettete der aufmerksame Narazaki vor Pimenow. Und Toda hatte großes Glück, dass sein harter Trikot-Zupfer gegen den einschussbereiten Karpin im Strafraum von Referee Merk nicht mit Strafstoß geahndet wurde.
Auch nach Wiederanpfiff dominierten die Asiaten - diesmal mit schnellem Erfolg. Nach einer sehenswerten Kombination tauchte der überragende Inamoto plötzlich frei vor Keeper Nigmatullin auf und
vollendete eiskalt. Romantsew reagierte mit der Hereinnahme von drei Offensivkräften und gab damit das vorsichtige Taktieren auf. Der frühere Bremer Wladimir Bestschastnich (58.) hätte gleich nach seiner
Einwechslung treffen müssen: Er ließ Narazaki aussteigen, schoss aber ans Außennetz. Auf der Gegenseite hätte Suzuki (67.) und Nakata (71.), der per 22-Meter-Schuss nur die Latte traf, alles klar machen
können. So mussten die bei Kontern stets gefährlichen Gastgeber bis zum Schluss um den knappen, aber verdienten Erfolg bangen.
Randale in Moskau
In Russland wurde die Niederlage als Schmach empfunden und sorgte für Ärger in den Großstädten. Nachrichtenagenturen berichteten, dass kurz nach Spielende in Moskau erste Randalierer auf den Straßen waren. Wütende Fans warfen in der Nähe des Kreml Scheiben ein, zerstörten Autos und griffen vor dem Parlament Polizisten an.
Japan - Russland 1:0 (0:0)
1:0 Inamoto (51.)
Japan: Narazaki - Matsuda, Miyamoto, Koji Nakata - Myojin,
Inamoto (85. Fukunishi), Toda, Hidetoshi Nakata, Ono (75. Hattori)-
Suzuki (72. Nakayama), Yanagisawa
Russland: Nigmatullin - Kowtun, Nikiforow, Onopko - Solomatin,
Karpin, Titow, Smertin (57. Bestschastnich), Semschow - Ismailow
(52. Chochlow), Pimenow (46. Sitschew)
Schiedsrichter: Markus Merk (Kaiserslautern)
Zuschauer: 66.108
Gelbe Karten: Miyamoto, Koji Nakata, Nakayama - Pimenow,
Solomatin, Nikiforow
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