Fußball-WM
Deutschland mogelt sich ins Halbfinale
Im südkoreanischen Ulsan standen sich Deutschland und die USA im WM-Viertelfinale gegenüber. Durch ein Tor von Ballack gab es einen mühsamen 1:0-Sieg, doch das Halbfinale ist erreicht.
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Viertelfinale in Ulsan: Zweikampf zwischen Gregg Berhalter und Oliver Neuville
Ulsan - Eine herausragende Leistung von Oliver Kahn und das zweite WM-Tor von Michael Ballack haben die deutsche Nationalmannschaft zum zehnten Mal unter die besten Vier einer Fußball-Weltmeisterschaft gebracht. Trotz einer durchwachsenen Vorstellung besiegte das Team von Rudi Völler am Freitag in Ulsan die Auswahl der USA glücklich mit 1:0 (1:0) und steht damit erstmals seit dem Titelgewinn 1990 wieder im Halbfinale einer WM. Das erlösende Tor in einem Zitterspiel erzielte Ballack in der 39. Minute per Kopf nach einem Freistoß von Christian Ziege.
Der "Mann mit tausend Armen"
Vor 37.337 Zuschauern im Stadion "Big Crown" durfte sich deutsche Mannschaft, die im Halbfinale am Dienstag (13.30 Uhr MESZ) in Seoul auf den Gewinner des Duells zwischen Gastgeber Südkorea und Spanien trifft, für das Weiterkommen vor allem bei Torhüter Kahn bedanken. Der Schlussmann des FC Bayern München erwies sich in seinem 50. Länderspiel als ein "Mann mit tausend Armen" und brachte die amerikanischen Angreifer mit seinen Paraden zur Verzweiflung. Lediglich in den Minuten nach dem Führungstor überzeugte das Team von Rudi Völler, als es eine Reihe von guten Chancen herausarbeitete und vor der Pause dem 2:0 nahe war. Besonders die Standardsituationen waren sehr gefährlich.
In der mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Ehrenspielführer Fritz Walter begonnenen Begegnung hatte die neu formierte deutsche Elf allerdings über weite Strecken größte Probleme, in der Defensive ihre Ordnung zu finden. Dazu erinnerte das Geschehen in den zweiten 45 Minuten an die zweite Halbzeit der Vorrunden-Partie gegen Irland. Die Deutschen gaben erneut die mühsam erkämpfte Spielkontrolle aus der Hand und schienen sich nur noch auf Kahn verlassen zu wollen.
Sebastian Kehl, den Rudi Völler nach seiner starken zweiten Halbzeit gegen Paraguay erstmals als Abwehrchef in der Anfangself aufgeboten hatte, spielte ohne Übersicht, verlor viele Zweikämpfe und gab dem Spiel nach vorne nicht die erhofften Impulse. Achillesferse im Team war allerdings die linke Abwehrseite mit Christian Ziege, auf der die Amerikaner immer wieder gefährliche Angriffe inszenieren konnten.
Zuviele Ballverluste
Nach auskurierter Sprunggelenksverletzung stand Christoph Metzelder lange Zeit völlig neben sich und leistete sich Ballverluste in Hülle und Fülle. Auch Ziege wurde den vom Teamchef in ihn gesetzten Erwartungen in keiner Weise gerecht. In der allgemeinen Unordnung wirkte auch der nach Verbüßen seiner Gelb-Sperre zurückgekehrte Dietmar Hamann nicht als ruhender Pol.
Im Spielaufbau wirkte die deutsche Mannschaft zunächst schwerfällig und ideenlos. Weder Bernd Schneider noch Michael Ballack bekamen gegen die athletischen US-Boys im Kreativzentrum die Fäden in die Hand. Als belebendes Element im Angriff erwies sich dagegen Oliver Neuville, der ständig in Bewegung war und Lücken in die Abwehr der US-Boys riss. An seiner Seite kam Miroslav Klose nur selten dazu, seine Stärke im Luftkampf auszuspielen. Allerdings verhinderte nur der Pfosten in der 42. Minute das sechste WM-Tor des Lauterers.
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Retter in höchster Not: Oliver Kahn klärt vor Landon Donovan
Einzig den Paraden von Oliver Kahn hatte es die deutsche Mannschaft zu verdanken, dass sie überhaupt im Spiel blieb und nicht erstmals mit einem Rückstand in die Halbzeitpause gehen musste. Der Münchner Keeper musste immer wieder die zahlreichen Fehler seiner meist schlecht organisierten Vorderleute ausbügeln. In der 17. Minute machte sich der Kapitän ganz lang und drehte einen platzierten 16-Meter-Schuss von Landon Donovan mit den Fingerspitzen um den Pfosten. In der 30. Minute verkürzte der Schlussmann geschickt den Winkel, als wiederum Donovan völlig frei vor ihm auftauchte.
Klose trifft nur den Pfosten
Es dauerte eine gute halbe Stunde, ehe der deutschen Elf die ersten viel versprechenden Kombinationen gelangen. So scheiterte Ballack (36.) mit einer ersten Kopfballchance knapp. Drei Minuten später machte es der künftige Münchner besser, als er eine Freistoß-Flanke von Ziege an US-Keeper Brad Friedel vorbei zu seinem zweiten Turnier-Tor einköpfte. Das mögliche 2:0 für die nach der Führung
schwungvoller werdende Völler-Elf verpasste Klose, dessen Kopfball nach einer Hereingabe von Neuville vom Pfosten zurückprallte.
Mit unerklärlicher Lethargie trieb die deutsche Abwehr die Fans auch nach Wiederbeginn zur Verzweiflung und ließ Kahn ein ums andere Mal in den Brennpunkt des Geschehens rücken. Nachdem der Keeper einen Schuss von Gregg Berhalter reflexartig pariert hatte (50.), klärte der auf der Linie stehende Torsten Frings die Situation endgültig. Vergeblich reklamierten die Amerikaner anschließend ein Handspiel des Bremers. Wenig später musste Kahn außerhalb des Strafraums wie ein Libero per Kopfball klären (63.). Riesenglück hatte die deutsche Mannschaft in der 90. Minute, als Tony Sanneh einen Kopfball ans Außennetz setzte.
"Wir haben ein Super-Spiel und viel Druck gemacht", lobte US-Coach Bruce Arena seine Mannschaft, die über die gesamte Spielzeit nie aufgab. "Wir hatten Pech und haben unglücklich verloren. Die Deutschen haben ein wichtiges Tor gemacht, und wenn sie es machen, ist es schwer, dies wieder auszugleichen. Am Ende haben wir viele Chancen gehabt, doch keine genutzt. Wenn wir die letzten vier Jahre zurückschauen, haben wir viele Fortschritte gemacht. Es gibt eine große Zukunft für den Fußball in den USA."
"Die Jungs sind alle groggy"
Rudi Völler atmete nach dem Schlusspfiff erleichtert auf. "Die Amerikaner haben uns das Leben sehr schwer gemacht", so der Teamchef. "Wir haben es nicht geschafft, das Tempo zu wechseln. Nur in den Minuten nach dem 1:0 hat die Mannschaft auch gut kombiniert. Die Jungs sind jetzt alle groggy. Jeder ist bis an seine Grenze gegangen. Kompliment, wie die Mannschaft gefightet hat. Es hat uns wohl keiner zugetraut, dass wir hier so weit kommen. Dass wir hier nicht rumzaubern wie die Brasilianer, ist doch logisch. Egal, gegen wen wir jetzt im Halbfinale spielen: Wir sind nicht der Favorit."
Deutschland - USA 1:0 (1:0)
1:0 Ballack (39.)
Deutschland: Kahn – Linke, Kehl, Metzelder – Frings, Schneider (60. Jeremies), Hamann, Ballack, Ziege – Klose (88. Bierhoff), Neuville (79. Bode)
USA: Friedel - Hejduk (65. Jones), Sanneh, Pope, Berhalter - Reyna, O'Brien, Mastroeni (80. Stewart), Lewis - Donovan – McBride (58. Mathis)
Schiedsrichter: Hugh Dallas (Schottland)
Zuschauer: 37.337
Gelbe Karte: Kehl, Neuville - Lewis, Reyna, Pope (2), Mastroeni (2), Berhalter (2)
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