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15.10.2002
 

"11 Freunde"-Kolumne

40 Blutkonserven für George Best

Die wöchentliche Kolumne von Deutschlands bestem Fanzine. Heute: Britanniens Fußball-Legende George Best über seine Lebertransplantation, die Kicker der Färöer machen Hannovers Innenstadt unsicher und eine neue Aufgabe für Krassimir Balakov.

Soll ja keiner sagen, die Faröer Inseln hätten sich nicht ausreichend auf das Schicksalsspiel in der EM-Qualifikation gegen Deutschland vorbereitet. Fast alle Mann sind an Bord, und vielleicht darf sogar Glücksbringer und Torhüter Jens Martin Knudsen ran, der vor Jahren mit Bommelmütze auf dem Kopf den legendären Sieg gegen Österreich festhielt. Sorgen bereiten Trainer Henrik Larsen vor allem die muskulären Probleme seiner Schützlinge. Sein überzeugendes Gegenmittel: ein "Power-Shopping" in der Hannoveraner Innenstadt.

Solche Begrifflichkeiten kannten wir bislang nur von frustrierten Großstadtdamen. Wie haben wir uns das "Power-Shopping" also vorzustellen? Drängelt sich die ganze Mannschaft kickernd bei Douglas, um Pröbchen abzugreifen? Lassen sich die Herren ein kostenloses Peeling in der Fußgängerzone verpassen? Und lockt das Schnäppchenparadies mit günstigen Kalendern für 2001? Zumindest Torhüter Knudsen steuert im Bekleidungsfachhandel gleich die Männerabteilung an. Bommelmützen sind im Angebot.

Ewiger Schwur: Kein Alkohol mehr für Georgie


Ex-Star von ManU: George Best
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DPA

Ex-Star von ManU: George Best

Da hat George Best aber noch einmal Glück gehabt. Ende Juli hatte sich Nordirlands ehemaliges Fußballidol einer nicht ganz unheiklen Lebertransplantation unterziehen müssen. Immerhin 40 Konserven Blut hätten die Ärzte in ihn hineingepumpt, berichtete Best nicht ohne Stolz. "Fünf wären normal gewesen." Seine alte Leber war nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Kein Wunder angesichts der Schilderungen seiner leidgeprüften Ehefrau Alex, die über Georgies Alkoholkonsum der letzten Jahre Anschauliches zu schildern wusste: "Manchmal haben wir zwei Wochen lang nicht gesprochen. Er kam rein, zog sich um, ging in den Pub, kam zurück, schlief und ging dann wieder in den Pub." Damit soll nun aber Schluss sein. Best hat dem Alkohol endgültig und für immer abgeschworen. Und diesmal meint es Georgie wirklich ernst. Wie 1965, 1967, 1972, 1976, 1990 und 2001.

Nebenjob für Krassimir: Einfuhrzölle für bulgarische Wintergerste


Eigentlich müsste sich der gute Krassimir Balakov keine sonderlichen Sorgen um seine Zukunft machen. Schließlich hat der findige Bulgare vor Jahren einen Vertrag mit dem VfB Stuttgart abgeschlossen, der ihm jährlich stolze drei Millionen Euro garantiert, solange sich nur ein Sportarzt findet, der ihm per Attest eine passable Gesundheit attestiert. Das reicht locker für eine Doppelhaushälfte mit Garten. Doch allein auf den Sport will sich Balakov nicht mehr verlassen und geht in die große Politik. Künftig, so wurde in Sofia vermeldet, wird Balakov das bulgarische Außenministerium beraten, "in bilateralen Fragen mit der Bundesrepublik Deutschland". Und das können wir uns so richtig gut vorstellen, wie Balakov zwischen zwei Trainingseinheiten per Handy die Einfuhrzölle für bulgarische Wintergerste festlegt. Sollte sich Balakov allerdings etwas zu Schulden kommen lassen, gibt es kein Pardon und er muss natürlich wie jeder anständige Politiker sofort seinen Hut nehmen. Es sei denn, er kann ein Attest vorlegen.

Wo man singt: Ein Schiff, das sich Arminia nennt


Die Laune könnte besser sein bei den Anhänger von Arminia Bielefeld. Denn spätestens seit Saisonbeginn ist die Stimmung auf der altehrwürdigen Alm eher mau. Das Problem: Vor allem bei traditionellem Liedgut erweisen sich die jüngeren Fans als wenig textfest und singen vorsichtshalber nur die Vokale mit. Deshalb haben altgediente Fans nun eine Lösung für das Gesangsproblem: Ein Liederbuch im Hosentaschenformat wird hergestellt, das die unvergessenen Evergreens der 97-jährigen Vereinsgeschichte versammelt. Eine feine Idee, nur erweist sich die Umsetzung im Stadion als äußerst kompliziert.

Denn künftig kann im Fanblock erst losgesungen werden, wenn alle Anhänger den passenden Text auf Seite 23 gefunden haben. Doch die Fans sinnen auf Abhilfe. Angedacht ist nun, den Fanbeauftragten mit einer Tafel durch die Reihen zu schicken, auf der nach guter alter Gottesdienstmanier die Lieder für die erste Halbzeit vermerkt sind. Auch der Stadionsprecher könnte unterstützend die Seitenzahlen durchsagen. Und wenn alles nichts hilft, wird bei den Arminia-Spielen halt künftig im Kanon gesungen. Ein zweistimmiges "Frére Jacques" und gleich hinterher "Ein Schiff, dass sich Gemeinde nennt". Das kennen alle aus der Kirche, das klappt immer.

Link außen (11): Fido Brinkmann von Hannover 96


Viele Fußballprofis wissen nach dem Ende ihrer Laufbahn nichts Rechtes mit sich anzufangen und eröffnen dann überstürzt ein Sportgeschäft in der ostdeutschen Provinz. Nicht so der Alt-Internationale Thomas Helmer, der lieber ein Internet-Portal namens fussballprofis.de entwickelte, auf dem Kicker aller Bundesliga-Vereine ihren ganz persönlichen Blick auf die Geschehnisse in der ersten Liga werfen. Und weil die Kicker ja gar nicht so dumm sind, wie es das Klischee eigentlich vorschreibt, geben die Jungs auf der Seite auch ihren Buchtipp ab. So empfiehlt etwa Danijel Stefulj von Hannover 96 das Buch "Der Traumhüter" von Ronald Reng und schreibt dazu: "Es ist einfach toll zu lesen, da die einzelnen Kapitel nicht zu langatmig werden". Undsoweiter.

Dumm nur, dass sich direkt darunter ein Button "Jetzt bestellen bei Amazon" befindet und man dort feststellt, dass der Inhalt der Empfehlung von Danijel Stefulj exakt der Leserrezension eines "Fidobrinkmann aus Fredenbeck" entspricht. Und auch für die Empfehlungen der anderen Spieler fand sich fast immer eine entsprechende Leserrezension. Und Fido Brinkmann aus Fredenbeck hatte keine Ahnung, dass er genau der gleichen Meinung ist wie Danijel Stefulj. Unsere Leserin Angela Petz hat das herausgefunden und schreibt uns: "Grundsätzlich möglich ist es ja natürlich schon, dass unsere Fußballer alle nebenher noch bei Amazon rezensieren - aber im Ernst: Glaubt Ihr das?" Wir nicht, aber vielleicht Thomas Helmer.

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