"11 Freunde"-Kolumne
40 Blutkonserven für George Best
Die wöchentliche Kolumne von Deutschlands bestem Fanzine. Heute: Britanniens Fußball-Legende George Best über seine Lebertransplantation, die Kicker der Färöer machen Hannovers Innenstadt unsicher und eine neue Aufgabe für Krassimir Balakov.
Soll ja keiner sagen, die Faröer Inseln hätten sich nicht ausreichend auf
das Schicksalsspiel in der EM-Qualifikation gegen Deutschland vorbereitet.
Fast alle Mann sind an Bord, und vielleicht darf sogar Glücksbringer und
Torhüter Jens Martin Knudsen ran, der vor Jahren mit Bommelmütze auf dem Kopf den
legendären Sieg gegen Österreich festhielt. Sorgen bereiten Trainer Henrik Larsen vor
allem die muskulären Probleme seiner Schützlinge. Sein überzeugendes
Gegenmittel: ein "Power-Shopping" in der Hannoveraner Innenstadt.
Solche
Begrifflichkeiten kannten wir bislang nur von frustrierten Großstadtdamen.
Wie haben wir uns das "Power-Shopping" also vorzustellen? Drängelt sich die
ganze Mannschaft kickernd bei Douglas, um Pröbchen abzugreifen? Lassen sich
die Herren ein kostenloses Peeling in der Fußgängerzone verpassen? Und lockt
das Schnäppchenparadies mit günstigen Kalendern für 2001? Zumindest Torhüter
Knudsen steuert im Bekleidungsfachhandel gleich die Männerabteilung an.
Bommelmützen sind im Angebot.
Ewiger Schwur: Kein Alkohol mehr für Georgie
DPA
Ex-Star von ManU: George Best
Da hat George Best aber noch einmal Glück gehabt. Ende Juli hatte sich
Nordirlands ehemaliges Fußballidol einer nicht ganz unheiklen
Lebertransplantation unterziehen müssen. Immerhin 40 Konserven Blut hätten
die Ärzte in ihn hineingepumpt, berichtete Best nicht ohne Stolz. "Fünf
wären normal gewesen." Seine alte Leber war nicht mehr zu gebrauchen
gewesen. Kein Wunder angesichts der Schilderungen seiner leidgeprüften
Ehefrau Alex, die über Georgies Alkoholkonsum der letzten Jahre
Anschauliches zu schildern wusste: "Manchmal haben wir zwei Wochen lang
nicht gesprochen. Er kam rein, zog sich um, ging in den Pub, kam zurück,
schlief und ging dann wieder in den Pub." Damit soll nun aber Schluss sein. Best hat dem Alkohol endgültig und für immer abgeschworen. Und diesmal meint
es Georgie wirklich ernst. Wie 1965, 1967, 1972, 1976, 1990 und 2001.
Nebenjob für Krassimir: Einfuhrzölle für bulgarische Wintergerste
Eigentlich müsste sich der gute Krassimir Balakov keine sonderlichen Sorgen
um seine Zukunft machen. Schließlich hat der findige Bulgare vor Jahren
einen Vertrag mit dem VfB Stuttgart abgeschlossen, der ihm jährlich
stolze drei Millionen Euro garantiert, solange sich nur ein Sportarzt
findet, der ihm per Attest eine passable Gesundheit attestiert. Das reicht
locker für eine Doppelhaushälfte mit Garten. Doch allein auf den Sport will
sich Balakov nicht mehr verlassen und geht in die große Politik. Künftig, so
wurde in Sofia vermeldet, wird Balakov das bulgarische Außenministerium
beraten, "in bilateralen Fragen mit der Bundesrepublik Deutschland". Und das
können wir uns so richtig gut vorstellen, wie Balakov zwischen zwei
Trainingseinheiten per Handy die Einfuhrzölle für bulgarische Wintergerste
festlegt. Sollte sich Balakov allerdings etwas zu Schulden kommen lassen,
gibt es kein Pardon und er muss natürlich wie jeder anständige Politiker
sofort seinen Hut nehmen. Es sei denn, er kann ein Attest vorlegen.
Wo man singt: Ein Schiff, das sich Arminia nennt
Die Laune könnte besser sein bei den Anhänger von Arminia Bielefeld. Denn
spätestens seit Saisonbeginn ist die Stimmung auf der altehrwürdigen Alm
eher mau. Das Problem: Vor allem bei traditionellem Liedgut erweisen sich
die jüngeren Fans als wenig textfest und singen vorsichtshalber nur die
Vokale mit. Deshalb haben altgediente Fans nun eine Lösung für das
Gesangsproblem: Ein Liederbuch im Hosentaschenformat wird hergestellt, das
die unvergessenen Evergreens der 97-jährigen Vereinsgeschichte versammelt.
Eine feine Idee, nur erweist sich die Umsetzung im Stadion als äußerst
kompliziert.
Denn künftig kann im Fanblock erst losgesungen werden, wenn
alle Anhänger den passenden Text auf Seite 23 gefunden haben. Doch die Fans
sinnen auf Abhilfe. Angedacht ist nun, den Fanbeauftragten mit einer Tafel
durch die Reihen zu schicken, auf der nach guter alter Gottesdienstmanier
die Lieder für die erste Halbzeit vermerkt sind. Auch der Stadionsprecher
könnte unterstützend die Seitenzahlen durchsagen. Und wenn alles nichts
hilft, wird bei den Arminia-Spielen halt künftig im Kanon gesungen. Ein
zweistimmiges "Frére Jacques" und gleich hinterher "Ein Schiff, dass sich
Gemeinde nennt". Das kennen alle aus der Kirche, das klappt immer.
Link außen (11): Fido Brinkmann von Hannover 96
Viele Fußballprofis wissen nach dem Ende ihrer Laufbahn nichts Rechtes
mit sich anzufangen und eröffnen dann überstürzt ein Sportgeschäft in der
ostdeutschen Provinz. Nicht so der Alt-Internationale Thomas Helmer, der
lieber ein Internet-Portal namens fussballprofis.de entwickelte, auf dem
Kicker aller Bundesliga-Vereine ihren ganz persönlichen Blick auf die
Geschehnisse in der ersten Liga werfen. Und weil die Kicker ja gar nicht so
dumm sind, wie es das Klischee eigentlich vorschreibt, geben die Jungs auf
der Seite auch ihren Buchtipp ab. So empfiehlt etwa Danijel Stefulj von
Hannover 96 das Buch "Der Traumhüter" von Ronald Reng und schreibt dazu: "Es
ist einfach toll zu lesen, da die einzelnen Kapitel nicht zu langatmig
werden". Undsoweiter.
Dumm nur, dass sich direkt darunter ein Button "Jetzt
bestellen bei Amazon" befindet und man dort feststellt, dass der Inhalt der
Empfehlung von Danijel Stefulj exakt der Leserrezension eines "Fidobrinkmann
aus Fredenbeck" entspricht. Und auch für die Empfehlungen der anderen
Spieler fand sich fast immer eine entsprechende Leserrezension. Und Fido
Brinkmann aus Fredenbeck hatte keine Ahnung, dass er genau der gleichen
Meinung ist wie Danijel Stefulj. Unsere Leserin Angela Petz hat das
herausgefunden und schreibt uns: "Grundsätzlich möglich ist es ja natürlich
schon, dass unsere Fußballer alle nebenher noch bei Amazon rezensieren -
aber im Ernst: Glaubt Ihr das?" Wir nicht, aber vielleicht Thomas Helmer.
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