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16.02.2003
 

Reiner Calmund

"Die Uhr hat 12 geschlagen"

Schweren Herzens hat Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund die Entlassung von Cheftrainer Klaus Toppmöller aussprechen müssen. Doch die Maßnahme war laut Calmund notwendig, denn das Abstiegsgespenst sitzt bei den Leverkusenern bereits im Wohnzimmer.

Herr Calmund, Bayer Leverkusen hat sich am Sonntag von Trainer Klaus Toppmöller getrennt. Was hat den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben?

Reiner Calmund: Wir bedauern die Entscheidung, weil Klaus Toppmöller den Verein dank erstklassiger Arbeit in der letzten Saison in die internationale Spitze geführt hat. Doch wegen unserer prekären Situation blieb der Geschäftsführung keine andere Wahl. Wir sind in allergrößter Abstiegsgefahr. Die Uhr hat 12 geschlagen, wir konnten keine Sekunde mehr warten.

Was genau werfen Sie Toppmöller vor?

Calmund: Er ist ein anständiger Kerl, die Gespräche mit ihm sind uns sicher nicht leicht gefallen. Dabei geht es nicht darum, wie viel Schuld Toppmöller trägt. Aber als Trainer ist er einfach der Hauptverantwortliche für die Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Und die hat zuletzt nicht gestimmt. Dass wir mit den Abgängen vor der Saison und dem Verletzungspech nicht Meister werden können, war klar. Aber man muss ja auch nicht gleich absteigen.

Beim Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Newcastle United wird der bisherige Regionalliga-Trainer Thomas Hörster als Verantwortlicher auf der Bank sitzen. Ist er als Dauerlösung geplant?

Calmund: Dass er auch am Samstag in Hannover auf der Bank sitzt, halte ich durchaus für wahrscheinlich. Was darüber hinaus passiert, kann ich noch nicht sagen, weil noch viele Gespräche anstehen. Aber Thomas Hörster ist als Spieler und Trainer 25 Jahre in diesem Verein. Er ist ein guter Taktiker, und er hat sich diese Aufgabe zugetraut.

Ist denn überlegt worden, Hörster zumindest jemand erfahrenen zur Seite zu stellen? Der Name Otto Rehhagel hält sich rund um die Bay-Arena hartnäckig.

Calmund: Egal, welche Namen genannt werden: An Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen.

Wie sehen Sie die Chancen im Abstiegskampf?

Calmund: Das Abstiegsgespenst sitzt zu Hause in meinem Wohnzimmer. Und wenn ich abends das Licht ausknipse, liegt es schon unter meiner Decke. Wir machen uns nicht nur Sorgen um unsere Negativserie von fünf Niederlagen in Folge und die Abstiegsgefahr, sondern auch um den Zustand der Mannschaft. Gegen Rostock haben wir ein absolut schwaches Spiel gezeigt. Das war ein Erdrutsch gegenüber der Partie in Bochum eine Woche zuvor.

Zuletzt sind auch Sie vermehrt in die Kritik geraten. Beschäftigen Sie sich auch mit einem eigenen Rücktritt?

Calmund: Das ist für mich kein Thema. Da denke ich im Traum nicht dran. Null komma Null. Ich habe die Rückendeckung vom Gesellschafterausschuss. Wenn er der Meinung wäre, man müsste was Neues machen, okay, aber von mir aus ist das kein Thema. Man kann sich nicht im Erfolg feiern lassen, und wenn Wolken aufziehen, sagen, dass man nichts damit zu tun hat. Aber ich fühle mich dem Verein und den Angestellten gegenüber verpflichtet.

Aufgezeichnet von Holger Schmidt, sid

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