Mittwoch, 10. Februar 2010

Sport



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24.02.2003
 

Bundesliga-Kommentar

Fußball ist komisch geworden

Von Katrin Weber-Klüver

Bald ist Karneval. Doch lustig geht es schon jetzt in der Fußball-Bundesliga zu. Jecken und Narren überall, mittendrin. Allen voran: Jens Lehmann. Doch der Dortmunder Keeper gelobt Besserung. Ist Aschermittwoch alles wieder vorbei?

BVB-Keeper Jens Lehmann: Will künftig nicht nur Bälle, sondern auch seinen Mund halten
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BVB-Keeper Jens Lehmann: Will künftig nicht nur Bälle, sondern auch seinen Mund halten

Ja, gut, ich sag mal: Alles ziemlich bunt hier. Oder, um mit Jens Lehmann zu sprechen, einem famos eloquenten Berufstorwart: "Fußball ist so komisch geworden." Vielleicht liegt es daran, dass wir uns in der vorfinalen Phase des Karnevals befinden.

Komisch ist ja ein Begriff, der merkwürdig bedeuten kann, aber auch lustig. Der 22. Spieltag war beides. Es gab sehr, sehr wenig guten Fußball, statt dessen allerorten Albernheit. Selbst in einer protestantisch-norddeutschen Stadt wie Rostock. Dort wurde im Stadion Freikuchen verteilt. Freikuchen. Kein Witz. Im katholischen Gelsenkirchen bekam man gratis komische Schiedsrichterentscheidungen. Viele merkwürdig im Sinne von falsch.

Verschwörung gegen Schalke?

Weil sie zum Nachteil des FC Schalke 04 waren, argwöhnte Manager Rudi Assauer, die Schiedsrichter hielten dem Druck der Massen in der Arena nicht stand. Weshalb sie - wohl aus Notwehr - Schalker vom Platz stellten oder ihnen reguläre Tore verwehrten. Das passierte erstens tatsächlich, war zweitens ärgerlich und drittens - Fußball. Wohingegen Assauers Idee, die Arena einzureißen und ins Parkstadion zurückzukehren, ein toller Karnevalsgag war. Tusch! Helau! Kamelle!

Lustig und überhaupt nicht merkwürdig war, dass Jens Lehmann seinen vierten Platzverweis kassierte. Zur Abwechslung den ersten in der Bundesligageschichte wegen unsportlichen Verhaltens gegen einen Mitspieler, in diesem Fall der indisponierte Torjäger Marcio Amoroso. Der BVB-Keeper, den sein Club inzwischen mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro belegte, ist sich aber gar keiner Verfehlung bewusst und so traurig, dass er jetzt circa ein paar Wochen "gar nichts mehr sagen" will. Das ist ein Wort. Zwar keines, dem man glauben muss, aber eines, das mehr Sinn macht als manches aus München.

ZUR PERSON

Katrin Weber- Klüver berichtet während der Frauenfußball- WM (10. bis 30. September) für SPIEGEL ONLINE aus China. WM- Jahrgang 1966, lebt in Berlin und schreibt freiberuflich über Fußball und allerlei.
Dort köpft derzeit ein kleiner Franzose regelmäßig Tore und wird deshalb von einem Fernsehmann als "Monstre de la tête" angehimmelt. Das Monstrum arbeitet dann wohl für eine Bande von "saints de l'apparence". Aber scheinheilig zu sein - wie es die gelackmeierte Liga der Bayern-Führung und speziell Uli Hoeneß gerade vorhält - ist für diese Giganten sicher ein Peanuts-Problem.

In ihrer Welt sind Kritiker Neider und jene, die finden, es sollten für alle die gleichen Statuten der Liga gleich ausgelegt werden, sind undankbare Kleinkrämer, die nicht bedenken, dass der große FC Bayern bei ihnen eines Tages mal ein Benefizspiel machen könnte, falls sie überflutet werden oder auf andere Weise in Schlammassel geraten. Merke: Wer Geld hat, darf anderen seinen Altruismus täglich um die Ohren hauen, selbst wenn der nicht zuletzt ein hypokritisches Imagetool ist.

Harte Hunde, weiche Birne

Eher traurig sind Trainer, die als harte Hunde angekündigt werden und dann zutraulich jedem alles erzählen. Man kann es Thomas Hörster gar nicht vorwerfen. Im Rausch eines Spieles, in dem seine Bayer-Elf erst "grottig" (Hörster) auftrat, dann in letzter Minute absurderweise gewann (in Hannover war es), deshalb nun nicht Letzter, sondern 14. ist, verriet er arglos seine Tricks: Aerobic statt Auslaufen und "so'n Mann", der den Spielern "in besonderen Situationen Atmungstechniken" beibringt.

In Leverkusen sollte wohl mal jemand, der für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, dem armen Trainer beibringen, wie er sich in der besonderen Situation des öffentlichen Auftritts äußern soll. Nämlich: nie, nie, nie esoterisch.

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Und der Höhepunkt der närrischen Tage kommt erst. Es wird also noch wilder werden. Giovane Elber setzt seinen Zehn-Punkte-Vorsprung-Verein FC Bayern dafür unter irre Spannung: "Jetzt kommen schwere Aufgaben." Damit meint er mitnichten moralische oder finanzielle Aufräumarbeiten wegen der geheimen Kirch-Millionen. Nein, er meint es sportlich: "Wir spielen jetzt gegen Cottbus, das ist ein Topspiel."

Hätte man die letzten vier Wochen verträumt in der "wunderschönen Lebensqualität" (Energie-Torwart André Lenz) von Cottbuser Grünanlagen, ("wenn man grün mag", wieder Lenz), verbracht, dann würde man ob dieser Mitteilung denken, da habe ein "Monstre de la tête" gesprochen, das unter Arenaphobie sowie Problemen mit der Atmungstechnik leidet und wieder mal zu wenig Kuchen abbekommen hat. Oder so ähnlich.

Aber Elber sagt nichts als die Wahrheit, wie alle Fußballjecken wissen. Zwei Tage vor Rosenmontag wird Cottbus gegen Bayern das einzig wahre Spitzenspiel sein. Was soll man da noch sagen? Der Schweiger aus Dortmund hat Recht. "Fußball ist komisch geworden."

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