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11.06.2003
 

EM-Qualifikation

DFB-Team knapp an Pleite vorbei

In der Partie auf den Färöern wollte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Serie nicht gewonnener EM-Qualifikationsspiele beenden. Beinahe wäre das Vorhaben misslungen. Die Freizeitkicker von der Atlantik-Insel hielten lange gegen die Millionenprofis mit.

Immer sehenswert: Miroslav Kloses Salto nach einem Volltreffer
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Immer sehenswert: Miroslav Kloses Salto nach einem Volltreffer

Torshavn - Vizeweltmeister Deutschland hat in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 am Mittwochabend mit großer Mühe ein 2:0 (0:0) auf den Färöern und damit den ersten Sieg nach zwei Unentschieden in Folge erreicht.

Vier Tage nach dem 1:1 in Schottland verhinderten der eingewechselte Miroslav Klose (89.) und Fredi Bobic (90.) eine Blamage des DFB-Teams gegen den 113. der offiziellen Fifa-Weltrangliste. Deutschland (11 Punkte) verteidigte mit dem dritten Sieg in der EM-Qualifikation die Spitzenposition in der Gruppe 5 vor Island (9), das in Litauen ein 3:0 (0:0) erreichte.

Vor 6500 Zuschauern im ausverkauften Törsvöllur-Stadion und zahlreichen Zaungästen auf den umliegenden Hügeln stellte die deutsche Mannschaft mit einer desolaten Vorstellung einmal mehr unter Beweis, dass sie ein Jahr nach der Vizeweltmeisterschaft kein Spitzenteam mehr ist. "Wir wollten nach dem Schottland-Spiel etwas gut machen. Das ging dann mit der Brechstange, aber ab und zu gab es auch ein paar gute Spielzüge", sagte Völler, dessen Mannschaft schon im Hinspiel (2:1) große Probleme mit den Feierabendfußballern hatte.

"Nicht nur punkten, sondern auch attraktiv spielen"

"Die Jungs haben es ein bisschen spannnend gemacht, aber ich kann der Mannschft keinen Vorwurf machen. Vielleicht waren wir in der ersten Halbzeit etwas zu behäbig, aber im zweiten Durchgang haben wir so viel Druck gemacht, dass wir fast ohne Torwart spielen konnten", fügte der DFB-Teamchef hinzu, "insgesamt bin ich mit dem Jahr nach der Vize-Weltmeisterschaft auch nicht zufrieden. Wir haben in einigen Spielen enttäuscht und spielerische Klasse vermissen lassen. Wir müssen nicht nur punkten, sondern auch attraktiv spielen."

Fünf Siege, vier Unentschieden und zwei Niederlagen erreichte die deutsche Elf im Jahr nach dem verlorenen WM-Finale von Yokohama gegen Brasilien (0:2). Die neue Länderspielsaison beginnt am 20. August mit einem Testspiel gegen Italien in Stuttgart. Am 6. September steht das nächste EM-Qualifikationsspiel gegen Island in Reykjavik an, ehe vier Tage später die Schotten zum Rückspiel in Dortmund antreten.

Michael Ballack musste passen

Kurzfristig hatte die deutsche Mannschaft in Torshavn auf Michael Ballack verzichten müssen. Bei dem 26-Jährigen vom FC Bayern, für den der Dortmunder Sebastian Kehl ins Team rückte, hatten sich am Dienstagabend erneut Beschwerden in der Wade eingestellt, die sich auch durch die intensive Behandlung am Spieltag nicht besserten. "Die Muskulatur ließ sich nicht wieder lockern", sagte Bundestrainer Michael Skibbe.

Ohne ihren Spielmacher rannte die Völler-Elf gegen die häufig mit zehn Spielern verteidigenden Gastgeber geradezu erschreckend ideen- und konzeptlos an. Wie schon in Glasgow gegen Schottland zeigte die Mannschaft technische Unzulänglichkeiten, die nicht allein mit der mangelnden Qualität des Rasens zu begründen waren.

Harter Kampf: Sebastian Kehl (r.) im Duell mit Johannis Joensen
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Harter Kampf: Sebastian Kehl (r.) im Duell mit Johannis Joensen

Trotz deutlicher Feldvorteile gelang es der Mannschaft nur äußerst selten, den Ball über mehr als drei Stationen laufen zu lassen. Kehl und Bernd Schneider waren als Ballack-Vertreter völlig überfordert. Und auch von den Flügeln kam wie schon in Glasgow nichts Verwertbares. Paul Freier, der den gelb-gesperrten Torsten Frings vertrat, und Tobias Rau unterstrichen, dass ihnen noch die internationale Reife fehlt.

Im Sturm strahlte nur Bobic Torgefahr aus. Der Noch-Hannoveraner hatte gleich zwei Mal mit Pfostenschüssen Pech. An seiner Seite erwies sich der für den formschwachen Klose ins Team gekommene Oliver Neuville nicht unbedingt als Gewinn. In der 23. Minute hätte Färöer-Keeper Jakup Mikkelsen Bobic den Ball mit einem völlig missglückten Abschlag beinahe maßgerecht zum 1:0 aufgelegt, doch der künftige Hertha-Stürmer scheiterte am Innenpfosten.

Kahn musste zur Pause raus

Erneut Pech hatte Bobic kurz vor der Pause, als sein Kopfball gegen den Pfosten gelenkt wurde. Anschließend rutschte Christian Wörns ("Wir haben gewonnen, und alleine das zählt") an einer Rau-Flanke vorbei. Dass die deutsche Abwehr jederzeit auf der Hut sein musste, wurde im Gegenzug deutlich, als Kehl im letzten Moment vor Rogvi Jacobsen zur Ecke klären konnte. Danach war die Partie für Oliver Kahn beendet.

Wegen Sehstörungen räumte der an einer Bindehautentzündung laborierende Münchner in seinem 60. Länderspiel nach der Pause seinen Platz zwischen den Pfosten für Frank Rost. "Wenn man 90 Minuten auf ein Tor spielt und der Ball geht nicht rein, ist das zum Verzweifeln. Aber was willst du machen, solche Spiele hat es schon zu Hunderten gegeben", sagte Kahn, "dieses Ergebnis geht mehr als in Ordnung."

"Wir haben mit Herz gespielt"

Als bei den Insel-Kickern die Kräfte nachließen, setzten sich die Deutschen regelrecht am Strafraum der Gastgeber fest. Mit der Einwechslung von Klose für Jens Jeremies setzte Völler ("Uns war vorher klar, gegen solche Mannschaften wie die Färöer wirst du immer Chancen im Verhältnis von 8:1 oder 10:2 haben") ganz auf Offensive. Doch vorerst gelang dem deutschen Team kein Tor. In der 65. Minute prallte ein Schuss des Leverkuseners Carsten Ramelow aus 16 Metern vom Pfosten ins Feld zurück.

Erst Klose und Bobic war es dann vergönnt, Deutschland vor einer weiteren Enttäuschung zu bewahren. "So ein Spiel habe ich selten erlebt. Es war wie zu Hause in einem Pokalspiel gegen Amateure, wo man pausenlos anrennt. Ich habe es am Ende fast selbst nicht mehr geglaubt", gestand Bobic. Wenigstens einer in Torshavn war mit dem Spiel sehr zufrieden: Färöer-Trainer Henrik Larsen. "Wir haben mit Herz gespielt und der Welt gezeigt, dass wir mit den Besten mithalten können", freute sich der Däne.

Färöer - Deutschland 0:2 (0:0)
0:1 Klose (89.)
0:2 Bobic (90.)
Färöer: Mikkelsen (Molde FK/32/30) - Joensen (FS Vagar/22/16), Johannesen (Hvidovre Kopenhagen/31/61), Jón Rói Jacobsen (Brøndby Kopenhagen/20/12), Christian Høgni Jacobsen (Vejle BK/23/17 - 77. Jann Ingi Petersen/B68 Toftir/19/4), Thorsteinsson (B36 Torshavn/29/28) - Borg (B36 Torshavn/23/28 - 61. Elttør/KI Klaskksvik/20/8), Johnsson (B36 Torshavn/28/51), Benjaminsen (B68 Toftir/25/22), Røgvi Jacobsen (HB Torshavn/23/21) - John Petersen (B36 Torshavn/31/47)
Deutschland: Kahn (Bayern München/33/60 - 46. Frank Rost/FC Schalke 04/29/4) - Friedrich (Hertha BSC/24/10), Ramelow (Bayer Leverkusen/29/40), Wörns (Borussia Dortmund/31/47) - Freier (VfL Bochum/23/11), Jeremies (Bayern München/29/40 - 65. Klose/1.FC Kaiserslautern/27/15), Kehl (Borussia Dortmund/23/18), Rau (VfL Wolfsburg/21/5 - 72. Hartmann/Hertha BSC/28/2) - Schneider (Bayer Leverkusen/29/26) - Bobic (Hannover 96/31/26), Neuville (Bayer Leverkusen/30/43)
Schiedsrichter: Wegereef (Niederlande)
Zuschauer: 6500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Christian Høgni Jacobsen, Benjaminsen, Borg / Ramelow, Rau, Neuville

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