Von Adrian Schimpf, Guildford
Für Bill war es ein gelungenes Wochenende. Bill ist der Hausmeister der Shopping Passage, auf dessen Dach meine Wohnung liegt. Am Freitag konnte sich Bill einen lästig-nörgeligen Deutschen vom Hals schaffen: mich. Meine Power Shower war vor drei Wochen kaputt gegangen, was mich sanitär auf den Stand des frühen Mittelalters zurückgeworfen hatte. Ohne Power Shower ist nämlich exakt Null bar Wasserdruck auf der Leitung. Das ist in England nicht weiter ungewöhnlich, macht aber das Duschen zu einer zeitraubenden und unerfreulichen, weil müde vor sich hin tröpfelnden Angelegenheit.
Erfolgslauf, mit dem niemand gerechnet hätte
Dann passierte drei Wochen nichts. Ich grantelte vor mich hin, aber Bill hatte eine feine Nase dafür und lief mir nicht über den Weg. Am Freitag letzter Woche jedoch war das Ersatzgerät endlich da, und nach dem Abschlagen weiterer Kacheln und einer Inspektion der auf dem Flachdach meiner Wohnung verlegten Kabelage strotzt es jetzt wieder in meiner Nasszelle vor Kraft. Ich muss unbedingt daran denken, Bill alsbald eine Flasche guten Whisky zu besorgen, denn die Lebenszeit der Pumpen ist kurz und die ganzen Kacheln müssen ja auch noch wieder rangeklebt werden.
Schon einen Tag nach der erfolgreichen Dusch-OP und dem damit ruhig gestellten Deutschen konnte Bill das zweite äußerst angenehme Ereignis für sich verbuchen. Sein FC Fulham gewann nämlich auswärts bei Manchester United. Nicht irgendwie, sondern selbst nach Einschätzung von ManU-Chefcoach Alex Ferguson völlig verdient, auch in dieser Höhe. Nun klingt 1:3 nicht so dramatisch, ist aber tatsächlich die höchste Liga-Heimpleite seit fast drei Jahren für die Jungs von Old Trafford.
Der FC Fulham hat augenblicklich einen Erfolgslauf, mit dem niemand gerechnet hätte. In der letzten Saison quälte sich die Mannschaft im unteren Mittelfeld herum und die meisten Spiele waren so inspirierend wie ein düsterer Novembersonntag. Irgendwann reichte es dann dem ägyptischen Clubchef Al Fayed und der bisherige Cheftrainer Jean Tigana musste gehen. Der Franzose Tigana ist ein netter Mensch, und dabei so schmächtig und artig bemüht, dass sogar die skrupellosesten Boulevardschmierfinken eine leichte Beißhemmung hatten.
"Niedlich, niedlich, niedlich!"
Geld für einen Startrainer war jedoch keins in der Kasse, vor allem weil Vereinseigentümer Al Fayed die rechte Lust an seinem Spielzeug verloren hatte. Und so entschied man sich für die billigste Lösung und verpflichtete den Interimstrainer, der zunächst als Notnagel das Training des Londoner Clubs übernommen hatte. Allerdings hatte sich der Notbehelf Chris Coleman als äußerst erfolgreich erwiesen und in den letzten fünf Spielen der abgelaufenen Saison formidable zehn Punkte eingefahren.
Den Fans, vor allem den weiblichen, war die Wahl recht. In Internetforen und Message Boards kursieren zu Hauf Aussagen über Coleman wie "Er ist sexy, oder? Schade, dass ich Chelsea-Fan bin!" oder einfach nur "Niedlich, niedlich, niedlich!" Und in der Tat kann man dem obersten Sportlehrer beim FFC einen jungenhaften Charme nicht absprechen. Den männlichen Anhängern ist dies eher schnurz, aber auch bei diesen hatte der Waliser Coleman schon einmal einen kleinen Stein im Brett, denn Coleman war ein Fulham-Spieler gewesen, bevor ein Autounfall im Jahre 2001 seine Karriere frühzeitig beendete. Trotzdem blieb Coleman bei den Londonern und avancierte schließlich über den Jugend- zum Assistenztrainer. Seine Loyalität zum Verein stand damit außer Frage.
Nur die Berufssauertöpfe von der Presse fanden mal wieder ein Haar in der Suppe und kreideten Coleman die mangelnde Erfahrung als Cheftrainer an. "Der wird hier nicht alt!" unkten sie in Anspielung auf seine 33 Lenze, die Coleman bei seiner Verpflichtung zählte und damit der jüngste Premiership-Chefcoach war. "Und der jüngste, der je gefeuert werden wird", orakelten die Kritiker der Entscheidung.
Listiger Motivationstrick
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