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28.02.2004
 

Razzien bei Fußballclubs

Berlusconi wittert Verschwörung

Die Durchsuchungen aller Erst- und Zweitligaclubs durch die Staatsanwaltschaft sorgt bei Silvio Berlusconi für Empörung. Der italienische Regierungschef und Präsident des AC Mailand spricht von einem Amoklauf der Justiz. Die Ermittler wiesen die Vorwürfe zurück.

Silvio Berlusconi: "Keine willkürlichen Maßnahmen"
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DPA

Silvio Berlusconi: "Keine willkürlichen Maßnahmen"

Rom - "Italien droht ein Polizeistaat zu werden. Diese Operation, die alle Clubs der ersten und zweiten Liga betrifft, kommt mir seltsam vor", sagte Berlusconi auf einer Pressekonferenz am Freitagabend, "als Sportliebhaber hoffe ich, dass alles in Ordnung ist. Als Liberaler denke ich, dass es in einem Rechtsstaat keine willkürlichen Maßnahmen geben darf."

Staatsanwalt Ettore Torri, der die Ermittlungen gegen die Fußballclubs führt, reagierte auf Berlusconis verbale Attacke mit Verwunderung. "Die Durchsuchungen wurden auf Grund fundierter Beweise, dass gravierende Vergehen begangen worden sind, durchgeführt", sagte Torri nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Die Polizei, die am Donnerstag auch den Mailänder Sitz der Fußball-Liga und das römische Büro des Verbandes durchsucht hatte, beschlagnahmte die Bilanzbücher der Fußballclubs. Ermittler Torri vermutet, dass bei vielen Tansfers mit geschönten Zahlen operiert wurde, um die Bilanzen aufzupeppen. Zu den dubiosen Wechseln nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zählt etwa der Transfer des argentinischen Stürmers Hernan Crespo für 56,5 Millionen Euro vom AC Parma zu Lazio Rom im Jahr 2000.

Viele Clubs kurz vor der Pleite

Die Untersuchungen sollen auf ganz Europa ausgedehnt werden. Geprüft wird unter anderem der Tranfers von Crespos Landsmann Juan Sebastian Veron 2001 von Lazio zu Manchester United für 46,3 Millionen Euro. Auch das römische Parlament verlangt Klarheit über den finanziellen Stand der italienischen Fußballvereine. Innerhalb der nächsten 14 Tage beginnen im Parlament die Anhörungen mit Vetretern der Sportspitzenverbände. Zum 30. Juni 2003 drückten die 18 Serie-A-Clubs Schulden von insgesamt 413 Millionen Euro.

Um die Clubs vor dem Zusammenbruch zu retten, hatte Berlusconi vor einem Jahr ein so genanntes "Schulden-Dehngesetz" für den italienischen Fußball erlassen, gegen das die EU-Kommission in Brüssel Gerichtsverfahren eingeleitet hat. Wettbewerbskommissar Mario Monti hält das Gesetz für verfassungswidrig: "Es besteht der konkrete Verdacht, dass das Gesetz de facto eine Staatshilfe für die Clubs ist."

Durch das Gesetz bekamen die Clubs zehn Jahre Zeit, um ihre durch den Verfall der Spielerpreise in die Höhe geschnellte Schuldenlast in Raten abzuzahlen. Ohne das neue Gesetz hätten die Vereine ihre negativen Bilanzen durch frisches Geld noch vor Beginn dieser Meisterschaft ausgleichen müssen, um die neue Spiellizenz zu erlangen. Dazu wären die meisten Clubs aber nicht in der Lage gewesen.

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