Almancil/Hamburg - Während Mayer-Vorfelder sich noch immer im deutschen EM-Quartier im portugiesischen Almancil aufhält, formiert sich in der Heimat Widerstand gegen den allmächtigen DFB-Boss. Mayer-Vorfelder stehe vor dem Sturz, behauptet das "Hamburger Abendblatt". Dem 71-Jährigen wird vorgeworfen, den Verband nach Gutsherrenart zu führen und selbstherrlich zu bestimmen, wer Nachfolger des zurückgetretenen Völler werde.
Mayer-Vorfelder hatte die Auswahl des neuen Bundestrainers zur "Chefsache" gemacht und damit klargestellt, dass auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit ihrem Präsidenten Werner Hackmann kein Wort bei der Entscheidung mitreden dürfe. Die Entscheidungsträger des deutschen Fußballs fühlten sich von Mayer-Vorfelder vorgeführt. Nicht nur die Wiederwahl Mayer-Vorfelders als DFB-Chef im Oktober sei unwahrscheinlich, berichtet die Zeitung. Dem früheren CDU-Politiker und Minister in Baden-Württemberg drohe der sofortige Sturz. Im Namen der Bundesligaklubs hat Hackmann bereits erklärt, dass Mayer-Vorfelder die Entscheidung über den Völler-Nachfolger nicht allein treffen dürfe.
Seit einem Gespräch am Freitag habe er von Mayer-Vorfelder nichts mehr zu dem Thema erfahren, monierte Hackmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Das halte ich im Namen der Liga für nicht hinnehmbar. Das ist keine angemessene Beteiligung", sagte Hackmann am Montag in Portugal. Mayer-Vorfelders Verhalten passe "in das Bild der letzten Monate".
Die Deutsche Fußball Liga habe "die klare Erwartung, dass der Präsident mit Ottmar Hitzfeld ernsthaft verhandelt", so Hackmann weiter. Es dürften aber keine Bedingungen gestellt werden, "die es Hitzfeld unmöglich machen". Gleichzeitig äußerte der Liga-Vorstand "erhebliche Bedenken in Richtung Christoph Daum".
In der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main halte sich seit Tagen hartnäckig das Gerücht, dass die Führung des FC Bayern München noch mehr Einfluss als ohnehin schon beim DFB nehmen, heißt es im "Abendblatt" weiter. Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, der die WM 2006 in Deutschland organisiert, setzt auf den früheren Bayern-Coach Hitzfeld. Vor allem aber geht es der Bundesliga und an vorderster Front den Münchnern darum, einen Bundestrainer Daum zu verhindern, auch wenn manche von Hitzfeld nicht eindeutig überzeugt seien.
Bayern-Manager Uli Hoeneß warnt Mayer-Vorfelder bereits. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Präsident den Namen Daum in den Mund nimmt", wird er in der "Bild"-Zeitung zitiert. Hoeneß war in der Kokain-Affäre Daums vor vier Jahren der große Gegenspieler des jetzigen Meister-Trainers von Fenerbahce Istanbul.
Die deutschen Fußballbosse sind offenbar zunehmend besorgt, dass Mayer-Vorfelder sich noch immer nicht von Daum distanziert hat. Im Gegenteil: Mayer-Vorfelders Büroleiter Jan Lengerke sagte am Wochenende über Daum: "Er ist ein hervorragender Trainer, seine Fehler liegen in anderen Bereichen." Daum hatte während der Kokain-Affäre die ganze Bundesliga mit einer Mischung aus Verschwörungstheorie und Lügen hinters Licht geführt ("Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe").
Im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) sprach sich mit Nationalspieler Jens Nowotny (Leverkusen) ein von Daum damals trainierter Kicker für den Coach aus: "Wir sind eine Gesellschaft, in der man sagt, jeder sollte eine zweite Chance bekommen." Daum sei "mit der beste Trainer" für ihn gewesen.
Mit Hitzfeld hat Mayer-Vorfelder immerhin schon Kontakt aufgenommen: Nach einem Telefongespräch traf der DFB-Präsident den Ex-Bayern-Coach am Wochenende zu ersten Verhandlungen.
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