Frankfurt am Main - Nach der Absage von Otto Rehhagel steht der DFB mit leeren Händen da. Die am vergangenen Montag eingesetzte Trainerfindungskommission mit Franz Beckenbauer an der Spitze muss wieder bei Null anfangen. "Wir hatten uns ganz auf Rehhagel fokussiert. Einen Plan B gibt es nicht", sagte Beckenbauer und brachte das Dilemma des DFB auf den Punkt: "Wir versuchen es ja, aber potenzielle Bundestrainer stehen nicht gerade Schlange. Die Guten stehen zudem alle unter Vertrag. Wir müssen jetzt bei einigen erstmal die grundsätzliche Bereitschaft abklopfen, ehe wir in konkrete Verhandlungen einsteigen."
Allerdings schob Beckenbauer Ungarns derzeitigen Nationaltrainer Lothar Matthäus, der zuletzt immer wieder öffentlich sein Interesse signalisiert hatte, in den Vordergrund: "Lothar Matthäus wird bei unseren nächsten Gesprächen sicher ein Thema sein", sagte Beckenbauer am Sonntagabend in der ARD. Man wolle "in den nächsten Wochen, und wenn die Zeit nicht reicht in den nächsten Monaten, den richtigen Mann finden", so Beckenbauer. Ob bis zum ersten Länderspiel der neuen Saison, am 18. August gegen Österreich, ein Nachfolger für Rudi Völler präsentiert werden kann, bleibt weiter fraglich.
"Man kennt ja die üblichen Kandidaten. Sie müssen deutsch sprechen können. Wir werden jetzt in ein Raster gehen", kündigte Beckenbauer an, der am Samstag in einem längeren Telefonat mit Rehhagel die Absage bekam. Der EM-Triumphator will seinen Vertrag bei Europameister Griechenland erfüllen und die Hellenen erfolgreich durch die Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland bringen. "Er hat uns um Verständnis gebeten. Rehhagel hat in den letzten drei Jahren aus dem Nichts eine Mannschaft aufgebaut und will diese nicht im Stich lassen. Ich war dennoch überrascht, weil ich von Anfang an seine Bereitschaft gespürt hatte", erklärte Beckenbauer, der ebenso betonte, dass es bei der Suche nach einem neuen Kandidaten "keinen Schnellschuss" geben werde.
In Zukunft soll die Trainer-Debatte hinter verschlossenen Türen und nicht via Medien stattfinden. "Die Chancen, einen Trainer zu finden, sind umso größer, je weniger über ihn in der Zeitung steht", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, "deshalb werden wir auch nicht über Namen spekulieren. Grundsätzlich wird man nie einen Trainer finden, der nicht irgendwo einen Makel hat."
Bis dahin werden die Spekualtionen dennoch nicht abreißen. Neben Matthäus hat auch Kameruns deutscher Auswahlcoach Winfried Schäfer sein Interesse bekundet. Auch Freiburgs Trainer Volker Finke soll weiterhin auf der Liste des DFB stehen. Zudem bleiben der dänische Nationaltrainer Morten Olsen sowie der Niederländer Guus Hiddink vom PSV Eindhoven trotz ihrer laufenden Verträge im Gespräch.
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