Frankfurt am Main - "Die Tendenz heute ist: Es wird ein Ausländer", sagte Franz Beckenbauer als Sprachrohr der vierköpfigen Trainerfindungskommission (TFK) des DFB der "Bild"-Zeitung. Das Gremium mit Beckenbauer, DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Verbands-Generalsekretär Horst R. Schmidt und Ligachef Werner Hackmann hatte am Dienstag rund drei Stunden in der DFB-Zentrale in Frankfurt getagt, war anschließend aber zu keiner Stellungnahme bereit. "Bild"-Kolumnist Beckenbauer verriet am Mittwoch jedoch in seiner Hauspostille: "Wir haben uns auf einen Arbeitsplan verständigt. Möglich, dass schon Mittwoch oder Donnerstag erste Resultate vermeldet werden können."
Durch diese Aussagen nährte der WM-OK-Präsident die Spekulation über den Niederländer Guus Hiddink, der angeblich nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel der Top-Favorit auf die Nachfolge von Völler sein soll. "Den könnte ich mir gut vorstellen", so Beckenbauer. Der 57-jährige Hiddink steht allerdings beim PSV Eindhoven als Trainer und Sportdirektor noch bis 2007 unter Vertrag. Auch der dänische Nationaltrainer Morten Olsen bleibt im Gespräch.
"Es ist immer schön, wenn Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer so über einen sprechen", sagte Hiddink der Tageszeitung "Die Welt" und wischte zudem jegliche Zweifel vom Tisch, dass es zu einem Problem werden könnte, wenn ausgerechnet ein Coach aus den Niederlanden den Rivalen Deutschland betreuen würde: "Warum nicht, jetzt sind alle Länder europäisch." Auf die Frage, ob er schon Kontakt zu Beckenbauer gehabt habe, meinte der Erfolgstrainer vieldeutig: "Kein Kommentar."
"Die Gespräche laufen an"
Noch nie hat der DFB das höchste Traineramt im Lande an einen Ausländer vergeben. Doch die Pleitenserie in den vergangenen Wochen mit demn Absagen von Hitzfeld und Rehhagel hat die Verantwortlichen zum Umdenken gezwungen. Nun wird in der TFK ein Modell favorisiert, das in anderen Ländern längst erfolgreich praktiziert wird. "Wir haben uns über das Verfahren verständigt. Die Gespräche laufen jetzt an", verriet Hackmann geheimnisvoll.
In Portugal führte Rehhagel die Griechen zum sensationellen Titelgewinn, der Brasilianer Luis Felipe Scolari erreichte mit Gastgeber Portugal das Finale. Selbst das Mutterland des Fußballs brach vor drei Jahren mit den über ein Jahrhundert alten Traditionen - seither schwingt mit dem Schweden Sven-Göran Eriksson erstmals kein Brite das Zepter als Nationalcoach.
In Deutschland waren ausländische Fachkräfte bislang nur auf Vereinsebene gefragt. Trainer wie Ernst Happel (Hamburger SV), Branco Zebec und Giovanni Trapattoni (beide Bayern München) feierten mit ihren Mannschaften auf nationaler und internationaler Ebene große Erfolge. Derzeit sind in der Bundesliga mit dem Niederländer Bert van Marwijk (Borussia Dortmund), dem Belgier Erik Gerets (VfL Wolfsburg) und dem Österreicher Kurt Jara (1. FC Kaiserslautern) drei Ausländer beschäftigt.
Beckenbauer und Völler waren jünger als Matthäus
Doch auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bleibt laut Beckenbauer weiter im Rennen um die Völler-Nachfolge: "Wir sind froh über Kandidaten, die zu haben sind." Matthäus selbst führte in seiner "Sport Bild"-Kolumne an, dass die Einwände gegen seine Person aufgrund seines Alters schlichtweg Unsinn seien: "Da möchte ich nur bemerken, dass Franz Beckenbauer 39 war, als er 1984 den Posten des Teamchefs übernahm, und Rudi Völler war vor vier Jahren 40. Ich wäre also, würden sich die Herren des DFB für mich entscheiden, mit 43 Jahren mit Abstand der Älteste von uns dreien."
Nach Informationen des Kölner "Express" soll Beckenbauer aber auch noch weiter Ottmar Hitzfeld zum Umdenken bewegen. "Franz Beckenbauer wird mit ihm noch einmal reden. Er ist nun einmal die beste Lösung. Man sollte ihm jetzt Zeit zum Durchatmen geben", sagte der bayrische Verbandschef Heinrich Schmidhuber dem Blatt nach einem Treffen mit Beckenbauer in Frankfurt.
HItzfeld sagt auch für 2005 ab
Doch für Hitzfeld kommt ein Dienstantritt als Bundestrainer auch zum 1. Januar 2005 nicht in Frage. "Ich kenne mich doch: Sobald ich zusage, stürze ich mich in die Arbeit. Ich könnte nicht einfach abschalten und dann 2005 als Bundestrainer anfangen", sagte Hitzfeld der "Bild"-Zeitung: "Das geht nun mal nicht. Deshalb kann ich den Job jetzt nicht machen, leider."
Angeblich hatte die Trainerfindungskommission (TFK) des DFB den Plan, Hitzfeld trotz seiner Absage am 1. Juli noch einmal zum Umdenken zu bewegen. Danach hätte in den sieben Länderspielen 2004 sein langjähriger Assistent Michael Henke die Nationalelf übergangsweise betreuen sollen. Diese Variante hatte Borussia Dortmunds Manager Michael Meier ins Spiel gebracht.
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