Köpkes größte Tat: Im EM-Halbfinale 1996 hält er den Elfmeter des Engländers Southgate
Hamburg - Nicht nur Oliver Kahn und Jens Lehmann müssen die Grundregel des neuen Kurses von Jürgen Klinsmann in der DFB-Auswahl ohne Murren akzeptieren.
"Es wird vor dem nächsten Länderspiel eine kurze und klare Ansprache geben, dass sich alle Spieler an gewisse Prinzipien zu halten haben. Wer es nicht befolgt, der wird es auch zu spüren bekommen", erklärte heute Teammanager Oliver Bierhoff.
Wer sich öffentlich über Mitspieler äußere und Forderungen stelle, für den sei kein Platz in der Gemeinschaft Nationalmannschaft, machte die neue Sportliche Führung klar. Auch Kahn und Lehmann dürfte spätestens nach dem Aus für Weltmeister Maier klar sein, dass Klinsmann auch vor großen Namen keinen Halt macht. "Respekt und alles in den Dienst der Mannschaft zu stellen", nannte Bierhoff als Grundvoraussetzung für das Miteinander in den kommenden Monaten.
Keiner darf das große Ziel WM-Sieg 2006 gefährden. So ist das Aus für Maier zu bewerten. "Menschlich war es eine schwere Entscheidung, aber wir haben ein Problem gelöst, deshalb ist auch eine gewisse Erleichterung dabei», meinte Bierhoff. "Richtig so", kommentierte der designierte geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger im SWR die Trennung von Kahn-Lobbyist Maier. "Klinsmanns Konzept der Geradlinigkeit wird vom DFB voll unterstützt, da lassen wir uns auch von Äußerungen des Ehrenspielführers Lothar Mattäus nicht beeindrucken", unterstrich DFB-Pressesprecher Harald Stenger, nachdem Matthäus den rigorosen Kurs von Klinsmann scharf kritisiert hatte.
Zwar mache er sich in Sachen Disziplin "eigentlich keine Sorgen in der Mannschaft", betonte Bierhoff. Dennoch werden die Nationalspieler im Vorfeld des nächsten Länderspiels am 17. November in Leipzig gegen Kamerun die Verhaltensnormen auch in Form eines Pflichtenheftes schriftlich bekommen. "Achtung und Respekt sind die gemeinsame Basis", erklärte Klinsmann, der mit den Degradierungen von DFB-Direktor Bernd Pfaff, Ex-Bundestrainer Michael Skibbe und des ehemaligen U21-Coaches Uli Stielike seine harte Linie demonstriert hatte.
"Man muss sich neutral verhalten"
Mit Andreas Köpke wird nun neben Klinsmann, Bierhoff und U21-Trainer Dieter Eilts wahrscheinlich ein weiterer Europameister von 1996 in den engeren Führungszirkel rücken. Heute stand ein Telefonat von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mit Köpke auf dem Programm, dem sich schnell ein Meeting mit Bierhoff anschließen soll. Die abschließenden Verhandlungen wird neben dem DFB-Chef auch Generalsekretär Horst R. Schmidt führen. "Das hängt nicht von einem Tag ab. Aber es wäre schön, wenn wir bis zum DFB-Bundestag einen Abschluss präsentieren können", so Bierhoff.
Der 42-jährige Köpke, der 59-mal im Nationalteam, 346-mal in der Bundesliga und 68-mal für Marseille im Tor stand, umriss bereits seine Vorstellungen über das mögliche Arbeitsgebiet im DFB. "Es wird wesentlich komplexer werden, als es Sepp Maier gemacht hat", sagte er. So könnte er sich eine Mitverantwortung in der U21 und im Team 2006 vorstellen.
Als Friedensstifter im Torwartstreit sieht sich Köpke aber nicht. "Da muss der Jürgen klärend eingreifen. Ich will mit den Torhütern professionell arbeiten, da muss man sich schon neutral verhalten", sagte er. Köpke will "nicht vorhersagen, ob Oliver Kahn, Jens Lehmann oder Timo Hildebrand bei der WM zwischen den Pfosten stehen wird", aber zwischen den Pfosten gebe es ohnehin die wenigsten Probleme. "Auf jeden Fall wird es ein sehr guter Torhüter sein", so Köpke.
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