Turin - Deisler flog am Abend nach München zurück, um sich dort erneut am Max-Planck-Institut für Psychiatrie behandeln zu lassen. Der Mittelfeldspieler, der bereits im November 2003 wegen Depressionen ärzliche Hilfe in Anspruch genommen hatte und für fünf Monate ausgefallen war, verließ nach einem Gespräch mit Trainer Felix Magath und Manager Uli Hoeneß überraschend das Mannschaftshotel und trat die Heimreise an.
"Er hat mich nach dem Mittagessen zu einem Gespräch gebeten und gesagt, dass er sich nicht wohl fühlt. Er wird am Dienstag zur Behandlung zu Professor Florian Holzboer gehen", sagte Hoeneß am Montagabend beim Abschlusstraining im Stadio delle Alpi. Holsboer hatte Deisler bereits vor elf Monaten betreut. "Seit Wochen habe ich gewisse Anzeichen gesehen. Zuletzt in einem Gespräch hat er mir jedoch signalisiert, dass alles o.k. ist. Nun ist es eben wieder ausgebrochen", so der Manager weiter.
Eine Parallele zu Deislers monatelangem Ausfall wollte Hoeneß jedoch nicht ziehen: "Es ist nicht akut, sonst hätten wir ihn nicht alleine fliegen lassen", erklärte der Manager. Für Trainer Magath war der 24-Jährige schon vor dessen Abreise das Sorgenkind im Team. Der "Welt" sagte der Coach: "Es ist schade, dass ich nicht verhindern konnte, dass er in eine solche Drucksituation gekommen ist, die ihm nun schadet. Es wäre von Anfang an wichtig gewesen, dass Deisler Zeit bekommt, um sich zu stabilisieren. Jetzt ist er verunsichert."
Am morgigen Dienstag tritt der Rekordmeister, der zuletzt eine 0:1-Heimpleite gegen Schalke 04 hinnehmen musste, in der Champions League beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin an.
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