Rom - "Zu viele Faschisten besuchen die italienischen Stadien, jetzt wissen wir, dass sie auch auf dem Spielfeld sind", schimpfte der Chef des Sportausschusses des römischen Gemeinderats und KP-Mitglied Enzo Foschi über den Di-Canio-Eklat. Der 36-Jährige hatte sich nach seinem Treffer zum 1:0 im Stadtduell gegen AS Rom (3:1) am vergangenen Donnerstag vor Lazios Fankurve mit ausgestrecktem rechten Arm aufgebaut und damit Assoziationen zum Faschismus geweckt. Auf besagtem Arm hat Di Canio das Wort Dux (lateinisch: Führer) tätowiert. Die Kommunistische Partei (KP) Italiens fordert deshalb ein Strafverfahren gegen den Lazio-Kapitän. Propaganda für den Faschismus wird in Italien zivilrechtlich verfolgt.
Unterdessen war man bei Lazio darum bemüht, den Vorfall klein zu reden. Clubchef Claudio Lotito verteidigte seinen Profi. "Er ist kein Faschist, wie jemand behauptet. Er ist nur ein feuriger Spieler, der für sein Tor gejubelt hat", sagte der Vorsitzende. Lotito warnte vor einer politischen Instrumentalisierung Di Canios, der zwar politisch Sympathie für die Rechte habe, dem Faschismus jedoch keineswegs nachtrauere. Dieselbe Ansicht vertrat Lazio-Trainer Giuseppe Papadopulo. "Di Canio hat instinktiv sein Tor gefeiert. Seine Geste hat nichts mit Politik zu tun", so der Coach.
Während die Di-Canio-Geste in Deutschland als Hitlergruß gilt, meinten manche italienischen Kommentatoren, es handele sich gar nicht um ein Zeichen der Faschisten. Sie sprechen stattdessen vom "römischen Gruß" ("saluto romano") und verweisen auf ein altes Symbol der römischen Antike.
Gefeiert in der rechten Szene
Dennoch ist es kein Geheimnis, dass Di Canio mit seiner Zuneigung zur rechten politischen Szene kokettiert. Nach dem Zwischenfall im römischen Derby grassieren bereits Gerüchte, der Fußballer soll als Kandidat bei den Regionalwahlen im Frühjahr für die rechte Regierungspartei Alleanza Nazionale antreten. Die Vermutungen dementierte der Präsident der Region Lazio und Spitzenpolitiker der Alleanza Nazionale, Francesco Storace, allerdings umgehend.
Der Stürmer ist für die rechtsgerichteten Parteien hingegen zu einem Helden aufgerückt. Die Enkelin des faschistischen Diktators Benito Mussolini, Alessandra Mussolini, kündigte an, sie wolle Di Canio einen Posten in ihrer Partei, der rechten Alternativa sociale (Soziale Alternative), anbieten.
Als politisches Instrument will sich Di Canio, der 2001 von der Fifa mit dem Fairnesspreis ausgezeichnet wurde, jedoch nicht missbrauchen lassen. Am Wochenende ließ er über die Nachrichtenagentur Ansa verbreiten: "Ich erkläre, dass ich ein Profi bin. Meine Freude hat nichts mit Politik zu tun."
Lazio-Ultras drohen
Diese Aussage will der italienische Verband dem Stürmer jedoch nicht so ohne weiteres abnehmen und hat bereits ein Verfahren eingeleitet. Die Entscheidung soll Mitte Februar fallen. Doch den Fußball-Funktionären droht dann bereits die nächste peinliche Situation. Die Lazio-Ultras haben nämlich für den Fall, dass ihr Held bestraft werde, gedroht, mit einem 30.000 starken Trupp Richtung Verbandszentrale zu marschieren. Der "saluto romano", aus dem sich auch der "Hitlergruß" ableitete, dürfte dann von der Mehrzahl der Ultras gezeigt werden.
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