Frankfurt am Main - Hoyzer, 25, wird vorgeworfen, mehrere Spiele im DFB-Pokal sowie in der Zweiten Liga durch seine Entscheidungen beeinflusst zu haben, weil er vorher auf den Ausgang Sportwetten abgegeben hatte. Über die Anzahl der Spiele machte der DFB keine Angaben. Konkret genannt wurde nur das Erstrunden-Spiel um den DFB-Pokal zwischen dem Regionalliga-Verein SC Paderborn 07 und dem Hamburger SV am 21. August vergangenen Jahres.
Die Hamburger hatten die Partie nach 2:0-Führung mit 2:4 verloren, nachdem Hoyzer zwei überaus strittige Foulelfmeter gegen sie verhängt und zudem Stürmer Emile Mpenza wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt hatte. Zuvor soll Hoyzer angeblich einen höheren Geldbetrag bei Buchmachern auf einen Paderborner Sieg gewettet haben.
Der HSV wird möglicherweise zivilrechtliche Schritte gegen den Referee einleiten. "Hier ist dem Hamburger SV und dem deutschen Fußball ein großer Schaden zugefügt worden. Wir werden alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, damit dieses Unrecht wieder gut gemacht wird", sagte Clubchef Bernd Hoffmann im "ZDF-Sportstudio". Der durch das Ausscheiden entstandene Schaden für den Verein sei nicht zu beziffern. "Wer weiß, wie die Saison für uns sonst weiter gelaufen wäre. Wir könnten jetzt noch im Pokal-Wettbewerb sein."
Eine Korrektur der Spielergebnisse ist nach Angaben des DFB nicht mehr möglich. Trainer Klaus Toppmöller, der zum Zeitpunkt der Pokal-Partie noch Chefcoach beim HSV war und knapp zwei Monate später entlassen wurde, sieht sich als Opfer Hoyzers. "Der Schiri hat mich den Job gekostet. Wir waren gut drauf bis zur Partie in Paderborn. Aber dann ging's abwärts", sagte der Ex-Nationalspieler der "Bild am Sonntag": "Ich habe immer gehofft, dass der Fußball sauber ist. Aber jetzt muss man echte Zweifel haben, dass alles immer korrekt läuft."
Der Kontrollausschuss hat gegen Hoyzer Ermittlungen wegen unsportlichen Verhaltens aufgenommen. Hoyzer habe sich offenbar Geldvorteile verschaffen wollen, indem er auf ein von ihm gewolltes Spielergebnis wettete, sagte Kontrollausschuss-Vorsitzender Horst Hilpert. Der DFB will erst am vergangenen Mittwoch von dem Verdacht gegen Hoyzer erfahren haben. Hilpert hatte darauf hin kurzfristig für Freitagnachmittag die Vernehmungen des Schiedsrichters und von Zeugen anberaumt. "Es hat von Seiten des DFB keine Verzögerung des Falles gegeben", sagte Pressesprecher Harald Stenger.
Am Sonntag wäre Hoyzer als vierter Offizieller beim Bundesliga-Match zwischen Hannover 96 und Bayer Leverkusen vorgesehen gewesen. Stattdessen nominierte der DFB kurzfristig Norbert Grudzinski (Hamburg).
Hoyzer erklärte mittlerweile seinen Rücktritt und seinen Austritt aus seinem Club, Hertha BSC Berlin. Der Berliner stand seit Beginn der Saison 2002/2003 auf der DFB-Schiedsrichter-Liste und leitete bisher zwölf Spiele der 2. Fußball-Bundesliga, außerdem Begegnungen im DFB-Pokal und in der Regionalliga.
Hoyzer machte bei seiner Vernehmung keine Angaben zu den Vorwürfen. Er begründete dies damit, dass er nach seiner Vereinsaustrittserklärung nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Im Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, hatte Hoyzer zuvor die Manipulations-Vorwürfe bestritten.
Bereits in Dezember hatte es im Zusammenhang mit der Zweiliga-Partie Erzgebirge Aue und Rot-Weiß Oberhausen (Endstand 2:0) Vorwürfe wegen Sportwettenbetrugs gegeben. Weil kurz vor Anpfiff der Partie ungewöhnlich hohe Einsätze auf einen Sieg Aues gesetzt wurden, wurde das Spiel von einigen Anbietern kurzerhand aus dem Programm genommen.
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