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15.02.2005
 

Kritik an MV

Beckenbauer stellt DFB-Doppelspitze in Frage

Gerhard Mayer-Vorfelder gerät immer weiter ins Abseits. Franz Beckenbauer, Chef des WM-Organisationskomitees, ging heute öffentlich auf Distanz zum 71-Jährigen. Die DFB-Doppelspitze funktioniere nicht, so Beckenbauer, das habe das schlechte Krisenmanagement im Wettskandal gezeigt.

DFB-Doppelspitze Zwanziger (l.) und Mayer-Vorfelder: "Kann nicht funktionieren"
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REUTERS

DFB-Doppelspitze Zwanziger (l.) und Mayer-Vorfelder: "Kann nicht funktionieren"

Berlin - Die Installation einer DFB-Doppelspitze, die Mayer-Vorfelder gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger bildet, sei möglicherweise ein Fehler gewesen, sagte Beckenbauer heute in Berlin. "Sie ist mit gutem Glauben installiert worden, aber sie kann nicht funktionieren. Sie vergeudet zuviel Kraft auf Nebenkriegsschauplätzen."

Bis zur WM 2006 müsse Fußball-Deutschland mit Mayer-Vorfelder leben. "MV ist gewählt, mit diesem Kompromiss müssen wir fertig werden" so Beckenbauer über den 71-jährigen Funktionär. Am vergangenen Sonntag allerdings soll es nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) auf einer DFB-Präsidiumssitzung schon fast zu einem Misstrauensvotum gegen Mayer-Vorfelder gekommen sein.

Zwanziger will eine Eskalation des Konflikts in der DFB-Führungsspitze verhindern. Er wolle zumindest alles dafür tun, dass die Doppelspitze bis zur WM 2006 halte, erklärte der 59-Jährige in der "FAZ". Allerdings fordert Zwanziger von Mayer-Vorfelder eine klare Aufgabenteilung ein: "Ohne dass ich ihn entmachten will: MV muss auch mal loslassen können." Das operative Geschäft solle von ihm und einem schnell erreichbaren Gremium gemacht werden, sagte Zwanziger und bestätigte damit einen Vorab-Bericht von SPIEGEL ONLINE.

"MV" muss um Einfluss fürchten

Fakt ist, dass Mayer-Vorfelder einem Geschäftsführenden vierköpfigen Präsidium, das am Sonntag installiert wurde, nicht angehört. Das Gremium bilden Zwanziger, DFB-Schatzmeister Heinrich Schmidhuber, Liga-Präsident Werner Hackmann und Generalsekretär Horst R. Schmidt. So sollen schnellere Entscheidungen im Zuge des Wett- und Manipulationsskandals um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer möglich sein. Der Verzicht auf Mayer-Vorfelder verstärkt den Eindruck, dass der Schwabe an Macht im Verband verliert.

Für eine Absetzung von Mayer-Vorfelders, der nach bisherigen Plänen nach der Weltmeisterschaft 2006 seinen Platz für einen alleinigen Präsidenten Zwanziger räumen wird, gebe es ohnehin nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist sein Rücktritt, den "MV" aber schon mehrfach ausgeschlossen hat. Eine zweite wäre die Einberufung einer außerordentlichen DFB-Vollversammlung. Das scheint im Hinblick auf die Außenwirkung kurz vor der WM noch immer schwer vorstellbar, aber nicht mehr ausgeschlossen.

Schlechte Stimmung herrscht aber nicht nur innerhalb der DFB-Spitze, sondern auch im Organisationskomitee (OK) für die WM 2006. Die Atmosphäre sei momentan nicht sehr gut, sagte Beckenbauer. Schon auf dem DFB-Bundestag im Oktober vergangenen Jahres in Osnabrück hatte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalelf keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Doppelspitze gemacht.

Man könne froh sein, dass man im OK "so gute Leute" habe, sagte Beckenbauer. "Wir sind seit Monaten nur noch damit beschäftigt, einen Brand nach dem anderen zu löschen." Zunächst habe die Suche nach einem neuen Bundestrainer, dann die Installation der Doppelspitze und jetzt der Wett- und Manipulationsskandal für Substanzverlust und Ablenkung vom Wesentlichen gesorgt, klagte Beckenbauer.

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